Es sind Hunderte Eltern von Säuglingen, die in den nächsten Wochen Briefe vom Gesundheitsamt Bamberg erhalten werden. Der Grund ist ein Tuberkulosefall in der Geburtshilfe-Abteilung im Bamberger Klinikum.

Heinz-Jürgen Wagner, zuständiger Amtsarzt, wollte dazu am Freitag keine offizielle Stellungnahme abgeben. Inoffiziell war aber zu erfahren, dass eine Mitarbeiterin des Klinikums über einen längeren Zeitraum erkrankt war, ohne dass Symptome von Tuberkulose festgestellt wurden. Deshalb kann ein Kontakt mit Müttern und Kindern, die sich in dieser Zeit im Umfeld der erkrankten Person befanden, nicht ausgeschlossen werden.


Brigitte Dippold, Sprecherin der Sozialstiftung Bamberg, nannte die Erkrankung mit Tuberkulose (TBC) ein "schicksalshaftes Ereignis", das nicht zu verhindern sei, wenn man Kontakt mit Menschen habe. Laut Dippold schätzen Pneumologen am Klinikum die Risiken einer Ansteckung bei den Säuglingen aber als gering ein.

Dies bestätigte auch Georg Knoblach, der zuständige Arbeitsmediziner des Klinikums. Die Ansteckungsgefahr sei bei der zurückliegenden Influenzawelle viel höher gewesen. Tuberkulose werde in der Regel im familiären Umfeld übertragen.

 


Die richtige Reihenfolge

Die betroffenen Eltern werden in den Schreiben aus dem Landratsamt aufgefordert, ihr Kind an einer so genannten Umgebungs-Untersuchung teilnehmen zu lassen. Sie kann eine Infektion sicher ausschließen. Im andern Fall ermöglicht sie, rechtzeitig die richtigen Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Tuberkulose gilt als bakterielle Infektion, die heute in Deutschland aber nicht mehr als so gefährlich eingeschätzt wird wie früher. Allerdings ist es wichtig, dass bei den Untersuchungen der in Frage kommenden Babys und Mütter die richtige zeitliche Reihenfolge eingehalten wird, weil die bei einem Haut- und Bluttest zu ermittelnde Immunantwort erst mit einem Abstand von sechs Wochen gemessen werden kann.

Beide Tests ermöglichen innerhalb von wenigen Tagen eine Antwort auf die Frage, ob tatsächlich eine Infektion vorliegt. Diese muss, abhängig von der Abwehrkraft, auch nicht zwingend mit Krankheitssymptomen verbunden sein, wie der Bamberger Lungenarzt Norbert Wagner sagt.

Auch Wagner schätzt die Gefahr einer Ansteckung im konkreten Fall gering ein. Die Erreger würden über Tröpfchen beim Husten und im direkten Kontakt zwischen Personen übertragen und nicht etwa über Türklinken. Selbst wer öfter mit der erkrankten Mitarbeiterin zusammen war, müsse nicht zwingend befürchten, sich angesteckt zu haben.

Die zeitliche Verzögerung der Immunreaktion ist auch der Grund, weshalb die betroffenen Mütter und Säuglinge nach einer vorab festgelegten Reihenfolge zu der Untersuchung im Gesundheitsamt eingeladen werden. Die ersten 80 Eltern sollen kommende Woche informiert werden. Ein gleichzeitiger Ansturm von allen Betroffenen würde die Behörde nicht nur logistisch überfordern; es würde auch medizinisch keinen Sinn machen früher zu testen; möglicherweise wäre die geordnete Abarbeitung der Untersuchungen erschwert.

Sollte sich tatsächlich erweisen, dass einzelne Säuglinge mit Tuberkulose infiziert wurden, steht eine Reihe von Therapieformen zur Verfügung, unter anderem die Gabe von wirkungsvollen Antibiotika.

 

 


15 bis 20 Fälle im Jahr

Nach den vorliegenden Erkenntnissen ist auszuschließen, dass es sich bei dem Tuberkulosefall im Klinikum um eine Infektion infolge Kontakts mit ausländischen Personen handelt. Man muss wissen: Tuberkulose ist in afrikanischen Ländern und in Teilen Russlands deutlich häufiger anzutreffen. Nach FT-Informationen werden im Jahr in der Region Bamberg rund 15 bis 20 Tuberkulosefälle registriert. Deutlich vermehrt tritt Tuberkulose aber in der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken auf.

Der in Pommersfelden praktizierende Allgemeinmediziner Richard Barabasch hat in seiner medizinischen Laufbahn immer wieder mit Tuberkulose zu tun gehabt. Seiner Einschätzung nach ist die Reihenuntersuchung von Hunderten Babys und Müttern eine zwingende Vorsorgemaßnahme, die vor allem dazu dient, das statistische Restrisiko einer Erkrankung auszuschließen. Die Gefahr einer solchen Infektion schätzt auch er gering ein.

Sollte es dennoch dazu gekommen sein, müssten sich die Eltern keine allzu großen Sorgen machen. Tuberkulose, vor allem wenn es sich um einen heimischen Erreger handelt, sei heute "so therapierbar wie ein Schnupfen".