Die Grippe-Saison hat Bayern noch immer im Griff, doch schon jetzt zeichnet sich ab: Trotz einiger dramatischer Fälle wie im Kreis Donau-Ries, wo drei Menschen an den Folgen einer Influenza starben, dürfte es dieses Mal glimpflicher abgehen als in den vergangenen Jahren. Das liegt nicht nur daran, dass mehr Bayern geimpft waren als früher. Die Krankenkassen übernahmen auch erstmals die Kosten für den effektiveren Vierfachimpfstoff.

Obwohl es insgesamt weniger Fälle gibt, fällt auf, dass die Krankheitssymptome häufiger besonders heftig ausfallen. In ganz Bayern starben bislang 22 Menschen, die einen Influenza-Virus in sich trugen. Bundesweit wurden bislang 275 Todesfälle in diesem Winter registriert. Experten warnen, dass die Grippewelle noch nicht vorbei ist.

Bayern will Vorräte aufstocken

Vielen Ärzten und Apothekern ist in dieser Saison extrem früh der Grippeimpfstoff ausgegangen. Um solche Engpässe künftig zu verhindern, will Bayern seine Vorräte aufstocken. Mediziner sollen mehr Impfdosen vorbestellen können, mindestens drei Viertel des voraussichtlichen Bedarfs.

Nur: "Das Problem ist damit nicht gelöst", sagt Dr. Christian Pfeiffer, unterfränkischer Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). "Ärzte tragen weiter das Risiko, dass sie bei zu viel bestelltem Impfstoff auf den Dosen sitzen bleiben." Die Folge: Es wurde und wird lieber zurückhaltend bestellt.

Schuld daran sind aus Sicht des Giebelstädter (Lkr. Würzburg) Hausarztes die Krankenkassen. Wer als Mediziner den Bedarf in seiner Praxis zu hoch einschätze, dem drohten Regresse. Die Kassen fordern dann die Kosten für übrig gebliebenen Impfstoff zurück. Das Risiko schrecke ab.

Und das gilt nicht nur für Ärzte. "Ich werde mich auf eigenes finanzielles Risiko nicht mehr aus dem Fenster lehnen", sagt Bernward Unger, unterfränkischer Bezirksvorstand im Bayerischen Apothekerverband. Auch in seiner Apotheke in Dettelbach (Lkr. Kitzingen) war der Impfstoff-Engpass spürbar. Trotzdem will er nicht mehr Dosen bestellen. "Exakt die Menge an Impfstoff vorzubestellen, die gebraucht wird, ist ein Ding der Unmöglichkeit."

Nachfrage zehn Prozent höher

Fest steht: In dieser Saison war die Kalkulation zu niedrig. Bereits im Oktober und November wurde Impfstoff in vielen Teilen Deutschlands knapp. Insgesamt wurden bundesweit 15,7 Millionen Dosen mit Influenza-Impfstoff freigegeben, eine Million mehr als im Vorjahr genutzt wurden.

Dennoch mussten Ärzte und Apotheker zeitweise Impfstoffe tauschen und zusätzlich Dosen aus dem europäischen Ausland importiert werden. Wie kann das sein?

Der Schluss liegt nahe, dass sich nach der schweren Grippewelle 2017/2018 mehr Menschen impfen ließen. Tatsächlich lag die Nachfrage nach Grippeimpfstoffen in Bayern laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit um zehn Prozent höher als in den drei Saisons zuvor. Vorübergehende Lieferengpässe waren im Freistaat weniger problematisch als in anderen Bundesländern.

Bereits jetzt müssen Ärzte ihren Bedarf für den nächsten Winter melden. Damit die Vorbestellungen ausreichen, fordert der Bayerische Hausärzteverband, Regresse für Grippeimpfstoff abzuschaffen.

Zahlen und Fakten

  • Zahlen: Die Grippewelle hat, so das Robert Koch-Institut, Mitte Januar begonnen. Bisher wurden bundesweit rund 84.600 Fälle bestätigt. 199 Patienten starben. In Bayern zählte das Landesamt für Gesundheit in dieser Saison gut 23.400 Influenza-Fälle - davon 1168 in Unterfranken, 2034 in Oberfranken und 2607 in Mittelfranken.

  • Erreger: Die Erreger der Influenza sind Viren, die Wissenschaftler in die Typen A, B und C unterteilen. FürMenschen sind die Influenza A- und B-Viren relevant. Grippeviren können einzelne ihrer Gensegmente schnell verändern. Jedes Jahr im Februar gibt die Weltgesundheitsorganisation bekannt, welche Grippestämme in der nächsten Saison erwartet werden. Dementsprechend setzt sich der Vierfachimpfstoff zusammen. In diesem Jahr wurden bislang drei Stämme genannt. Der vierte soll am 21. März ergänzt werden.

  • Impfung: Eine Grippeimpfung wird generell für Menschen ab 60 Jahren, Bewohner von Alten- oder Pflegeheimen und Patienten mit chronischen Krankheiten empfohlen. Sinnvoll ist die Impfung im Oktober und November. Danach dauert es 10 bis 14 Tage, bis sich der Schutz vollständig aufbaut. Die Grippewellen starten meist im Dezember oder Januar.