Silberstedt
Werbelügen

Goldener Windbeutel: Bei diesen fünf Produkten werden Verbraucher besonders dreist getäuscht

Die gemeinnützige Organisation Foodwatch verleiht seit 2009 den "Goldenen Windbeutel" für die "dreisteste Werbelüge des Jahres". Bis zum 1. Dezember stimmten rund 70.000 Verbraucher unter fünf verschiedenen Produkten ab. Dieses Jahr gab es allerdings eine Premiere.
Artikel drucken Artikel einbetten

Bunte Buchstaben, ein lustiger Zwerg mit roter Mütze und viele rote Tomaten - so verspricht die Tomatensauce von Zwergenwiese ein kinderfreundliches und vermeintlich gesundes Produkt. Der Verbraucherorganisation Foodwatch nach ist das aber eine reine Mogelpackung, denn die "Kinder-Tomatensauce" enthält ganze elf Prozent Zucker. Das sind pro empfohlener Portion (175 Gramm) umgerechnet stolze sechseinhalb Würfel.

Kinderprodukt mit über 50 Prozent zur Werbelüge des Jahres gewählt

Somit ist das vermeintliche Kinderprodukt mit über 50 Prozent aller Stimmen von den Verbrauchern zum Goldenen Windbeutel des Jahres 2019 gewählt worden. "Eltern kaufen Bio-Produkte, um ihren Kindern etwas Gutes zu tun - aber Zwergenwiese jubelt Kindern eine Extra-Portion Zucker unter und nutzt das Vertrauen der Eltern aus. Der Bio-Pionier sollte sich an die Empfehlungen von Kinderärzten halten und nur Saucen ohne Zuckerzusatz als Kinderprodukte bewerben", sagt Wahlleiter Manuel Wiemann von foodwatch über die eindeutige Entscheidung der Verbraucher.

Beschränkung der Werbung für vermeintlich gesunde Kinderprodukte

Ein Baustein im Kampf gegen eine falsche Ernährungsweise und daraus resultierenden Krankheiten sei für Foodwatch schon seit Längerem auch die Beschränkung des Kindermarketings, also der Werbung von vermeintlich kinderfreundlichen und ausgewogenen Produkten, die aber in Wirklichkeit zum Beispiel zu viel Zucker enthalten, heißt es in einer Pressemitteilung.

"Die Lebensmittelindustrie kann sich weiter ihrer Tricks und Täuschungsmaschen

bedienen - und damit Gewinne auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher einstreichen." Mit dem Goldenen Windbeutel, dem Negativpreis für die dreisteste Werbelüge des Jahres, wolle Foodwatch auf diesen Missstand aufmerksam machen.

Erstes Unternehmen, das Negativpreis annimmt

Zwergenwiese-Geschäftsführer Jochen Walz hat am Dienstagmittag (3. Dezember 2019) den unbeliebten Preis für die Kinder-Tomatensauce am Firmensitz in Silberstedt (Schleswig-Holstein) entgegen- und als erster Hersteller seit dem Auftakt im Jahr 2009 auch angenommen. Das Bio-Unternehmen kündigte an, alle Lebensmittel für Kinder auf den Prüfstand zu nehmen und Foodwatch umgehend über Änderungen zu informieren.

Kinderprodukt im Vergleich viel ungesünder

Sein Produkt hatte Zwergenwiese damit verteidigt, dass es keinen zugesetzten Kristallzucker, sondern Apfeldicksaft zur Süßung enthalte. Foodwatch zufolge sollten Saucen für Kinder laut einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO allerdings gar keinen Zucker enthalten. Von den 12 Tomatensaucen, die Zwergenwiese anbietet, enthält das Produkt für Kinder mit Abstand am meisten Zucker. Zum Vergleich: Die "Traditionale" Sauce enthält nur 4,6 Prozent Zucker - und damit 140 Prozent weniger als die Version für die jungen Esser.

Goldener Windbeutel 2019: Vier weitere Produkte nominiert

Insgesamt waren noch vier andere Produkte für den neunten Negativpreis ausgezeichnet. Verbraucher konnten Vorschläge über den Schummelmelder einreichen, vier der fünf ausgewählten Produkte sind von Kunden beanstandet worden, ein Produkt hat Foodwatch selbst nominiert.

Negativpreis für Mogelpackungen: Zu viel Zucker, zu hohe Preise und zu wenig angepriesene Inhaltsstoffe

Der zweite Platz geht mit 26 Prozent der Stimmen an "Yakult Original" von Yakult. Das Produkt ist von Foodwatch selbst zur Liste der Werbelügen hinzugefügt worden, da es mit "einzigartigen Shirota Milchsäurebakterien" wirbt, die "zur Darmgesundheit beitragen". Dabei sei der Milchdrink vor allem eins: Mit 8,40 Euro pro Liter deutlich überteuert, zu zuckerhaltig und eine Wirkung sei wissenschaftlich nicht belegt. Das Foodwatch-Urteil lautet: Reine Abzocke!

Auf Platz Drei steht mit 7,4 Prozent der Stimmen der Karottensaft "100% Bio Direktsaft Karotte" von Hipp. Bis April 2019 hatte die bekannte Firma den Saft in einer 500 Milliliter-Flasche verkauft, inzwischen wurde die Glasflasche auf ein Fassungsvermögen von 330 Millilitern verkleinert, der Preis hingegen ist gestiegen: Die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) von Hipp für die große Flasche lag bei 1,39 Euro, die kleinere Flasche sollte hingegen 1,49 Euro kosten. Bezogen auf den Literpreis, sei das eine Preissteigerung von 62 Prozent. Nach Angaben von Foodwatch hatte die Verbraucherzentrale Hamburg den Saft bereits zur Mogelpackung des Monats September auserkoren.

Die "Wasabi-Erdnüsse" der Firma Rewe wurden von 6,7, Prozent der Verbraucher auf den vierten Platz gewählt. Sie enthalten entgegen den Versprechungen auf der Vorderseite der Packung nur einen Anteil von 0,003 Prozent Wasabi, der Rest der Schärfe und die Wasabi-typische grüne Farbe seien durch zugesetzte Aromen und Farbstoffe erreicht worden. Außerdem enthalte das Produkt lediglich 27 Prozent Erdnüsse. Dem Urteil von Foodwatch zufolge ein Produkt mit hohem Täuschungspotenzial.

Der letzte Kandidat der Windbeutel-Nominierten liegt mit knapp 6,5 Prozent knapp hinter den Erdnüssen. Mit der Bezeichnung "Lower Carb" verspricht Schwartau bei seinem "Corny Protein Lower Carb" Riegel eine gesunde Zwischenmahlzeit. Diese besteht jedoch zu einem Viertel aus Zucker und zu 13 Prozent aus Fett. Mit einem Kohlenhydratanteil von 40 Prozent sei die Bezeichnung "Low Carb" unzulässig, deshalb weiche der Hersteller auf die ähnlich lautenden Worte aus. Auch durch das Packungsdesign täusche Schwartau vor, das Produkt sei gesund.

Angaben von Foodwatch zufolge kündigte Schwartau nach der Nominierung für den Goldenen Windbeutel an, seinen Corny Protein-Riegel vom Markt zu nehmen.

Kommentare (0)

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.