London
Gesundheit

Schon regelmäßig wenig Alkohol ist zu viel - wie viel Bier, Wein und Schnaps kann ich trinken?

Alkohol verkürzt das Leben. So die schockierende Erkenntnis einer neuen Studie - und zwar schon geringe Mengen. Wie viel Bier, Wein und Schnaps darf ich noch trinken, um mir nicht zu schaden? Mediziner haben genaue Erkenntnisse.
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Alkohol ist sehr viel schädlicher als angenommen. Eine Studie zeigt auf, dass schon geringe Mengen Bier, Wein, Schnaps die Sterblichkeit erhöhen. Symbolfoto: Klaus-Dietmar Gabbert dpa
Alkohol ist sehr viel schädlicher als angenommen. Eine Studie zeigt auf, dass schon geringe Mengen Bier, Wein, Schnaps die Sterblichkeit erhöhen. Symbolfoto: Klaus-Dietmar Gabbert dpa

Vielen dürfte diese Erkenntnis überhaupt nicht gefallen, aber Alkohol birgt ein deutlich höheres Gesundheitsrisiko als vermutet. Dass Alkohol nicht gesund ist, war wohl den meisten klar. Doch wie schädlich Schnaps, Wein und Bier wirklich sind, enthüllt nun eine neue Untersuchung.

Alkohol schadet womöglich mehr als bisher angenommen. Wie schlecht schon ein Bier oder ein Glas Wein sein können und dass der Konsum des Rauschmittels das Leben verkürzt, zeigt eine aktuelle Gesundheitsstudie.


Gesundheit: Wie viel Alkohol ist noch vertretbar?


Weniger ist besser: Die Richtwerte für den Konsum von Alkohol sind in vielen Ländern einer Untersuchung zufolge zu hoch - auch in Deutschland. Eine große Übersichtsstudie zeigt, dass der Konsum von mehr als 100 Gramm reinem Alkohol pro Woche - das entspricht etwa fünfeinhalb Gläsern Wein oder 2,5 Litern Bier - die Lebenserwartung verkürzt und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigert. Das berichtet ein internationales Forscherteam, an dem auch viele deutsche Wissenschaftler beteiligt waren, im Fachblatt "The Lancet".

 

 


Wie viel Alkohol ist undenklich?


Alkoholkonsum: Das sind die aktuellen Richtwerte verschiedener Länder
In vielen Ländern liegt der wöchentliche Richtwert - also die maximal tolerierbare Menge - deutlich über 100 Gramm. In den USA gelten 196 Gramm für Männer, 98 Gramm für Frauen. In Kanada, Italien, Portugal und Spanien liegen die Werte ebenfalls höher. In Deutschland gelten nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung 140 Gramm für Männer und 70 Gramm für Frauen als tolerierbar.

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Das Forscherteam analysierte nun 83 Studien aus 19 wohlhabenden Ländern, an denen fast 600.000 Menschen teilgenommen hatten. Abstinenzler waren ausgeschlossen. Die Studien erfassten die Menge des Alkoholkonsums und beobachteten die Teilnehmer mindestens ein Jahr lang. Bei der Datenanalyse berücksichtigten die Autoren Alter, Geschlecht, Tabakgebrauch, Diabetes und andere Faktoren, die mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang stehen.

 

 


Studie zeigt: 100 Gramm pro Woche verkürzen das Leben

Ergebnisse: Ab einer Menge von 100 Gramm pro Woche verkürzte Alkohol bei Männern wie bei Frauen die Lebenserwartung. Zudem erhöhte der Konsum die Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, hier ohne klaren Schwellenwert. "Die zentrale Botschaft dieser Forschung für die öffentliche Gesundheit lautet: Wenn Sie Alkohol trinken, kann ein geringerer Konsum Ihnen helfen, länger zu leben und Ihr Risiko für mehrere Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken", sagt Erstautorin Angela Wood von der der britischen Universität Cambridge.

Höherer Alkoholkonsum war der Untersuchung zufolge mit einem höheren Risiko für Schlaganfall, Herzschwäche, Bluthochdruck und einem tödlichen Aorten-Aneurysma verbunden. Allerdings ging er mit einer etwas geringeren Gefahr für nicht-tödliche Herzinfarkte einher. "Alkoholkonsum ist mit einem leicht geringeren Risiko für nicht tödliche Herzinfarkte verbunden, aber das muss gegen das höhere Risiko anderer schwerer - und möglicherweise tödlicher - Herz-Kreislauf-Erkrankungen abgewogen werden", sagt Wood.

Ko-Autor Dan Blazer von der US-amerikanischen Duke University in Durham ruft Ärzte dazu auf, ihre Patienten darauf hinzuweisen. "Diese Studie hat gezeigt, dass der Konsum von Alkohol in einer Menge, die als sicher galt, tatsächlich mit einer geringeren Lebenserwartung und mehreren ungünstigen gesundheitlichen Folgen verbunden ist."

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"Diese Studie hat durch ihre Stichprobengröße eine hohe Aussagekraft", sagt Hans-Jürgen Rumpf von der Universität Lübeck, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie. "Der Richtwert von 100 Gramm pro Woche sollte dazu führen, die Grenzwerte für Männer neu zu überdenken und nach unten zu korrigieren."

 

 


Gesundheitliche Schäden nicht zu unterschätzen

Michael Roerecke von der University of Toronto, der ebenso wie Rumpf nicht an der Studie beteiligt war, verweist darauf, dass Alkohol viele Gesundheitsgefahren birgt: "Jeglicher Alkoholkonsum ist mit einem Risiko verbunden, und weltweit überwiegt der negative Einfluss bei Weitem.

 

 


Für Frauen erhöht sich das Risiko für Brustkrebs


Speziell bei Frauen ist mit jedem Konsum ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs verbunden. Das erhöhte Krebsrisiko, nicht nur für Brustkrebs, aber auch für Mund- und Speiseröhrenkrebs, ist vielen nicht bewusst."

Cornelia Lange vom Robert Koch-Institut (RKI) betont, die Studienergebnisse sollten "als Anregung dienen, die deutschen Empfehlungen zu überprüfen und gegebenenfalls zu überarbeiten".

Nach einer Analyse des neuen Jahrbuchs Sucht konsumieren Bundesbürger über 15 Jahre im Schnitt 10,7 Liter reinen Alkohol im Jahr. Das entspricht rund 165 Gramm pro Woche. dpa/dvd/tu

 

 

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