Freiburg im Breisgau
Keime

Gesund in den Flieger, krank am Urlaubsziel: Warum das Infektionsrisiko im Flieger so hoch ist

Das Innere von Flugzeugen wirkt immer sehr sauber - doch der Schein trügt: Angeblich lauern die meisten Keime auf den herunterklappbaren Tischen. Stimmt der Mythos also? Und was sollte man beachten, wenn man gesund im Urlaubsparadies ankommen möchte?
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Im Flieger, aber auch in Hotels oder Bädern finden sich oft sehr viele Bakterien. Besonders auf herunterklappbaren Tischen lauern viele Keime. Foto:  Michael Schütze, Fotolia
Im Flieger, aber auch in Hotels oder Bädern finden sich oft sehr viele Bakterien. Besonders auf herunterklappbaren Tischen lauern viele Keime. Foto: Michael Schütze, Fotolia
Rein in den Flieger und raus ins Urlaubsparadies. Im Kopf nur die Sonne, Entspannung, das Meer. Wer denkt da schon an Keime? Doch bereits während der Hinreise geht es los mit den Hygiene-Fallen. Am schlimmsten ist es dort, wo Menschen aus aller Welt aufeinandertreffen: an Flughäfen und im Flugzeug. Wer nicht aufpasst, bekommt anstatt einer Auszeit unter Palmen ein Problem mit der Gesundheit.


Entscheidend ist Händewaschen danach


Los geht´s mit der Ankunft am Flughafen. Kurze Pipi-Pausen vor dem Abflug gehören für fast jeden Reisenden dazu. Wer aus Angst vor Bakterien ungern auf öffentliche Toiletten geht, wird in einer im "Journal of Applied Microbiology" veröffentlichten Studie bestätigt. So mancher denkt: Wird die Toilettenbrille nicht berührt, bleiben die Keime fern. Nicht ganz. "Mit den Oberschenkeln und dem Hintern isst ja keiner", sagt Doktor Ernst Tabori, Ärztlicher Direktor des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene in Freiburg. Selbst wenn das WC noch so unappetitlich aussehe: "Entscheidend ist, ob ich mir danach die Hände wasche."

Wo lauern Keime? Und wovor ekeln sich die Deutschen am meisten?

Ohnehin birgt der Drucklufthandtrockner größere Risiken als die Toilette. Den Untersuchungen zufolge schleudern die Übeltäter Bakterien mit bis zu 600 Kilometer pro Stunde umher. Damit werden laut Studie 1300 Mal mehr Keime durch die Luft gewirbelt als bei Papierhandtüchern. "Ich empfehle Einweghandtücher. Damit habe ich die Sicherheit, dass sie vorher niemand benutzt hat", sagt Tabori.

Das Innere eines Flugzeugs wirkt auf den ersten Blick sehr sauber. Der Eindruck trügt. "Überall, wo Leute auf engem Raum zusammenkommen, steigt das Infektionsrisiko. Vor allem während der Erkältungszeit", sagt Tabori. Gerade wenn man so eng beieinandersitzt wie im Flugzeug, bestehe ein höheres Risiko, krank zu werden. Die Webseite travelmath.com beauftragte einen Mikrobiologen, der stichprobenartig mehrere Flughäfen kontrollierte. Demnach lauern die meisten Keime auf den herunterklappbaren Tischchen. Also doch kein Mythos?


Auf Flugzeugtischen haften viele Darmkeime


"Nein, nicht unbedingt", sagt Tabori. Das liege nur nicht am Tischchen selbst, sondern an den Menschen, die es vorher benutzten. "Das ist ein Hotspot, weil man ihn häufig anfasst." Außerdem gebe es Eltern, die ihre Kinder auf dem kleinen Tisch wickeln. Trotzdem: Haften an dem Tisch viele Darmkeime, heißt das nicht, dass jeder Reisende krank werden muss. Tabori empfiehlt, neben dem Händewaschen in dem Fall auf kleine Desinfektionsfläschchen zurückzugreifen.

Die Knöpfe der Trinkwasserspender sind nach Ergebnissen des Mikrobiologen ebenfalls stark belastet. Und die Schnallen der Gurte sowie die Überkopfbelüftung sollen genauso keimbelastet sein wie die Toiletten-Spültasten. Hygiene-Mängel gibt es aber auch in den meisten Hotels.

Für die Wellnesszertifizierung überprüft der Deutsche Wellnessverband, wie sauber die Häuser sind. "Bedenklich sieht es manchmal in den Badezimmern aus, wenn die Tester WCs, Abflüsse und Lüftungen genauer unter die Lupe nehmen", sagt Lutz Hertel vom Wellnessverband.


Probleme mit Bakterien in der Sauna


Mängel seien besonders dort zu finden, wo Wärme und Feuchtigkeit dauerhaft aufeinanderträfen.
In der Saunakabine seien Sitzbänke oft stark verunreinigt. Unter den Bänken wird laut Hertel kaum geputzt. In Dampfbädern gibt es ähnliche Probleme. Weil das Wasser dort lange auf den Sitzbänken bleibe, sagt Hertel, könnten sich unter der Einwirkung der Hitze Keime bilden.

Tabori warnt davor, Keime und Bakterien zu verteufeln. "Nur ein kleiner Anteil aller Bakterien macht Menschen krank." Ob sich der Reisende eine Darm- oder Atemwegserkrankung zuzieht oder nicht, hänge von der persönlichen Reinlichkeit ab. Sie entscheidet, ob der Urlaub getrübt wird, bevor er angefangen hat. "Wir haben es selbst in der Hand."

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