Heidelberg (Neckar)
Gesundheit

Expertin: Passivrauchen im Auto schädlicher als in verqualmter Kneipe

Für Mitfahrer von Rauchern ist das Passivrauchen von Tabakrauch schädlich. Auch deshalb diskutiert die Politik über ein Rauchverbot im Auto, wenn Kinder oder Schwangere mitfahren. Eine Expertin für Tabakkontrolle erklärt, warum sie den Vorstoß unterstützt.
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Mitfahrer von Rauchern atmen im Auto mehr schädlichen Tabakrauch ein als in einer verrauchten Kneipe. Mitfahrer von Rauchern atmen im Auto mehr schädlichen Tabakrauch ein als in einer verrauchten Kneipe. Symbolfoto: Philippe Goulet/unsplash.com
Mitfahrer von Rauchern atmen im Auto mehr schädlichen Tabakrauch ein als in einer verrauchten Kneipe. Mitfahrer von Rauchern atmen im Auto mehr schädlichen Tabakrauch ein als in einer verrauchten Kneipe. Symbolfoto: Philippe Goulet/unsplash.com

Mitfahrer von Rauchern atmen im Auto mehr schädlichen Tabakrauch ein als in einer verrauchten Kneipe. Die Expertin für Tabakkontrolle am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, Katrin Schaller, rät deshalb im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) davon ab, im Auto zu rauchen, wenn Kinder mitfahren.

Die nordrhein-westfälische Bundesratsinitiative, wonach das Rauchen im Beisein von Minderjährigen oder Schwangeren in Fahrzeugen verboten werden soll, begrüßt Schaller.

Frage: Wie schädlich ist es für das Kind, wenn Papa oder Mama beim Autofahren rauchen?

Schaller: Das Auto ist ein sehr kleiner Raum. Selbst wenn man das Fenster öffnet, sogar ein ganzes Stück, steigt die Belastung durch Tabakrauch sehr schnell sehr stark an. Die Rauchpartikelkonzentration ist in einem geschlossenen Fahrzeug sogar höher als in einer Raucherkneipe. Als Folge des Passivrauchens haben die Kinder ein erhöhtes Risiko für Atemwegsbeschwerden wie Asthma, reduzierte Lungenfunktionen, Infektionen der unteren Atemwege und Mittelohrentzündungen.

Frage: Inwiefern ist auch das ungeborene Kind gefährdet, wenn die schwangere Mutter regelmäßig passiv raucht?

Schaller: Ein Ungeborenes nimmt die Schadstoffe, die die Mutter beim Passivrauchen inhaliert, über das Blut auf. Deshalb kann sich das Passivrauchen auch auf die Entwicklung eines ungeborenen Kindes auswirken. Babys von Müttern, die in der Schwangerschaft verstärkt Tabakrauch ausgesetzt waren, kommen oft mit einem geringeren Geburtsgewicht zur Welt. Auch erhöht sich das Risiko für eine Frühgeburt und plötzlichen Kindstod.

Frage: Verbote für Rauchen im Beisein von Kindern im Auto gibt es schon in Österreich, Italien, Frankreich, England und Griechenland. Wie dringend brauchen wir in Deutschland eine solche gesetzliche Regelung?

Schaller: Es ist mit Sicherheit eine gute Sache, Autos mit Kindern und Schwangeren rauchfrei zu machen. Allerdings wäre es auch dringend notwendig, die bestehenden Nichtraucherschutzgesetze der Bundesländer nachzubessern. Bayern, das Saarland und Nordrhein-Westfalen haben umfassende Nichtraucherschutzgesetze ohne Ausnahmeregelungen, den Menschen geht es dort in der Hinsicht besser als dem Rest der Republik. In allen anderen Bundesländern dürfen in der Gastronomie immer noch Raucherräume eingerichtet werden. Und unter bestimmten Voraussetzungen - wenn die Kneipe klein genug ist und dort kein Essen serviert wird - kann ein gesamtes Lokal zu einer Raucherkneipe erklärt werden. Das zu verbieten, hätte eine noch viel breitere Wirkung.

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