Bamberg
Grippe-Ticker 2018/2019

Die Grippewelle rollt: Risikogruppe sollte sich jetzt gegen Influenza impfen lassen

Die Grippe-Saison 2018/2019 beginnt in Kürze. Die Bundeszentrale fordert Risikogruppen auf, sich jetzt zum Impfen. Im Oktober oder November ist die beste Zeit dafür, um unbeschadet durch die Grippezeit zu kommen. Alle aktuellen Infos im Grippe-Ticker.
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Die Bundeszentrale fordert Risikogruppen zur Grippeschutzimpfung auf. In den Monaten Oktober und November sind diese am wichtigsten. Foto: Boris Roessler/dpa
Die Bundeszentrale fordert Risikogruppen zur Grippeschutzimpfung auf. In den Monaten Oktober und November sind diese am wichtigsten. Foto: Boris Roessler/dpa

Alle Informationen zur Grippe-Saison 2018/2019 im News-Ticker: Während die letztjährige Grippewelle laut Experten die schlimmste seit 2001 war und in Deutschland für den höchsten Krankenstand aller Zeiten sorgte, ist noch unklar, wie sich die Grippe in diesem Jahr auswirken wird. Wenn die ersten Symptome einer Grippe auftreten, ist es auch schon zu spät: Schüttelfrost, Fieber, Husten, Schnupfen, Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit sind die körperlichen Anzeichen einer Grippe.

Ist eine Impfung sinnvoll? Wie ist der aktuelle Stand der Forschung? Welche aktuellen Zahlen liefert die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) des Robert-Koch-Instituts zur Grippe 2018/2019? Wie viele Infektionen gibt es aktuell in Deutschland? In unserem Grippe-Ticker halten wir Sie auf dem Laufenden.

Aktualisierung 11.10.18, 11.12 Uhr: Bundeszentrale mahnt zu Grippeimpfungen

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat Menschen zur Impfung gegen die Grippe aufgerufen. Die jährliche Impfung im Oktober oder November sei ein wirksamer Schutz gegen die "echte" Grippe, die Influenza, erklärte die Bundeszentrale am Montag in Köln. Das gelte vor allem für Menschen ab 60 Jahren, Schwangere und chronisch Kranke sowie Menschen mit erhöhter Ansteckungsgefahr wie zum Beispiel medizinisches Personal.

Aktualisierung 08.10.2018, 15.40 Uhr: Grippe ernstzunehmende Krankheit

"Eine echte Grippe ist keine einfache Erkältung, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung. Man darf die Grippe nicht unterschätzen.", sagt Dr. Heidrun Thais, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, kurz BZgA. Neun Millionen Influenza-bedingte Arztbesuche zählt der Saisonbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza im vergangenen Winter 2017/2018.

Aktualisierung 06.10.2018, 9:22 Uhr: Nürnberg rüstet sich mit frühen Impfungen gegen Grippewelle

Die letzte Grippewelle war laut Datenerhebung des Robert-Koch-Instituts mit rund 334.000 labordiagnostisch bestätigten Fällen extrem: Seit Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes (2001) ist das die höchste Messung. Dr. Jan-Torsten Denckhahn vom Betriebsärztlichen Dienst des Klinikums Nürnberg möchte deshalb einer größeren Grippewelle 2018/2019 entgegensteuern.

Denckhahn übernimmt für seine Klinik-Mitarbeiter wie auch allen Beschäftigten der Stadt die Impfung. Dieses Angebot nutzte auch Oberbürgermeister Ulrich Maly. Denckhahn möchte mit seiner Initiative mindestens zehn Prozent der Impfquote abdecken. Auch Firmen versuchen ihm beim Kampf gegen eine bevorstehende Grippewelle zu unterstützen. Zahlreiche Unternehmen und auch die Stadt bieten für ihre Mitarbeiter mehrere hausinterne Impftermine an.

Eine Impfung sei laut Denckhahn keine Pflicht, aber es wird dringend dazu geraten. Sie wird besonders bei Berufstätigen, die im steten Kontakt mit anderen Menschen sind, empfohlen. Am sinnvollsten ist die Impfung im Oktober oder November.

Update vom 27.09.2018, 11.28 Uhr: Grippeimpfung 2018/2019: Diese Personengruppen sollten sich impfen lassen

Grippeimpfung - ja oder nein? Nur ein Drittel der Senioren in Deutschland lässt sich gegen Grippe impfen. "Das Immunsystem altert mit", sagt Influenza-Forscherin Silke Buda. Wer über 60 ist und vielleicht schon andere Krankheiten hat, ist besonders empfänglich für die Viren. "Mit keiner anderen Impfung lassen sich hierzulande mehr Leben retten", betont RKI-Präsident Lothar Wieler. Das Gesundheitssystem finanziert die Vorsorge. Die gesetzlichen Kassen gaben nach Angaben der Apothekenorganisation ABDA zuletzt in einer Grippesaison rund 1,2 Milliarden Euro aus - allein für 35 Millionen Dosen Impfstoff.

Grippe: Impflücken in Krankenhäusern

Doch auch in Krankenhäusern gibt es Impflücken. Nach einer RKI-Umfrage ließ sich in der Saison 2016/17 nur ein Drittel des Pflegepersonals mit dem kleinen Piks immunisieren. Damit ist nicht allein das Ansteckungsrisiko für Schwestern und Pfleger hoch - sie können auch Patienten anstecken.

ERREGER: Die Erreger der Influenza sind Viren, die Wissenschaftler in die Typen A, B und C unterteilen. Für Menschen sind die saisonal auftretenden Influenza A- und B-Viren besonders relevant. Sie können durch winzige Tröpfchen - ein Niesen reicht schon - übertragen werden. Tückisch ist vor allem, dass Grippeviren einzelne ihrer Gensegmente schnell verändern können. So entstehen beim Typ A unterschiedliche Subtypen, beim Typ B neue Linien.

Grippewellen:

Die Stärke der Wellen kann von Jahr zu Jahr erheblich schwanken. Früher wechselten sich starke und schwache Saisons oft ab. In den vergangenen Jahren gab es laut RKI mehrere heftige Wellen hintereinander. Die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) schätzt, dass pro Jahr zwischen einer und sieben Millionen Bundesbürger wegen Grippesymptomen zum Arzt gehen. Im vergangenen Winter lagen die Werte sogar noch darüber - bei geschätzten neun Millionen Besuchen. Bei schweren Grippewellen können in Deutschland mehr als 20 000 Menschen sterben. In milden Saisons ist oft keine vermehrte Sterblichkeit durch Grippe zu belegen.

Impfstoffe:

Für die kommende Grippesaison gibt es von der Ständigen Impfkommission erstmals eine Empfehlung für einen Vierfachimpfstoff - mit jeweils zwei A- und B-Komponenten. Zuvor waren bei Grippewellen in Europa eher A-Subtypen dominant. Deshalb gab es eine Empfehlung für Dreifachimpfstoffe mit zwei A- und einer B-Komponente. Von der "Aufrüstung" gegen B-Viren profitieren nun auch Kassenpatienten. Zuvor hatten häufig nur Privatpatienten Vierfach-Dosen angeboten bekommen.

Wirksamkeit:

Bei einer sehr guten Übereinstimmung mit dem Impfstoff beobachten Forscher bei jungen Erwachsenen eine Schutzwirkung bis zu 80 Prozent. Ältere Menschen können ihr Risiko im Mittel halbieren - die Wirksamkeit liegt dann zwischen 40 bis 60 Prozent. Passen die Komponenten schlecht, kann die Wirksamkeit deutlich niedriger liegen. In der vergangenen Saison, als eine B-Linie (Yamagata) überraschend dominierte, lag der Schutz gegen dieses eine Virus bei der Dreifachimpfung laut RKI bei einem Prozent. Die A-Komponenten aber blieben wirksam. Eine Impfung gilt trotz dieser Unwägbarkeiten als bester Schutz, den es geben Grippe gibt.

Zielgruppen:

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Grippeimpfung generell Menschen ab 60 Jahren, Bewohnern von Alten- oder Pflegeheimen und Patienten mit chronischen Krankheiten oder Grundleiden jeden Alters. Eine Empfehlung gibt es auch für Schwangere. Der Vorteil ist, dass dann auch das Baby in den ersten Monaten einen Grippeschutz hat. Impfen lassen sollte sich auch medizinisches Personal.

Zeitpunkt:

Auch wenn noch die Sonne scheint: Grippeimpfungen sind im Oktober und November sinnvoll. Nach dem Piks dauert es 10 bis 14 Tage, bis sich der Impfschutz vollständig aufbaut. Die Wellen starten meist im Dezember oder Januar.

Update vom 24.09.2018, 10:57 Uhr: Wie gefährlich ist ein Grippe-Virus? "mini viral RNA" lässt Tarnung auffliegen

Forscher der Universitäten Cambridge und Oxford haben ein neues Molekül entdeckt, das verantwortlich für die Reaktion des Immunsystems auf eine Influenza-Infektion ist und zu Entzündungen und Zelltod führt. Die Forscher nennen das Molekül "mini viral RNA" (das bedeutet frei übersetzt: ein kleiner Bestandteil des Virus, der Erbinformationen in sich trägt - die Ribonukleinsäure). Während der Grippe-Virus an sich sich nahezu perfekt tarnt, reagiert das menschliche Immunsystem auf genau dieses Molekül, und zwar mit Fieber.

"mini viral RNA": Immunsystem im Overkill-Modus

Je nach Virus ist die produzierte Menge an "mini viral RNA" unterschiedlich groß. Der Influenza-Virus beispielsweise, der die Pandemie von 1918 ("Spanische Grippe") mit mehr als 50 Millionen Toten auslöste, produzierte sehr große Mengen an "mini viral RNA". Ebenso Vogelgrippe-Viren wie H5N1 und H7N9: Hier liegt die Sterblichkeitsrate für Menschen nach einer Infektion bei 50 Prozent.

Das Immunsystem geht in den Overkill-Modus: Nicht nur der Virus wird abgetötet - der Mensch stirbt.

Professor Ervin Fodor und seine Kollegen Dr. Josh Long und Dr. David Bauer von der Universität Oxford sowie Dr. Aartjan te Velthuis von der Unioversität Cambridge gingen der Frage nach, warum ein Virus-Molekül eine solch mächtige Reaktion des Immunsystems auslösen kann.

Bei herkömmlichen saisonalen Grippeviren ist die Menge an produzierter "mini viral RNA" kleiner, und entsprechend weniger heftig fällt die Reaktion des Immunsystems in der Regel aus.

Starke Korrelation zwischen "mini viral RNA" und Zelltod nachgewiesen

Eine Kombination von Versuchen im Labor und am lebenden Objekt, die in Oxford, Cambridge, an der Universität von Hong Kong, am Erasmus Medical Centre und in den Rocky Mountain Laboratories durchgeführt wurden, haben eine starke Korrelation zwischen der Fähigkeit eines Influenza-Virus, "mini viral RNA" zu produzieren, und der Stärke von Entzündungen und Zelltod erwiesen. "Wir gleuben, dass dies ein bedeutender Durchbruch ist und dass es besonders aufregend ist, diesem Faktor 100 Jahre nach der Pandemie von 1918 auf die Spur zu kommen", so Dr. te Velthuis, einer der führenden Autoren der Studie.

Die vollständige Studie können Sie im Fachblatt nature microbiology nachlesen.

Update vom 18.09.2018: Bislang 8 bestätigte Influenza-Fälle in KW 37 in Deutschland

"In der 37. Meldewoche (MW) 2018 wurden nach Infektionsschutzgesetz (IfSG) bislang acht labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das Robert Koch-Institut übermittelt", berichtet die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) des Robert-Koch-Instituts (Datenstand 18.09.2018). Das RKI veröffentlicht im Winter in der Regel einmal pro Woche aktuelle Zahlen zum Stand der Influenza-Fälle in Deutschland.

Wann beginnt eine Grippewelle?

"Die jährliche Grippewelle hat in den vergangenen Jahren meist im Januar begonnen und drei bis vier Monate gedauert", schreibt das Robert-Koch-Institut auf seiner Webseite. "Außerhalb dieser Zeit werden nur wenige Fälle beobachtet."

Update vom 13.09.2018: Forscher rufen zum Impfen auf

Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts war die vergangene Grippewelle die stärkste seit über 16 Jahren. "Geschätzte neun Millionen Menschen sind wegen einer Influenza-Erkrankung zum Arzt gegangen", sagte Forscherin Silke Buda am Mittwoch. Die Zahl der Todesfälle liege für die vergangene Grippe-Saison vermutlich wieder über 20.000, wobei es dazu noch keine gesicherten Daten gibt.

Eu-Gesundheitsbehörden halten es für sinnvoll, dass drei Viertel der Bevölkerung gegen Grippe geimpft sind. In Deutschland sind es zu wenige. Besonders bei den über 60 -Jährigen, in deren Gruppe die meisten Todesfälle in Zusammenhang mit einer Grippe-Erkrankung vorkommen, zeigt sich das mit nur knapp einem Drittel geimpfter Personen. "Die Schutzmöglichkeiten müssen besser genutzt werden", betonte RKI-Präsident Lothar Wieler, weil sie die wichtigste Schutzmaßnahme sei. "Mit keiner anderen Impfung lassen sich hierzulande mehr Leben retten", betonte er. Die Impfung wird in medizinischen Berufen nicht nur zum eigenen Schutz empfohlen, sondern auch um Ansteckungen von Patienten zu minimieren.

Update vom 04.09.2018: Neuer Impfstoff könnte Durchbruch sein

Seit der letzten Grippewelle zu Beginn des Jahres steht fest, dass die Menschen für die nächste Krankheitssaison besser gewappnet sein müssen. Deshalb haben Forscher aus den USA einen neuen Impfstoff an Mäusen getestet, berichten siein der Fachzeitschrift Nature Communications.Ihre Ergebnisse versprechen einen Durchbruch: Bei einer Weiterentwicklung könnte aus dem Impfstoff eine "Universal-Impfung" entstehen, die die jährliche Grippeimpfung ersetzen könnte. Menschen müssten nur noch wenige Male im Leben eine Spritze bekommen.

Im Test bildeten die Mäuse nach der Impfung viele Antikörper gegenüber Grippeviren. Jetzt hegen die Forscher die Hoffnung, dass der neue "Super-Impfstoff" genauso gut bei Menschen wirkt. Genau das soll im nächsten Schritt der Forschung getestet werden.



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