Forscher des Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) und des Robert-Koch-Instituts (RKI) gehen davon aus, dass die Zahl der Typ-2-Diabetes-Patienten in Zukunft rasant ansteigen wird. Aktuell sind Schätzungen zufolge rund sieben Prozent der Bevölkerung in Deutschland betroffen.

Exakte Prognosen für alle Altersgruppen

Wiesen frühere Studien noch Einschränkungen wie etwa ein Bezug auf lediglich einzelne Altersgruppen oder oder fehlende Berücksichtigungen der Entwicklung der Neufälle von Diabetes auf, lässt eine aktuelle Studie des DDZ in Zusammenarbeit mit dem RKI weitreichendere Schlüsse über alle Altersgruppen hinweg zu. Die Studie, die auf den Daten von circa 65 Millionen gesetzlich versicherten Deutschen basiert, enthält umfangreiche Hochrechnungen dazu, wie sich die Anzahl der Diabetespatienten in Deutschland bis zum Jahr 2040 entwickeln wird. Durchgeführt wurde die Untersuchung im Auftrag des Bundesministerium für Gesundheit in Bezug auf den Aufbau einer nationalen Diabetes-Surveillance, also der einer detaillierten Berichterstattung zur Diabetessituation auf Bundesebene.

Bezug zu Altersstruktur der Bevölkerung nicht ausreichend

In einer Kalkulation, die jeweils altersspezifische Häufigkeit von Diabetes des Jahres 2015 auf die wahrscheinliche Altersstruktur der Bevölkerung im Jahr 2040 hochrechnete, ergab sich ein Anstieg der Diabetes-Kranken um 21 Prozent. Demnach wären dann 8,3 Millionen Deutsche von der Krankheit betroffen. Allerdings sind die Forscher der Ansicht, dass auch die Sterberate und die Neuerkrankungsrate für eine umfangreiche Prognose mit einbezogen werden müssen. Diese Neuerung wurde in der aktuellen Studie umgesetzt.

08.02.2019

Zahl der Diabeteskranken im Jahr 2040 bei über 10 Millionen

Unter Berücksichtigung aller drei Faktoren, also der künftigen Altersstruktur der Gesellschaft, der rate der Neuerkrankungen und der Sterberate jeweils bei Diabetes-Patienten und Nicht-Betroffenen, und der Annahme einer steigenden Lebenserwartung kamen die Wissenschaftler zu folgendem Ergebnis: Die Zahl der Typ-2-Diabetes-Fälle wird bis 2040 um 54 bis 77 Prozent steigen. Das würde eine Zuwachs der Patienten zwischen 3,8 Millionen und 5,4 Millionen bedeuten. Ausgehend von den aktuellen Zahlen würde das heißen, dass in Deutschland im Jahr 2040 zwischen 10,7 und 12,3 Millionen Menschen an Typ-2-Diabetes erkrankt wären.

Bedarf bei Behandlung und Prävention

Aus der Prognose ergeben sich auch Folgen für Kliniken und Arztpraxen. Professor Michael Roden, Vorstand des DDZ und Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, sagt: "Nach diesen Berechnungen des DDZ- und RKI-Expertenteams müssen sich Praxen und Kliniken noch mehr als bisher angenommen auf die Behandlung von älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes einstellen." Weiter sagt Roden, sei es notwendig, vermehrt Experten zu schulen und spezialisierte Diabetes-Zentren einzurichten. Am abhängigsten seien die zukünftigen Zahlen der Diabetesfälle aber von der Anzahl der Neuerkrankungen. Und diese seien durch verstärkte Präventions- und Schulungsmaßnahmen positiv beeinflussbar.