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Gesundheit

Herpes bald heilbar? Neue Therapie mit Killerzellen gegen Herpesviren

Herpes ist eine Volkskrankheit: Fast 90 Prozent der Menschen in Deutschland tragen ein Virus in sich, das zu Herpes führen kann. Für von "Herpes Simplex" Betroffene gibt es jetzt einen Lichtblick: Forscher sind auf eine neue Therapie mit "Killerzellen" gestoßen, mit der sich die Virenerkrankung womöglich bald heilen lässt.
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Fast 90 Prozent aller Menschen in Deutschland tragen ein Virus in sich, welches zu Herpes führen kann. Für Betroffene gibt es jetzt einen Lichtblick. Forscher haben eine neue Therapie entwickelt. Foto: Helmholtz Zentrum München
Fast 90 Prozent aller Menschen in Deutschland tragen ein Virus in sich, welches zu Herpes führen kann. Für Betroffene gibt es jetzt einen Lichtblick. Forscher haben eine neue Therapie entwickelt. Foto: Helmholtz Zentrum München
Viele Menschen sind betroffen: Herpes. In Deutschland trägt etwa 90 Prozent der Bevölkerung das Herpes-Virus in sich, meist "Herpes-Simplex". Symptome kommen allerdings nur bei 20 bis 40 Prozent der Betroffenen zum Vorschein. Doch für sie könnte sich bald etwas Entscheidendes ändern: Ist Herpes wohlmöglich bald heilbar? Forscher haben eine neue Therapie mit "Killerzellen" entwickelt.


Helmholtz Zentrum München: Forscher untersuchten Herpesvirus

Forscher des Helmholtz Zentrums München und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) haben kürzlich das Humane Herpesvirus 6 (HHV-6) untersucht, das eng mit dem herkömmlichen Virus verwandt ist. Ihre Ergebnisse haben sie im Fachjournal PLOS Pathogens veröffentlicht: Ihnen ist es gelungen, die Bestandteile der Herpesviren zu identifizieren, und sie wissen jetzt, welche Zellen bekämpft werden müssen, um das Virus zu stoppen. Damit haben die Forscher eine neue Möglichkeit für eine Therapie gegen Herpes entwickelt. Das erklären sie in einer Pressemitteilung.


Was ist das Humane Herpesvirus 6?

Die meisten betroffenen Menschen haben sich bereits in der frühen Kindheit mit dem Herpesvirus 6 infiziert. Die Infektion mit HHV-6 kann im Säuglings- oder frühen Kleinkindalter zum sogenannten Dreitagefieber führen. Später verbleibt das Virus lebenslang im Körper. Es ist neben dem Herpes Simplex Virus für die typischen, lästigen Bläschen um den Mund verantwortlich.

Bei gesunden Menschen verursacht das Virus aber keine weiteren Symptome. Doch HHV-6 soll zur Entstehung von Autoimmunerkrankungen und des chronischen Erschöpfungssyndroms beitragen. Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem, beispielsweise nach Transplantationen, haben Schwierigkeiten, das Virus unter Kontrolle zu halten. Das kann zu schwersten Schädigungen verschiedener Organe führen.


Killer-T-Zellen erkennen verschiedene Virusstrukturen

Um diesem Risiko entgegenzuwirken, beschäftigen sich Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München damit, wie das Immunsystem das Virus in Schach hält. "Wir studieren den Werkzeugkasten des Immunsystems", erklärt PD Dr. Andreas Moosmann, der die Forschergruppe leitet. "Und wir haben ein paar interessante neue Werkzeuge entdeckt, die wir bereits nachbauen konnten."

Konkret untersuchten die Forscher, welche Strukturen des Virus die Killer-T-Zellen bevorzugt angreifen. Sie können infizierte Zellen zerstören und so die Vermehrung des Virus im Körper verhindern. Den Wissenschaftlern gelang es, gegen 20 von 300 T-Zellen herzustellen, von denen 16 tatsächlich ihr Ziel binden und die infizierte Zelle zerstören konnten.

"Es können offenbar sehr unterschiedliche Virusproteine als Zielstruktur für das Immunsystem dienen", so Andreas Moosmann. "Zudem beobachten wir bei gesunden Personen regelmäßig T-Zellen gegen diese Strukturen genauso wie bei Transplantationspatienten, die das Virus in Schach halten können."


Tests bei mehreren Patienten

"Wir sind nun dabei, dies bei einer größeren Zahl von Patienten zu überprüfen", erklärt Dr. Johanna Tischer,Transplantationsmedizinerin am Klinikum Großhadern. Langfristig wollen Andreas Moosmann und sein Team die Erkenntnisse für neue Therapien nutzbar machen: "Ein Ausbruch des Virus könnte möglicherweise verhindert werden, indem man Patienten HHV-6-spezifische Killer T-Zellen verabreicht. Bis dahin haben wir aber noch ein gutes Stück Arbeit vor uns."

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