Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz: Es gibt je nach Definition zwischen 14 und 250 verschiedene Arten mit unterschiedlichen Ursachen und Symptomen - und jeweils eigenen Behandlungsweisen.

"Am häufigsten sind Spannungskopfschmerzen. Davon sind mehr als die Hälfte meiner Kopfschmerz-Patienten betroffen", sagt Hans-Michael Mühlenfeld. Er ist Hausarzt in Bremen und Vorsitzender des Instituts für hausärztliche Fortbildung im Deutschen Hausärzteverband.

Am zweithäufigsten treten Migräne-Kopfschmerzen auf. Nur sehr wenige Patienten zeigten Symptome, die zu keinem der beiden passen.

Clusterkopfschmerzen: Treten nachts auf und sind nicht heilbar

Unter diesen Fällen gibt es aber eine Reihe von Krankheitsbildern. Ein Beispiel: Clusterkopfschmerzen treten besonders oft nachts auf und werden durch die Fehlfunktion eines Gesichtsnervs ausgelöst, wie Neurologe Prof. Gereon Nelles erklärt. Er ist Vorstandsmitglied im Berufsverband Deutscher Nervenärzte. "Diese Art von Schmerzen ist leider nicht heilbar."

Das Einatmen von Sauerstoff könne aber die rund 60-minütigen Attacken oft stark verkürzen.

Patienten mit solch seltenen Kopfschmerzarten werden oft in Spezialkliniken behandelt. In vielen Fällen kann jedoch der Hausarzt helfen. "Eine ausführliche Befragung und verschiedene Tests helfen uns dabei herauszufinden, um welche Art Schmerzen es sich handelt und ob ein Spezialist hinzugezogen werden sollte", sagt Mühlenfeld.

Migräne oft von Übelkeit begleitet - Spannungskopfschmerzen bauen sich langsam auf

Während Spannungskopfschmerzen beidseitig auftreten, schmerzt Migräne fast immer nur auf einer Seite des Kopfes. Migräneschmerzen können von Symptomen wie Übelkeit begleitet werden. Betroffene meiden oft Licht und laute Geräusche. "Zudem tritt Migräne eher in scharfen Attacken auf. Spannungskopfschmerzen dagegen bauen sich langsam auf und ab und werden oft als dumpf beschrieben", erklärt Mühlenfeld. Auch die Ursachen sind verschieden. "Spannungskopfschmerzen werden durch eine Verspannung der Muskulatur am Kopf ausgelöst", erklärt Mühlenfeld. Grund können Stress oder Fehlhaltungen sein.

"Die Ursache für Migränekopfschmerzen ist bislang unbekannt", sagt Nelles. Nach jetzigem Stand sei Migräne nicht heilbar. Bei Migräne werden als Medikament oft sogenannte Triptane verschrieben. "Diese sorgen dafür, dass die geweiteten Blutgefäße im Gehirn sich wieder verengen und die Schmerzen abnehmen", erklärt Mühlenfeld.

Kopfschmerztabletten als schnelle Hilfe: Wirkung individuell von der Person abhängig

Zur Akuttherapie können bei den meisten Kopfschmerzarten Schmerzmittel verwendet werden: Ibuprofen, Acetylsalicylsäure oder Paracetamol sind rezeptfrei erhältlich. Unterschiede treten bei den Medikamenten in der Wirkungsweise auf. Ibuprofen und Acetylsalicylsäure wirken direkt am Ausgangspunkt des Schmerzes, während Paracetamol seine Effekte vor allem im Rückenmark und im Gehirn entfaltet. "Welcher Wirkstoff bei welcher Kopfschmerzart am besten ist, muss ein Patient individuell ausprobieren", erklärt Neurologe Charly Gaul. Er ist Chefarzt der Migräne- und Kopfschmerzklinik in Königstein.

Keine Lust auf Schmerzmittel? Alternativen zur Tablette

Wer nicht zu den konventionellen Schmerzmitteln greifen möchte, hat natürlich Alternativen. Viel Schlaf und Ruhe sind empfehlenswert. "Kühlen des Kopfes hilft bei Migräne häufig auch", rät Gaul. Weiterhin kann bei Spannungskopfschmerzen das Einreiben von Schläfen und Nacken mit Pfefferminzöl Linderung verschaffen.

Ein weiteres, pflanzliches Schmerzmittel ist die Weidenrinde. Sie enthält Salicylate, welche Vorläufer des Schmerzhemmers Acetylsalicylsäure sind. Falls man sich für den Weidenrindentee entscheidet, muss man jedoch mit einem bitteren Geschmack rechnen. Angenehmer ist die Kapsel- oder Tablettenform, in der das Mittel auch erhältlich ist.

Wer keine Angst vor Spritzen hat, kann die etwas drastischere Neuraltherapie gegen den Schmerz ausprobieren. Hierbei wird ein örtliches Betäubungsmittel in die Nähe von Nerven gespritzt. Dies soll die Erregung der Nerven herabsetzen und somit den Schmerzkreislauf durchbrechen.

Stressbewältigung als erster Schritt - bei unbekannten Schmerzen Hausarzt aufsuchen

Auf lange Sicht können Stressbewältigungsverfahren sinnvoll sein. Denn Stress löst Spannungskopfschmerzen aus und kann Migräne verschlimmern. "Daher helfen regelmäßiger Ausdauersport und Entspannungstraining wie beispielsweise Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson", sagt Gaul. Durch die bewusste An-und Entspannung der Muskulatur lernen die Patienten Achtsam mit ihrer Muskelspannung umzugehen. Stress wird abgebaut und Kopfschmerzen vermieden.

Doch wann sollten Betroffene wegen Kopfschmerzen zum Arzt gehen? "Wenn Kopfschmerzen sehr heftig sind oder sich Schmerzen, die man kennt, in ihrem Charakter verändern. Auch Fieber kann ein Warnsignal sein. Besonders wachsam sollte man sein, wenn Kopfschmerzen erstmalig nach dem 50. Lebensjahr auftreten", warnt Gaul. Mühlenfeld erklärt zudem: "Grundsätzlich gilt: Bei Schmerzen, die mir unbekannt vorkommen, sollte ich immer meinen Hausarzt aufsuchen."

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Starke Kopfschmerzen sind im Alltag sehr unangenehm. Millionen Menschen leiden immer öfter am Hämmern im Kopf. Der Gesundheitsreport 2019 gibt Aufschluss darüber, wie oft Männer und Frauen Medikamente gegen Migräne verschrieben bekommen. mit dpa