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Covid-19

Studie zum PIMS-Syndrom: 58 Prozent der Kinder müssen auf die Intensivstation

Auch Kinder sind nicht komplett sicher vor einem schweren Verlauf einer Corona-Infektion. Das PIMS-Syndrom stellt eine Folge dar, die für Kinder lebensgefährlich werden kann und in manchen Fällen auch zu langfristigen Herzerkrankungen beiträgt.
 
PIMS-Syndrom: 58 Prozent der Kinder müssen auf die Intensivstation
Das neuartige PIMS-Syndrom stellt eine Gefahr für Kinder dar, die zuvor unter einer Coronainfektion gelitten hatten. Ein Großteil der PIMS-Patienten muss auf der Intensivstation behandelt werden. Foto: Farbsynthese/pixabay.com

Neue Krankheit bei Kindern entdeckt: In mehreren europäischen Ländern wurden bei Kindern Wochen nach einer Corona-Infektion ungewöhnliche Beschwerden festgestellt. Verantwortlich dafür ist das PIMS (Paediatric inflammatory multisystem syndrome) oder PMIS (Paediatric multisystem inflammatory syndrome), deren Symptome dem "Kawasaki-Syndrom" ähneln. 

Dabei ist das Syndrom alles andere als ungefährlich: Knapp 58% der PIMS-Fälle mussten in einer Erfassung der Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie e.V. (DGPI) auf der Intensivstation behandelt werden.

Update vom 22.03.2021: PIMS-Erkrankung - das sind die Symptome

PIMS wurde bereits in vorherigen Updates von inFranken.de aufgegriffen. Dabei handelt es sich um ein Syndrom, das aufgrund einer irregeleiteten Immunreaktion zu Entzündungsprozessen in verschiedenen Organen und in Blutgefäßen führen kann. Jedes 1000te Kind mit einer Corona-Infektion ist von PIMS betroffen, wie der BusinessInsider berichtet.

Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie e.V. (DGPI) erfasste, um die genauen Folgen von PIMS zu untersuchen, im Zeitraum vom 27.05.2020 bis 21.03.2021 245 Kinder und Jugendliche, die deren Falldefinition eines PIMS-Falls erfüllten. Unter dieser Definition sind all die Fälle erfasst, die 

  • Fieber
  • erhöhte systemische Inflammationsparameter
  • Mindestens zwei Organbeteiligungen
  • Evidenz einer aktuellen oder stattgehabten Corona-Infektion oder eines Corona-Kontaktes

aufweisen und andere infektiologische Ursachen ausgeschlossen werden können.

Folgeschäden von PIMS: Unter anderem dauerhafte Herzschäden

Als Folgen von PIMS können am häufigsten Probleme im Herz-Kreislauf-System und im Magen-Darm-Trakt festgestellt werden. Allerdings wurden dem BusinessInsider zufolge auch "Folgen für die Haut, Schleimhaut, Lunge und Luftröhre sowie Blut und Blutgerinnung" erfasst. Ungefährlich ist PIMS also definitiv nicht. Rund 58 Prozent der PIMS-Fälle musste auf der Intensivstation behandelt werden. Intensivmediziner Christian Dohna Schwake soll im Spiegel von dem Fall eines sechsjährigen Jungen erzählt haben, welcher fünf Tage in ein künstliches Komma versetzt werden musste.

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Dabei konnte die DGPI feststellen, dass die Opfer von PIMS verhältnismäßig oft im Grundschulalter und männlich sind. Tatsächlich sind über die Hälfte der PIMS-Fälle in einem Alter zwischen 7 und 15 Jahren, obwohl dieses Alter nur knapp 28 Prozent der Coronafälle aller Kinder und Jugendlichen bis 21 Jahre ausmacht. Auch Begleiterkrankungen scheinen für das Auftreten von PIMS weniger relevant zu sein als für eine Coronainfektion. Die dritte Coronawelle bereitet besonders große Sorgen: Denn mehr insgesamte Infektionen könnten ebenfalls mit mehr PIMS-Fällen verbunden sein. Über die Virusvarianten ist im Zusammenhang mit PIMS noch nicht viel bekannt, wie der BusinessInsider berichtet.

Obwohl die Behandlung von PIMS normalerweise mithilfe von Kortison gelingt. erleiden knapp 7 Prozent der PIMS-Fälle Folgeschäden. Darunter fallen unter anderem dauerhafte Herzschäden. 

Update vom 04.03.2020: MIS-C trifft vor allem Kinder im Grundschulalter

Anfang des Jahres häuften sich in Großbritannien die Meldungen über ein verstärktes Auftreten der Entzündungskrankheit MIS-C.  "Seit Beginn des Januars sind jeden Tag zwischen zwölf und 15 Kindern daran erkrankt", schrieb das britische Nachrichtenportal The Guardian am 05. Februar. Es gilt als wahrscheinlich, dass es sich dabei um eine Folgeerkrankung von Covid-19 handelt, die vor allem bei Kindern im Grundschulalter beobachtet wird.

In den meisten Fällen treten die Beschwerden jedoch erst zwei bis sechs Wochen nach einer Covid-19-Erkrankung auf, erklärt die wissenschaftliche Zeitschrift BMJ.  Besonders typisch ist hohes Fieber, das für mindestens 24 Stunden anhält. Auch Ausschlag sowie eine Bindehautentzündung sind Anzeichen auf das "multisystemische Entzündungssyndrom" und sollten ärztlich untersucht werden. 

Bei Verdacht auf eine auf MIS-C sei es wichtig, Labortests durchzuführen, um mögliche Entzündungen und Organdysfunktionen festzustellen. Obwohl die  Folgeerkrankung verhältnismäßig selten auftritt, seien die Anzeichen sehr ernst zu nehmen. Wird es diagnostiziert, könne eine ärztliche Behandlung "mit intravenösem Immunglobin und Steroiden die Entzündungsreaktionen reduzieren und den Ausgang verbessern", schreibt BMJ

Update vom 02.07.2020: US-Studien erhärten Zusammenhang zwischen Kinderkrankheit und Corona-Infektion

US-amerikanischer Forscher haben sich mit der neuartigen Krankheit befasst, die im Zusammenhang mit Coronavirus-Infektionen auftritt. Dabei handelt es sich um MIS-C (multisystem inflammatory syndrome in children).

In der Fachwelt wird die Krankheit gelegentlich auch als PIMS (Paediatric inflammatory multisystem syndrome) oder PMIS (Paediatric multisystem inflammatory syndrome) bezeichnet.

In zwei Studien, die am Montag (29. Juni 2020) im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden, hatten die Wissenschaftler die Krankenakten von knapp 300 Kindern und jungen Menschen unter 21 Jahren ausgewertet, die zwischen März und Mai in den USA behandelt wurden. Ihre Gemeinsamkeit: Bei allen war eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt worden oder es bestand zumindest der dringende Verdacht einer Infektion. 

MIS-C (PIMS/PMIS): Das sind die Symptome der neuen Kinderkrankheit 

Die Ergebnisse der Studie im Überblick: 

  • Das Syndrom tritt erst einige Wochen nach einer Coronavirus-Infektion auf: Bei der einen Studie lagen 25 Tage zwischen Krankheitsausbruch und Pandemie-Höhepunkt, bei der anderen über ein Monat.
  • Häufigste Symptome sind Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen und Durchfall. Darunter litten 80 Prozent der MIS-C-Patienten.
  • Alle Patienten hatten Fieber, oft mehr als vier oder fünf Tage lang.
  • Bei 80 Prozent der Betroffenen traten Herz-Kreislauf-Probleme auf, acht bis neun Prozent der Kinder entwickelten ein Aneurysma an den Herzarterien, also eine potenziell gefährliche Erweiterung der Arterien.
  • In 80 Prozent der untersuchten Fälle erfolgte eine Behandlung auf der Intensivstation, 20 Prozent der Patienten wurden beatmet. Die Todesrate lag bei zwei Prozent.
  • Schwarze Kinder und Kinder mit hispanischen oder indischen Wurzeln waren häufiger betroffen als weiße Kinder.

Laut Express seien weltweit rund 1000 Fälle des Syndroms registriert worden, wie Michael Levin vom Londoner Imperial College in einem Kommentar zu den US-Studien geschrieben habe. Das Europäische Zentrum für Seuchenprävention und -kontrolle habe bis zum 15. Mai 230 Fälle in Europa gemeldet. Jeweils ein Kind in Frankreich und Großbritannien sei demnach an MIS-C gestorben.

Großbritannien habe Ende April vor dem Syndrom bei Kindern im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 gewarnt, im Mai habe sich auch die US-Gesundheitsbehörde CDC der Warnung angeschlossen, berichtet der Express. Die neuen US-Studien bestätigten, dass es Gemeinsamkeiten zwischen MIS-C und Kawasaki gebe. Allerdings litten unter MIS-C in der Regel ältere Kinder und die Entzündungsreaktionen fallen heftiger aus. Weiterhin nicht abschließend geklärt sei die Ursache von MIS-C. Es werde vermutet, dass sich dahinter eine Überreaktion des Immunsystems verberge.

Update vom 29.05.2020: Neue Kinderkrankheit in Deutschland entdeckt

Nun wurde neben dem "Kawasaki-Syndrom" eine weitere Krankheit entdeckt:  In einem Kinderkrankenhaus in Niedersachsen wurden seit Mitte April erstmals mehrere Fälle einer Autoimmunkrankheit nachgewiesen. Das sogenannte "Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS)" zeigt ähnliche Symptome wie das "Kawasaki-Syndrom", beispielsweise hohes Fieber oder Hautausschlag. Das berichtet der Tagesspiegel.

In Deutschland gibt es bisher vier bestätigte Fälle der "PIMS"-Krankheit. Die Kinder waren zwischen drei Monaten und 13 Jahre alt. Die Behandlung verlief weitestgehend problemlos, sodass keines der Kinder länger als zwölf Tage in stationärer Behandlung bleiben musste. Besonders interessant: Bei allen vier Kindern wurden Antikörper gegen das Coronavirus festgestellt.

Ob es eine direkte Verbindung zum Coronavirus gibt, ist bisher nicht klar. Weltweit erkrankten bis Mitte Mai 230 Kinder an der Autoimmunkrankheit.  Einige davon wurden positiv auf den Erreger des Sars-CoV-2 getestet.

Immunreaktion auf Infektion mit dem Coronavirus?

In der Universitätsklinik Genf wurden seit Beginn der Corona-Epidemie drei Kinder mit solchen schweren Entzündungen behandelt. Ein Kind sei genesen und entlassen wurden, eines befinde sich auf der Normal- und eines auf der Intensivstation, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. Das Alter der Kinder konnte sie nicht nennen.

Nach Angaben des Schweizer Corona-Beauftragten Daniel Koch handelt es sich wahrscheinlich um eine Immunreaktion auf eine Infektion mit dem Coronavirus. "Das Virus löst einen Entzündungssturm aus, eine Überreaktion des Immunsystems", sagte der Genfer Kantonsarzt Jacques-André Romand. 

Auch aus Italien und Spanien wurden Fälle gemeldet. In Großbritannien hat der nationale Gesundheitsdienst (NHS) Krankenhäuser auf etwa zwei Dutzend schwer kranke Kinder aufmerksam gemacht. Viele, aber nicht alle seien positiv auf das neue Virus Sars-CoV-2 getestet worden. Die Gesellschaft für Intensivpflege von Minderjährigen (PICS) riet Ärztinnen und Ärzten, besonders auf Symptome bei Kindern zu achten, die einem toxischen Schock ähnelten.

Einige Kinder entwickeln schwere Krankheitsverläufe

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich bereits mit dem Thema befasst, wie die Covid-19-Beauftragte Maria van Kerkhove am Mittwochabend sagte. "Wir wissen, dass Kinder in der Regel weniger schwere Krankheitsverläufe haben, aber einige entwickeln schwere Krankheiten, und einige sind auch gestorben", sagte sie. "Wir haben unser globales Ärztenetzwerk aufgerufen, wachsam zu sein."

WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan fügte hinzu: "Dies zeigt, dass das Virus nicht nur die Lunge, sondern auch anderes Gewebe angreift." Allerdings beruhigte Ryan besorgte Eltern: "Der allergrößte Teil der Kinder, die sich mit dem Virus anstecken, haben eine milde Infektion und erholen sich komplett." 

Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach, warnte ebenfalls vor Panik. "Es gibt keine Hinweise auf einen Zusammenhang von Covid-19 und dem Kawasaki-Syndrom", sagte er der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Das Kawasaki-Syndrom gebe es schon lange und es sei sehr selten. Ein Anstieg der Erkrankung seit Beginn der Covid-19-Pandemie sei nicht zu erkennen.

Bislang kein Zusammenhang zwischen Kawasaki und dem Coronavirus nachweisbar

"Die Berichte aus anderen Ländern von Kindern mit einem Kawasaki-Syndrom-ähnlichen Verlauf lassen zu jetzigem Zeitpunkt lediglich eine schwere Entzündungsreaktion, die nicht nur durch das Coronavirus allein erklärbar wäre, erkennen. Es wird häufig von einem sogenannten inkompletten Kawasaki-Syndrom gesprochen", erklärt André Jakob, Leiter der kinderkardiologischen Ambulanz im Dr. von Haunerschen Kinderspital in München gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR). 
Der Normalfall sei, dass Kinder die an Covid-19 erkranken kaum Symptome hätten. 

Was das Kawasaki-Syndrom auslöst, wissen Ärzte bis heute nicht. Es betrifft vor allem kleine Kinder.

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