Die persönliche Freiheit und das Recht auf Selbstbestimmung sind in Deutschland zu recht ein hohes Gut. Es muss gute Gründe dafür geben, diese Freiheit einzuschränken. Beim Thema Impfung und ganz aktuell beim viel und emotional diskutierten Thema Masern-Impfpflicht gibt es sie. Denn hier gefährdet die persönliche Freiheit einzelner die Gesundheit vieler Menschen.

Die WHO hat unlängst Impfgegner zum globalen Gesundheitsrisiko erklärt. Mehr noch, laut der Weltgesundheitsorganisation sind Impfgegner sogar eines der größten Risiken für die globale Gesundheit. Wenn man sich die Fakten anschaut, muss man sagen: Das stimmt. Die Gründe dafür im Überblick:

Impfgegner gefährden Menschenleben

Zu allererst und vordergründig: Wer sich grundsätzlich gegen Impfungen ausspricht, gefährdet das Leben vieler Menschen. Laut WHO retten Impfungen weltweit Millionen Menschen das Leben. Gefährliche Krankheiten, die über Jahrhunderte Abermillionen Menschen töteten, sind dank moderner Impfstoffe komplett oder nahezu ausgerottet. Man denke nur an die Pocken, die seit den 1980er Jahren Dank globaler Impfungen als ausgerottet gelten: Sie forderten nach Schätzungen allein in Amerika in der frühen Neuzeit über drei Millionen Tote.

Doch damit eine Krankheit tatsächlich ausgerottet werden kann, muss die Impfquote nahe 100 Prozent liegen. Experten schätzen, dass erst ab einer Impfquote von 95 Prozent die erfolgreiche Bekämpfung einer Krankheit möglich ist. Jeder Impfverweigerer gefährdet damit den Erfolg der Gesundheitsstrategie.

Impfgegner sind asozial

Wer auf eine medikamentöse Behandlung von Krankheiten verzichtet, gefährdet meist nur sich selbst. Das ist dann vielleicht dumm, doch kann man dieses Verhalten mit der persönlichen Freiheit durchaus rechtfertigen: Jeder sollte das Recht haben, sich selbst zugrunde zurichten. Doch bei Impfungen ist das anders.

Impfungen sollen vor allem die Schwächsten schützen. Jene, die wegen eines schwachen Immunsystems ganz besonders durch aggressive Erreger gefährdet sind. Also vor allem Kinder, Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Grippe: Sind genügend gesunde Menschen geimpft, ist die Ausbreitung der Influenza-Viren unwahrscheinlicher. Auch die Mutation des Virus wird unwahrscheinlicher: Die Entwicklung besonders aggressiver Virenstämme und damit eine globale Katastrophe wie die Spanische Grippe Anfang des 20. Jahrhunderts kann so verhindert werden.

Impfgegner kosten den Steuerzahler viel Geld

Impfungen sind präventive Gesundheitsmaßnahmen. Im Vergleich zur Behandlung von Krankheiten sind sie verhältnismäßig günstig. Manche Erkrankungen, wie beispielsweise die Masern, können zudem langfristige gesundheitliche Probleme erzeugen. Hier fallen dem Gesundheitssystem weitere Kosten an. Zudem entstehen der Volkswirtschaft durch Krankheitstage enorme Kosten. Kurz gefasst: Jeder Impfgegner kostet den deutschen Staat - und damit den Menschen in Deutschland - bares Geld.

Warum Impfgegner trotzdem manchmal Recht haben

Impfgegner kosten Geld und Menschenleben - das darf jedoch nicht heißen, dass jede Impfung gleich sinnvoll ist. Natürlich ist eine kritische Auseinandersetzung mit und die genaue Kontrolle von neuen Impfstoffen richtig und wichtig. Impfungen stellen mitunter selbst ein Gesundheitsrisiko für den Geimpften dar. Gefahr und Nutzen muss genau gegeneinander abgewogen werden. Dies muss allerdings auf Basis empirischer Daten erfolgen - nicht auf Basis von gefühlten Wahrheiten und subjektiven Empfindungen.

Der einzige Weg: Die Impfpflicht

Impfungen sind Opfer ihres eigenen Erfolgs: Weil viele Krankheiten, für die ein Impfstoff existiert, heutzutage selten sind, sinkt der Impfdruck. Die Logik: Warum soll ich mich gegen eine Krankheit impfen lassen, wenn ich auch so wahrscheinlich nie an ihr erkranken werde? Dass dadurch die Gefahr steigt, dass in Zukunft aggressivere Erregerstämme auftauchen werden, ist dem Einzelnen dann oft egal.

Es sollte deshalb Aufgabe des Staates zu sein, das Wohl aller und vor allem zukünftiger Generationen im Auge haben. Gegebenenfalls auch gegen das Interesse des Einzelnen. Deshalb: Wenn sich die Impfquote auf freiwilliger Basis nicht erhöhen lässt, dann muss dies eben über eine Impfpflicht erfolgen!