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Ständig erschöpft, müde und unkonzentriert: Was ist das Chronic-Fatigue-Syndrom?

Permanente Erschöpfung, Schlafstörungen und Konzentrationsschwächen: Diese Symptome können sich hinter dem Chronischem Fatigue Syndrom verbergen. Oft gilt eine Virus-Infektion - wie zum Beispiel Covid-19 - als Auslöser. Könnte ein Zusammenhang der beiden Erkrankungen bestehen?
 
Chronisches Erschöpfungssyndrom: Was steckt hinter der dauerhaften Erschöpfung und wie sie mit Corona zusammenhängt
Erfahren Sie was hinter dem chronischen Erschöpfungssyndrom steckt und inwiefern Zusammenhänge mit dem Coronavirus bestehen. Symbolbild:Engin Akyurt/Pixabay Foto: Engin Akyurt auf Pixabay

Das Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS) ist aus medizinischer Sicht noch voller Fragen. Unklar ist bereits die Zahl der Betroffenen:  Deutschlandweit leiden geschätzt 250.000 Menschen an dem Syndrom, meint die "Deutsche Gesellschaft für ME/CFS". Weltweit wird die Zahl der Betroffenen auf etwa 17 Millionen geschätzt. Trotzdem ist noch vieles unbekannt: So gibt es bis heute keine eindeutigen Auslöser des Syndroms - und auch noch kein allgemeingültiges Therapierezept.

Selbst die genaue Bezeichnung ist kontrovers: Neben der Bezeichnung "Chronic Fatigue Syndrome", wird auch von "Myalgische Enzephalomyelitis" (ME) gesprochen. Die beiden Begriffe meinen etwas Ähnliches, unterscheiden sich allerdings in ihrer Definition. 

Autoimmunerkrankung CFS / ME - was ist damit gemeint?

Bei ME/CFS handelt es sich laut Claudia Schreiner von der Berliner Charité nicht um eine psychische, sondern um eine komplexe organische Erkrankung, die von der WHO seit 1969 als neurologisch klassifiziert wurde. Sie kann alle Systeme des Körpers betreffen und führt in den meisten Fällen zu einem hohen Grad der Behinderung. "Vieles spricht dafür, dass es sich bei ME/CFS um eine Autoimmunerkrankung handelt, die unter anderem die Funktionen des autonomen Nervensystems stört", erklärt Professorin Carmen Scheibenbogen gegen über der Apotheken Umschau. Scheibenbogen ist  Leiterin der einzigen Spezialambulanz für Erwachsene mit ME/CFS an der Charitè in Berlin.

Das Hauptsymptom ist nicht wie oft angenommen die Fatigue (eine sehr belastende Erschöpfung), sondern die sogenannte Post-Exertional Malaise (PEM). Darunter wird eine  Symptomverschlechterung durch Belastung verstanden. Die Verschlechterung der bestehenden Symptome tritt nach körperlicher oder geistiger Anstrengung auf und führt unter anderem  zum Verlust der körperlichen, muskulären und mentalen Kraft, grippalen Symptomen und Schmerzen. Ursächlich hierfür sind eine Belastungsintoleranz, das pathologische Unvermögen, bei Bedarf Energie herzustellen, so Schreiner.  

Diese Bezeichnung hingegen bezieht sich auf die Muskelschmerzen, die bei vielen Betroffenen als Symptom auftreten. Demnach sind beide Begriffe nicht ganz präzise. Grundsätzlich gilt die Krankheit derzeit als "eine Multisystemerkrankung, die das Immunsystem, das Nervensystem und den Energiestoffwechsel beeinflusst", erklärt Scheibenbogen. 

Verschiedene Auslöser - Syndrom oft nach Virusinfektion festgestellt

Die Anzeichen einer ME/CFS-Erkrankung sind nicht immer sofort ersichtlich, da der Beginn außerdem oft schleichend verläuft. Oft sind es jedoch einschneidende Lebensereignisse, die als Ursache gewertet werden. So können etwa traumatische Erfahrungen oder schwerwiegende Verletzungen dazu führen. 

Häufig berichten Betroffene zudem von einer heftigen Virusinfektion vor dem Auftreten des Syndroms. Dem Tagesspiegel erklärt Scheibenbogen: "Bei den meisten Patienten beginnt die Erkrankung mit einer Infektion und bei diesen Patienten spricht inzwischen vieles dafür, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt. "

Ein Artikel der Zeit-Online berichtet, dass bei Menschen, die an ME/CFS erkrankten ähnliche erhöhte Werte zeigten, die auch bei einer Corona-Erkrankung erhöht seien. Diese Stoffe seien für die Immunreaktion verantwortlich und weisen auf eine andauernde Entzündung im Körper auch nach der Akutphase hin. Schreiner wies allerdings darauf hin, dass die eindeutige und systematische Abweichung bestimmter Stoffe nach bisherigem Forschungsstand nicht als gesichertes Wissen festgelegt werden könne.

Chronisches Erschöpfungssyndrom als Spätfolge von Corona möglich

Die schwelende Entzündung könnte erklären, warum Erschöpfung über einen längeren Zeitraum nach der überwundenen Corona-Erkrankung auftritt. Diese Faktoren könnten die Entwicklung einer ME/CFS-Erkrankung als Spätfolge von Corona bevorteilen. Experten wie Frances Williams vom King’s College vermuten, dass es schon vermehrt bei Covid-19 Patienten zu ME/CFS-Erkrankungen kommen könne. Grundsätzlich lasse sich aber noch nicht voraussagen, ob und bei wie vielen Betroffenen das Symptom der Fatigue zu einer ME/CFS-Erkrankung werde. Trotzdem scheint Fatigue eine der häufigsten Symptome einer überstandenen Covid-19 Erkrankung zu sein. 

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Bei vergangenen Pandemien sei eine Zunahme an ME/CFS-Erkrankten bereits festgestellt wurden sein: "Besorgniserregende Daten dafür liefern frühere SARS- und MERS-Epidemien, nach denen ME/CFS gehäuft aufgetreten ist", erklärt Scheibenbogen.

Eine konkrete Ursache, auf die ME/CFS zurückzuführen ist, gibt es nach aktuellem Forschungsstand nicht. Es besteht die Annahme, dass verschiedene Faktoren den Ausbruch begünstigen. Eine zu hohe körperliche Belastung, akuter Stress, Probleme im Arbeits- oder Familienkreis können den Zustand verstärken oder über einen langen Zeitraum aufrechterhalten.

Physische und psychische Beschwerden: Wenn schon das Aufstehen schwerfällt 

Oft wird statt von ME/CFS von einem "chronischen Erschöpfungssyndrom" gesprochen. Experten raten allerdings von dieser Bezeichnung ab, da es somit leicht zu Verwechslungen mit dem Symptom der Fatigue führen kann und generell das gesamte Krankheitsbild zu sehr verharmlost. Erschöpfung, Energielosigkeit oder Müdigkeit, die den Betroffenen zu schaffen macht, sind eben meist nicht die Hauptsymptome dieser Krankheit. 

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Je nach Grad der Erkrankung schaffen es die Betroffenen zum Teil stundenlang nicht aus dem Bett.

Kleinste geistige oder körperliche Anstrengungen können bereits so viel Energie kosten, dass sich die Erschöpfung noch intensiver ausprägt. Auch Schlaf kann dem nicht entgegenwirken, denn viele Betroffene leiden zusätzlich an Schlafstörungen. 

Das sind die Symptome

Betroffene haben meist sowohl mit physischen, als auch mit psychischen Beschwerden zu kämpfen: Laut der Apotheken-Umschau zählen dazu:

  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
  • Schlafstörungen
  • depressive Verstimmungen
  • Ängste
  • Schmerzende Muskeln und Gelenke
  • Lymphknotenschwellungen
  • Halsschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Magen-Darm-Störungen

Ein präziser Krankheitsverlauf ist nicht vorhersehbar. Da die Diagnose ME/CFS jedoch erst nach sechs Monaten gestellt wird, leiden Betroffene über viele Monate oder gar Jahre hinweg. Die Fälle verlaufen verschieden, beginnen jedoch oft mit einer Erkrankung an einem Virus. 

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Auch eine Besserung der Situation kann schleichend, jedoch ebenfalls plötzlich geschehen. Dabei ist die Ursache meist nicht klar erkennbar. Hinzu kommt, dass es eine hohe Rückfallquote gibt, "vor allem nach Infekten, körperlicher Belastung und Stressperioden kann sich die lähmende und anhaltende Erschöpfung wieder einstellen", schreibt netdoktor.de

Da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, ist eine vollständige Heilung seltener. Dennoch ist das nicht ausgeschlossen. In einem Interview mit "Gesundheitsstadt Berlin" erklärt Professorin Scheibenbogen: "Es gibt aber Patienten, die wieder vollständig genesen. Dazu ist das Vermeiden von Überlastungen ebenso wie die symptomorientierte Therapie hilfreich."

Viele Behandlungsmöglichkeiten - unklare Wirkung

Für das chronische Erschöpfungssyndrom gibt es nach bisherigem Forschungsstand keine einheitliche und in jedem Fall zielführende Behandlungsmethode. Allerdings stehen verschiedene Ansätze im Raum:

  • Spezielle Ernährungsweise (oft Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung)
  • Geregelter Tagesablauf mit festen Routinen
  • besonders wichtig ist aber ein individueller Behandlungsplan der auf den Betroffenen angepasst wird

Weil die Krankheit eine eingeschränkte Lebensqualität mit sich bringt, kann Betroffenen auch durch  psychologische Unterstützung geholfen werden. "Im Rahmen einer Verhaltenstherapie lässt sich beispielsweise erlernen, wie man Signale des Körpers besser wahrnimmt und Pausen einlegt, wenn sie angebracht sind, also nicht zu spät", erklärt die "Apotheken Umschau". Für Patienten, die eine depressive Reaktion oder eine Angststörung entwickelt hat, könne zudem eine individuell angepasste Psychotherapie helfen.

Eine weitere Option besteht darin, vorhandene Schmerzen zu lindern, was in Form von Medikamenten geschehen kann.  Neben klassischen Schmerzmitteln gegen Gelenk- oder Kopfschmerzen können auch Antidepressiva im Falle einer krankheitsbegleitenden Depression zum Einsatz kommen.  

Hier finden Sie Hilfe: 

Sollten Sie Symptome bei sich oder bei Bekannten feststellen, können Sie Hilfe suchen. 

Bei folgenden Stiftungen und Organisationen finden Sie weitere Informationen: 

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. 

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