Bielefeld
Gesundheitsrisiko

Foodwatch Vorwurf: Krebserregender Stoff in "Dr. Oetker"- Produkten - Unternehmen reagiert

Der Farbstoff "Titandioxid" steht heftigst in der Kritik. Verbraucherschutzorganisationen und Wirtschaftsunternehmen liegen im Clinch. "Dr. Oetker" zieht nun erste Konsequenzen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Untersuchungen der Verbraucherschutzorganisation "foodwatch" zufolge, soll sich in vielen "Dr. Oetker"-Produkten der mutmaßlich krebserregende Stoff "Titandioxid" befinden. Symbolfoto: Ulrike Holsten/Dr. Oetker-Versuchsküche/dpa
Untersuchungen der Verbraucherschutzorganisation "foodwatch" zufolge, soll sich in vielen "Dr. Oetker"-Produkten der mutmaßlich krebserregende Stoff "Titandioxid" befinden. Symbolfoto: Ulrike Holsten/Dr. Oetker-Versuchsküche/dpa

Der Nahrungsmittelkonzern "Dr. Oetker" und die Verbraucherorganisation "foodwatch" liefern sich aktuell einen medialen Schlagabtausch. Im Fokus der Debatte steht ein umstrittener Farbstoff. Es handelt sich um "Titandioxid".

"Titandioxid" ist ein Weißmacher. Er wird als Zutat in Produkten wie Zahnpastas, Kaugummis oder Bonbons verwendet. Die Europäische Chemikalienbehörde hat bereits 2017 vor dem Stoff gewarnt und gefordert ihn als "vermutlich krebserregend bei Inhalation" einzustufen. Frankreich hat bereits entschieden, "Titandioxid" ab 2020 zu verbieten. Auch in Deutschland ist eine Diskussion um den Farbstoff entbrannt. Vor wenigen Monaten positionierten sich namhafte Unternehmen und gaben bekannt, kein "Titandioxid" zu verwenden - darunter "Haribo", "Lindt", Nestlé" und eben "Dr. Oetker".

"foodwatch" und "Dr. Oetker" geben Analysen in Auftrag

Das Nahrungsmittelunternehmen mit Sitz im westfälischen Bielefeld wurde zuletzt von "foodwatch" unter die Lupe genommen. Im August 2019 gab die Verbraucherorganisation bekannt, dass Backzutaten von "Dr. Oetker" den umstrittenen Farbstoff enthalten: Zucker-Streußel, Backmischungen und Kuchen-Deko seien betroffen. "Krebsverdächtige Zusatzstoffe haben in Lebensmitteln absolut nichts zu suchen", gab Patrick Müller von "foodwatch" bekannt.

"Dr. Oetker" widersprach formal - "foodwatch" konterte mit Laboranalysen: In vier von vier Testprodukten seien erhebliche Anteile von Nanopartikeln des Farbstoffes gefunden worden. Nun reagierte "Dr. Oetker" erneut und gab eigene Untersuchungen beim "Institut für Lebensmitteltechnik" (DIL) in Auftrag. Am Samstag (14. Dezember 2019) sagte ein "foodwatch"-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur: "Die Ergebnisse des DIL bestätigen die Angaben von foodwatch nicht. Wir haben keinen Grund, die Aussagen des DIL anzuzweifeln."

"Dr. Oetker" rudert zurück": Kein "Titandioxid" mehr nach März 2020

Diese eindeutige Aussage, relativierte sich schnell, als "foodwatch" nur einen Tag später (15. Dezember 2019) öffentlich machte, dass "Dr. Oetker" ihnen mitgeteilt habe, am "Ende des ersten Quartals 2020" auf "Titandioxid" zu verzichten. "Dass Dr. Oetker künftig auf den umstrittenen Zusatzstoff Titandioxid verzichten möchte, ist gut. Dass der Konzern aber mit Verweis auf fragwürdige Laborergebnisse behauptet, in den Produkten gebe es keine Nanopartikel, ist hinterhältig", merkte Oliver Huizinga, Leiter des "foodwatch"-Rechercheteams, an.

Wie gefährlich der Farbstoff wirklich für die Gesundheit ist, wird weiterhin in wissenschaftlichen Kreisen diskutiert. Es existieren mehr als 300 Studien zu diesem Forschungskomplex, die teilweise unterschiedliche Standpunkte einnehmen. Auch das "Bundesinstitut für Risikobewertung" beschäftigt sich mit "Titandioxid". Auf die Entscheidung Frankreichs den Farbstoff zu verbieten, sagte das "BfR": "Es besteht noch Forschungsbedarf."

Doch nicht nur die Forschung diskutiert, sondern auch die Politik: Die Europäische Kommission hat bereits Anfang Oktober auf die anhaltende Debatte reagiert. Die Behörde kündigte im Brüssel an, dass der als Pulver weit verbreitete Farbstoff künftig einen Warnhinweis wegen des Krebsrisikos tragen solle. Als Begründung zog die EU-Kommission die Einschätzung der Europäischen Chemikalienagentur von 2017 heran. Ein Kommissionssprecher stellte jedoch gegenüber der dpa klar, dass der Stoff einstweilen nicht verboten werde.

Kommentare (0)

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.