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  • Der Zusammenhang zwischen Schlank-sein und der Gesundheit

Mit der Annahme, dass schlanke Menschen sich erhöht körperlich betätigen, begannen Forscher*innen eine entsprechende Studie. Doch das Ergebnis überraschte: auch ohne Sport ist es möglich, schlank zu bleiben. Was hinter dem Phänomen steckt, erklären die Forscher*innen im Zuge ihrer Studie.

Wissenswertes rund um die Studie

Aus gesundheitlichen oder anderen persönlichen Gründen verfolgen Männer und Frauen den Wunsch nach einer schlanken Figur. Eine Verbrauchs- und Medienanalyse aus dem Jahr 2021 ergab, dass rund 8,18 Millionen deutsche Bürger*innen gerne abnehmen würden. Ganze zwei Drittel der Männer (67 %) und etwa die Hälfte der Frauen (53 %) in Deutschland weisen laut dem Robert-Koch-Institut Übergewicht auf. Lange wurde davon ausgegangen, dass Menschen, die einfach immer schlank zu bleiben scheinen, körperlich sehr aktiv sind; doch eine Studie beweist das Gegenteil.

Der Frage, wie Menschen ohne eine hohe körperliche Aktivität schlank bleiben, haben sich Forscher*innen der University of Aberdeen gewidmet. Die Ergebnisse der Studie wurden im Anschluss in der Fachzeitschrift "Cell Metabolism" veröffentlicht. Im Mittelpunkt der Untersuchung standen Menschen, die einen sehr niedrigen BMI aufweisen. Dieser ergibt sich aus dem individuellen Körpergewicht einer Person in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat und lässt eine Beurteilung und Einordnung des Körpergewichts zu. Bei den ausgewählten Personen handelte es sich um insgesamt 173 Personen, die mit einem BMI zwischen 18,5 - 24,9 im Normalgewicht liegen, und 150 Personen, die mit einem BMI unter 18,5 als untergewichtig beurteilt werden. Personen, die eine Essstörung hatten, sich absichtlich beim Essen zurückhielten, innerhalb des letzten halben Jahres eine starke Gewichtsabnahme hatten, Medikamente einnahmen oder mit HIV infiziert waren, wurden anhand von Fragebögen von der Studie ausgeschlossen.

Ziel der Studie war es, herauszufinden, weshalb die Proband*innen so schlank waren. Dafür standen sie zwei Wochen lang unter medizinischer Beobachtung. Der Fokus der Forscher*innen richtete sich in dem Zeitraum besonders auf das Essverhalten, den Stoffwechsel und das Ausmaß der körperlichen Betätigung. Damit konkrete Messdaten festgehalten werden konnten, nutzten die Forschenden zur Messung der Nahrungsaufnahme eine spezielle isotopenbasierte Technik, die sogenannte doppelt markierte Wassermethode. Die Methode ermöglicht es, den Energieverbrauch auf der Grundlage der Differenz zwischen den Umsatzraten von Wasserstoff und Sauerstoff im Körperwasser in Abhängigkeit von der Kohlendioxidproduktion zu bewerten. Zum Messen der körperlichen Aktivität wurde ein auf Beschleunigungsmessung aufbauender Bewegungsmelder verwendet.

Ergebnisse und was Schlank-sein für die Gesundheit bedeutet

Die Ergebnisse des Forschungsteams waren eindeutig: Die untersuchten Menschen mit einem niedrigen BMI sind körperlich deutlich weniger aktiv als jene mit einem BMI im mittleren Normalbereich. Es konnte eine zu 29 % niedrigere körperliche Aktivität bei denjenigen, die einen niedrigeren BMI hatten, im Vergleich zu den nach dem BMI normal-gewichtigen Personen festgehalten werden. Was zudem festgestellt wurde, war, dass die Menge der aufgenommenen Nahrung bei Menschen mit niedrigem BMI zu 12 % geringer war. Die Personen mit einem BMI im Normalbereich konsumierten also vergleichsweise mehr.

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In einer Pressemitteilung teilte John Speakman, einer der Forscher, mit, dass sie ursprünglich erwartet hatten, dass die Personen sich verstärkt körperlich betätigen und damit einhergehend viel Nahrung zu sich nehmen würden. Herausgestellt hat sich jedoch etwas ganz anderes. Die Proband*innen mit einem niedrigen BMI wiesen sowohl eine geringe Nahrungsaufnahme als auch eine geringere Aktivität auf. Des Weiteren wurde überraschend entdeckt, dass der Ruhestoffwechsel höher als erwartet war. In dem Aspekt konnte ein Zusammenhang mit erhöhten Schilddrüsenhormonen eine Erklärung liefern. Dadurch, dass die Aktivität der Schilddrüse stark erhöht ist, haben die untergewichtigen Proband*innen auch einen erhöhten Ruhestoffwechsel, so die Forscher*innen.

Trotz des niedrigen Aktivitätsniveaus hatten die untersuchten Personen gute Gesundheitswerte, was die Forscher*innen darauf zurückführen, dass ihr Körperfettanteil sehr gering ist. Grundsätzlich ist Schlankheit keine Garantie für die Gesundheit des Herzens, gute Cholesterin- oder Blutwerte. Wichtiger ist, den Körperfettanteil und den Ort des Körperfettes am Körper zu betrachten. Der Mythos, dass schlankere Menschen automatisch gesünder sind, stimmt nicht. Denn auch bei Menschen, die zwar nach dem BMI als normal gewichtig eingestuft werden, kann sich in verschiedenen Körperregionen Fett ansammeln, das nicht sofort nach außen hin gesehen wird. Beispiele dafür sind die inneren Organe wie die Leber oder das Herz. Ist das Herz oder die Leber verfettet, kann dies zu Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Die Annahme, Schlank-sein wäre gleichbedeutend mit einer fitten und gesunden körperlichen Verfassung, kann also nicht pauschal bestätigt werden. Bekannt ist aber auch, dass bei Übergewicht das Risiko für Folgeerkrankungen steigt und zu schweren bis hin zu tödlichen Verläufen führen kann. Einen ersten Anhaltspunkt dafür, ab wann Übergewicht als gefährlich eingestuft wird, gibt dir der BMI. Liegt dieser über 25, gilt dies als Übergewicht. Ob dein Übergewicht tatsächlich gesundheitsgefährdend ist, kannst du am besten anhand einer Blutuntersuchung feststellen. Hierbei werden wichtige Faktoren wie der Blutdruck, die Zuckerwerte und die Fettwerte betrachtet. Zudem werden Aspekte wie das Alter, das Geschlecht, genetische Faktoren und eventuelle Vorerkrankungen mit einbezogen. Alternativ kannst du auch deinen Körperfettanteil berechnen. Eine wichtige Rolle spielt beim Fett, wo genau sich dieses befindet; vor allem Bauchfett gilt als Risikofaktor für die Entstehung verschiedener Krankheiten. Bei den Tipps zum Abnehmen stehen Kraft- und Ausdauertraining neben der Anpassung der Ernährung und des Lebensstils ganz weit vorne. 

Fazit

Zusammengefasst wurde in der Studie herausgefunden, dass Menschen, die schlank sind und ohne sportliche Betätigung bleiben, weniger Appetit und aufgrund einer Vielzahl von Schulddrüsenhormonen einen erhöhten Ruhestoffwechsel haben. Das Forschungsteam sieht diese Studie als Anreiz, sich weiteren Studien mit ähnlichen Themen zu widmen. Geplant sind Untersuchungen zur Art der Nahrung, dem Sättigungsgefühl und den genetischen Unterschieden zwischen Personen mit einem BMI im Bereich des Normalgewichtes und gesunden Personen mit einem BMI im Bereich des Untergewichtes.

Hast du selbst das Gefühl, ein Problem mit Übergewicht und/oder deinem Körperfett zu haben, solltest du am besten ärztlichen Rat einholen. Medizinisches Fachpersonal kann dich individuell beraten und dir hilfreiche Tipps für dein weiteres Vorgehen geben.

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