• Affenpocken: Mehrere Fälle in EU-Ländern bekannt - Zahl steigt
  • Erster Fall von Affenpocken in Deutschland nachgewiesen - Bundeswehr teilt mit
  • Robert Koch-Institut: Das sind die Symptome
  • Verlauf und Therapie: So entwickeln sich die Affenpocken
  • WHO warnt und empfiehlt Isolation und Kontaktverfolgung

In Großbritannien gibt es seit dem ersten Fall von Affenpocken mittlerweile einige weitere Infektionen. Inzwischen mehren sich auch die Fälle von Affenpocken in weiteren Ländern: In Spanien, Portugal und weiteren Ländern sind nun ebenfalls Fälle aufgetreten. Und jetzt auch in Deutschland. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht jetzt eine rigorose Empfehlung aus: Isolation und Kontaktverfolgung. Auf welche Symptome du achten musst und wie gefährlich das RKI die Erkrankung einschätzt, erfährst du hier. 

Ärzte sollen wachsam sein: Affenpocken wohl sexuell übertragbar

In einem vom RKI veröffentlichten Beitrag heißt es, angesichts der Fälle im Vereinigten Königreich sollten Affenpocken auch dann bei unklaren pockenähnlichen Hautveränderungen als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden, wenn die Betroffenen nicht in bestimmte Gebiete gereist seien. Männer, die Sex mit Männern haben, sollten laut RKI bei ungewöhnlichen Hautveränderungen "unverzüglich eine medizinische Versorgung aufsuchen".

In Großbritannien hatte sich die Zahl der erfassten Fälle der seltenen Erkrankung nach Angaben der Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency (UKHSA) von Mittwoch weier erhöht. Verbindungen zwischen Betroffenen sind nur teilweise bekannt. Teils sei unklar, wo sich Betroffene angesteckt haben. Bei den beiden jüngsten Fällen in London und Südostengland gebe es keine Verbindung zu Reisen in Länder, in denen die Krankheit endemisch sei. Es sei daher möglich, dass die Ansteckungen durch eine Verbreitung von Mensch zu Mensch in Großbritannien stattgefunden hätten, hieß es in der Mitteilung vom Mittwochabend (18. Mai. 2022).

Bei der Mehrzahl der Erkrankten in Großbritannien handelt es sich der Behörde zufolge um Männer, die sexuellen Kontakt mit anderen Männern hatten. Affenpocken seien bislang nicht als sexuell übertragbare Krankheit bekannt, betonte die UKHSA, sie könnten aber durch direkten Kontakt während des Geschlechtsverkehrs übertragen werden. Männer, die sexuellen Kontakt mit anderen Männern haben, wurden daher aufgefordert, auf ungewöhnliche Ausschläge oder Verletzungen an ihrem Körper, insbesondere im Genitalbereich zu achten.

Blut, Gewebe, Ausscheidungen - so werden Affenpocken normalerweise übertragen

Laut RKI überträgt sich die Erkrankung normalerweise über Körperflüssigkeiten wie Blut, Gewebe oder Ausscheidungen von einem infizierten Tier auf den Menschen. In den meisten Fällen übertragen Nagetiere die Hauterkrankung.

Eine Übertragung der Affenpocken von Mensch zu Mensch sei äußerst selten und nur bei sehr engem Kontakt möglich. Bisher galten die Pocken nicht als sexuell übertragbare Krankheit. Die aktuellen Fälle zeigen laut RKI aber das Gegenteil. 

Die Infektion werde im Verlauf der Erkrankung ansteckender: "Eine Übertragung bereits in der Prodromalphase ist bei Face-to-Face-Kontakt durch ausgeschiedene Atemwegssekrete möglich."

Affenpocken in weiteren Ländern verbreitet: Dutzende Verdachtsfälle werden untersucht

Fälle der eigentlich seltenen Affenpocken werden mittlerweile in immer mehr Ländern nachgewiesen - nun etwa auch in Spanien, Portugal und den USA. Betroffen sei eine Person aus dem Bundesstaat Massachusetts im Nordosten des Landes, teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC am Mittwoch mit. Bei der Mehrheit der bisher bekanntgewordenen Fälle sind auch hier Männer betroffen, die Sexualkontakte zu anderen Männern hatten.

In Kanada untersuchen Gesundheitsbehörden laut örtlichen Medien rund ein Dutzend Verdachtsfälle. Ergebnisse würden in den kommenden Tagen erwartet. Über einen bestätigten Fall in der Provinz Quebec seien die Behörden informiert worden, berichtete der kanadische Rundfunksender CBC am Mittwochabend (Ortszeit) unter Berufung auf das dortige Gesundheitsministerium.

Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht.

Affenpocken-Symptome beim Menschen: RKI erläutert

Das Robert Koch-Institut erklärt, dass die Symptomatik bei den Affenpocken ähnlich wie bei den Menschenpocken sei. Die Pocken des Menschen gelten seit 1980 nach einer großen Impfkampagne weltweit als ausgerottet. Die Impfung schützte auch recht gut vor einer Infektion mit Affenpocken. Wie das RKI erläutert, haben weite Teile der Weltbevölkerung mittlerweile allerdings keinen Impfschutz mehr. Bei den Affenpocken unterscheiden die Experten zwischen zwei Phasen:

Präeruptives Stadium (vor dem Durchbruch)

  • Plötzlich einsetzendes Fieber (am zweiten Tag 38,5 bis 40,5 °C) mit starken Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Halsschmerzen, Husten, Unwohlsein und Prostration (äußerste Erschöpfung der Körperkräfte), zum Teil Durchfall
  • Häufig treten Lymphknotenschwellungen vor Beginn des Exanthems (Hautausschlags) auf

Eruptives Stadium

  • Normalerweise beginnt die Krankheit am ersten Tag mit typischem Enanthem (Ausschlag im Bereich der Schleimhäute) und Exanthem (entzündlicher Hautausschlag) im Gesicht, an den Händen, Unterarmen; zentripetale Ausbreitung über den Körper mit nachfolgender Entwicklung von Rötung und pockentypischen uniformen Effloreszenz-Stadien (Makula, Bläschen, Pusteln und Krusten) innerhalb weniger Tage bei circa 80 Prozent der Patienten. In 20 Prozent polymorphes Exanthem ähnlich wie bei Varizellen. Die Läsionen heilen nach Austrocknung und Desquamation mit Narbenbildung ab.
  • Gegen Pocken Geimpfte entwickeln weniger Effloreszenzen als nicht geimpfte Personen. In der Regel biphasischer Fieberverlauf mit erstem Gipfel in den ersten 3 bis 4 Krankheitstagen, Abfall auf unter 38 °C und Wiederanstieg zumeist um den 5./6. Tag bei Übergang in Pustelstadium. Bei nicht Geimpften erscheinen häufig Ulzerationen auf den Schleimhäuten der Mundhöhle mit Pharyngitis und Tonsillitis, Konjunktivitis mit Lidödem sowie sehr schmerzhafte Läsionen im Genitalbereich. Selten treten Erblindung und entstellende Narben als Dauerschäden auf. Schwerste, tödlich verlaufende hämorrhagische Formen sind selten.
  • Milde Verlaufsformen mit weniger als 10 Pockeneffloreszenzen sind beobachtet worden.

Verlauf der Affenpocken-Infektion - und Therapie bei Kindern und Erwachsenen

Die Inkubationszeit für Affenpocken beträgt zwischen 7 und 21 Tagen, teilt das RKI mit. Es handelt sich zu Beginn meist um einen Hautausschlag, der im Gesicht beginnt und sich dann auf weitere Körperteile ausbreitet.

Im Gegensatz zu den ausgerotteten Menschenpocken verlaufen Affenpocken laut Experten in der Regel deutlich milder - die meisten Menschen erholen sich innerhalb von einigen Wochen. Allerdings könne bei einigen Betroffenen auch ein schwerer Verlauf auftreten. Bei Kindern unter 16 Jahren, die mit der zentralafrikanischen Virusvariante infiziert sind, beobachtet man eine Sterblichkeit von um die 11 Prozent, heißt es auf der Website des RKI. In westlichen Ländern sei die Gefahr, die von den Pocken ausgehe aber gering, da sind sich die Experten in verschiedenen Medienberichten einig.

Die Therapie ist in erster Linie symptomatisch und supportiv, wichtig ist "das Verhindern bakterieller Superinfektionen". Ein zur Behandlung von Orthopockenvirus-Infektionen entwickeltes Arzneimittel wurde laut RKI kürzlich in der EU auch zur Behandlung der Affenpocken zugelassen (Tecovirimat).

WHO ruft zum Handeln auf: Isolation von Patienten und Kontaktverfolgung

Nachdem sich die Fälle von Affenpocken in unterschiedlichen Ländern häufen, hat die WHO nun dazu aufgerufen, zu handeln: Eine rigorose Kontaktverfolgung von Betroffenen sei ein erster, wichtiger Schritt in der Eindämmung der Ausbreitung - das teilte die Organisation am Mittwoch (18. Mai) mit. 

Erhärte sich der Verdacht auf Affenpocken im Verlauf der Hautveränderung, sollten Patient*innen dann auch konsequent isoliert werden. Gesundheitspersonal solle sich mit den üblichen Vorkehrungen bei Infektionen, die sich über Kontakt oder Tröpfchen ausbreiten können, schützen. Die WHO betont, dass die in der Corona-Pandemie für viele Menschen zur Selbstverständlichkeit gewordene Handhygiene gegen das Risiko einer Übertragung helfe. Reise- oder Handelsbeschränkungen mit Großbritannien hält die WHO "nach vorliegenden Informationen zur Zeit“ für unnötig.

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