• So viele Büroarbeiter*innen gibt es in Deutschland
  • Durchführung der Studie
  • Beobachtungen & Ergebnisse
  • Fazit

Nach einem vollen Tag im Büro fühlt man sich oftmals müde und ausgelaugt; fast so, als hätte man harte körperliche Arbeit hinter sich. Wie dies möglich ist, hat ein Forschungsteam vom Paris Brain Institute in einer Studie herausgefunden.

Büroarbeit in Deutschland und die Durchführung der Studie

2020 hat das Institut der deutschen Wirtschaft in ihrer Vierteljahresschrift zur empirischen Wirtschaftsforschung festgehalten, dass in Deutschland insgesamt rund 14,8 Millionen Menschen in Büros arbeiten. Dabei ist im Zeitraum von 2012 bis 2018 die Anzahl der Büro-Beschäftigten um knapp 3 Millionen angestiegen. Diejenigen, die täglich einen harten Büro-Alltag hinter sich haben, kennen sicherlich das Gefühl, sich abends so erschöpft wie nach körperlicher Arbeit zu fühlen.

Wieso dies so ist, hat ein Forschungsteam rund um Antonius Wiehler vom Paris Brain Insitute herausgefunden. Seine Ergebnisse veröffentlichte das Team in der Fachzeitschrift "Current Biology". Herausgefunden werden konnte, dass sich beim intensiven Nachdenken ein Stoff anhäuft, der den Nervenstoffwechsel stören kann und in hohen Konzentrationen sogar giftig ist.

Die Studie lief wie folgt ab: 40 Proband*innen mussten an einem Bildschirm arbeiten. Auf diesem bekamen sie im Sekundentakt Buchstaben angezeigt, welche sie nach Merkmalen wie der Farbe ordnen mussten. Überdies sollten sie in kurzen Gedächtnistests angeben, ob sie den dargestellten Buchstaben bereits kurz vorher gesehen hatten. 16 der Teilnehmer*innen bekamen eine vereinfachte Version der Aufgaben, während die restlichen 24 eine schwierigere Version bewältigen mussten. Mehrere tausend dieser Tests wurden täglich von den Proband*innen erledigt, was rund sechseinhalb Stunden in Anspruch nahm. Ziel des Ganzen war, dass sich die Versuchspersonen bis zur Ermüdung verausgaben und dies einem anstrengenden Bürojob nahekommt.

Eine weitere Aufgabe für die Proband*innen und die Beobachtungen

Das Forschungsteam gestaltete die Aufgabe noch etwas abwechslungsreicher, um die Disziplin der Männer und Frauen zu testen. So war es den Proband*innen ab und an möglich, zwischen zwei verschiedenen Geldbeträgen zu wählen. Eine kleinere Summe war mit weniger Mühe und einer kürzeren Wartezeit verbunden. Entsprechend mussten sie sich für die höhere Summe mehr anstrengen und länger warten. Fazit: Diejenigen, welche schwere Aufgaben erledigen mussten, stimmten häufiger für den geringeren Geldbetrag. Ein Zeichen für Ermüdung und nachlassender Bereitschaft, sich weiter zu verausgaben.

Im Zuge der Studie mussten sich die Proband*innen regelmäßig einer Magnetresonanzspektroskopie (MRS) unterziehen. Das Verfahren wird zur Messung der Konzentration einzelner Moleküle im Nervensystem eingesetzt. Bei den Teilnehmer*innen, die sich geistig extrem anstrengten, konnte in der vorderen Großhirnrinde eine erhöhte Konzentration der Substanz Glutamat festgestellt werden. Glutamat ist einer der wichtigsten erregenden Botenstoffe im Gehirn und sorgt unter anderem für die Entgiftung von Ammoniak und das Entstehen weiterer Botenstoffe. In sehr stark erhöhten Konzentrationen wirkt der Botenstoff toxisch.

In der vorderen Großhirnrinde befinden sich Areale, die für die Gefühlsregulierung, die Selbstkontrolle sowie die Handlungsplanung und -steuerung zuständig sind. Wird der Glutamat-Haushalt nicht akkurat reguliert und befindet sich folglich überkonzentriert im Gehirn, wird der Zellstoffwechsel gestört und die neuronale Informationsübertragung beeinträchtigt. Dies kann in Extremfällen zu Vergiftungserscheinungen führen.

Ergebnisse der Studie

Den Beobachtungen zufolge vermutete das Forschungsteam, dass die Anhäufung des Glutamats in der vorderen Großhirnrinde den Hirnstoffwechsel beeinträchtigt. Durch die ständige hohe Anstrengung des Denkorgans können die Nervenzellen nur erschwert aktiviert werden. Typische Folgen sind Erschöpfung, Ermüdung und eine eingeschränkte Selbstkontrolle.

Der Effekt kann laut dem Hirnforscher Mathias Pessiglione, einem der Forscher, kaum verhindert werden. Jedoch gibt es Tätigkeiten, die helfen können, die Leistungsfähigkeit wiederherzustellen. Dazu gehören Pausen, Ruhe und genügend Schlaf. Er weist überdies darauf hin, dass es Belege gibt, die zeigen, dass sich das angesammelte Glutamat während des Schlafs wieder abbaut.

Von Wissenschaftler*innen wurde bereits seit längerem vermutet, dass der Glutamat-Haushalt eine wichtige Rolle beim Erschöpfungsgefühl spiele. Die Studie des Forschungsteams ist jedoch die erste, welche die Vermutung belegen konnte.

Fazit

Das Forschungsteam des Paris Brain Institute konnte erstmals einen Zusammenhang zwischen dem Botenstoff Glutamat und der Erschöpfung nach geistiger Arbeit feststellen. Damit bestätigen sie eine Vermutung, die bereits andere Wissenschaftler*innen zuvor hatten.

Unklar bleibt jedoch, ob die schwindende Nervenaktivität tatsächlich ursächlich mit dem erhöhten Glutamat-Haushalt zusammenhängt oder nicht. Zudem ist die Frage, wie sich das System wieder ausbalanciert, noch nicht geklärt. Es bleiben also noch einige Fragen offen, welche in Zukunft sicherlich noch detaillierter erforscht werden.