• Was genau wurde in der Krebs-Studie untersucht?
  • Studienlage und Bewertung der Gesundheitsbehörden
  • So vermeidest du einen zu hohen Süßstoffkonsum

Sie verfügen über eine enorme Süßkraft und enthalten nahezu keine Kalorien. Künstliche Süßungsmittel verleihen Getränken und Lebensmitteln angenehme Süße und sind aus der Lebensmittelindustrie nicht mehr wegzudenken. Studien zu einem erhöhten Krebsrisiko bei Aspartam und Co. machen immer wieder Schlagzeilen, aber was ist wissenschaftlich belegt? Ein französisches Forscherteam stellte fest, dass regelmäßiger Süßstoffkonsum mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden sein könnte. Die Studie liefert neue Erkenntnisse und regt eine Neubewertung von Süßungsmitteln für Lebensmittelzusatzstoffe an. 

Was genau wurde in der Krebs-Studie untersucht?

Die Wissenschaftler*innen nutzten für ihre Studie, die im Fachmagazin "Plos Medicine" veröffentlicht wurde, Daten aus der französischen Bevölkerungskohorte NutriNet-Santé. Hier wurde eine Bevölkerungsgruppe von 2009 bis 2021 beobachtet, wobei der Beobachtungszeitraum im Mittel acht Jahre betrug. Die über 100.000 Teilnehmenden trugen unter anderem Daten zu ihrer medizinischen Vorgeschichte und ihren Ernährungsgewohnheiten freiwillig in ein Register ein. Somit stand den Fachleuten eine umfangreiche Datenbank zur Verfügung und sie konnten Zusammenhänge herstellen zwischen den konsumierten Lebensmitteln und Informationen aus Krebsdiagnosen. Bei den Berechnungsmodellen wurden auch weitere Faktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung, körperliche Aktivität, Rauchen, Body-Mass-Index, Größe, Gewichtszunahme während der Nachbeobachtung, Diabetes und eine Familienanamnese von Krebserkrankungen einbezogen. 

Neben Aspartam und Sucralose gehörte auch Acesulfam-K zu den künstlichen Süßstoffen, die die Probanden am häufigsten zu sich nahmen. Dabei lag Aspartam mit 58 % unangefochten an der Spitze vor Acesulfam mit 29 % und Sucralose mit 10 %. Knapp 20 % der teilnehmenden Personen, die während des Beobachtungszeitraums eine Krebsdiagnose entwickelten, nahmen besonders häufig künstliche Süßstoffe zu sich. Dabei fanden die Forschenden heraus, dass insbesondere ein erhöhter Konsum der Süßstoffe Aspartam und Acesulfam-K zu einem durchschnittlich 13 % erhöhten Krebsrisiko führen kann.

Ein weiteres Ergebnis zeigte, dass bestimmte Krebsarten bei hohem Süßstoffkonsum häufiger auftaten als andere. Bei Brustkrebs stellten die Wissenschaftler*innen zum Beispiel fest, dass das Risiko daran zu erkranken um rund 22 % steigt. Gleichzeitig stieg auch das Risiko für Krebsarten überdurchschnittlich, die mit Übergewicht in Zusammenhang stehen, wie zum Beispiel Magen- oder Darmkrebs.  Die Untersuchung war in einigen Bereichen eingeschränkt. So konnte nicht verifiziert werden, ob die Probanden die Fragebögen vorab korrekt ausgefüllt hatten. Des Weiteren nahmen mehr Frauen mit höherem Bildungsabschluss an der Studie teil, weshalb es bei manchen Ergebnissen zu Verzerrungen kommen könnte. 

Studienlage und Bewertung der Gesundheitsbehörden

Künstliche Süßungsmittel waren in den vergangenen Jahren immer wieder Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen. Dabei wurden sie unter anderem mit folgenden Risiken in Verbindung gebracht:

Insbesondere Aspartam gilt als eines der am meisten untersuchten Süßungsmittel und steht seit seiner Entdeckung im Jahr 1965 immer wieder in der Kritik. Studien, die unter anderem einen Bezug zu Krebs, Tumoren, Kopfschmerzen, Allergien, Frühgeburten, Verhaltensänderungen und Leber- und Nierenschaden herstellten, gibt es in großer Anzahl. Trotzdem wurde die Unbedenklichkeit von Aspartam von Gesundheitsbehörden immer wieder bestätigt.  Nach dem Verzehr spaltet sich Aspartam in seine drei Bestandteile Asparaginsäure, Phenylalanin und Methanol auf. Alle drei Komponenten kommen natürlicherweise auch in Lebensmitteln vor und werden genau wie diese im Körper verstoffwechselt. Hier sehen Kritiker*innen Gründe für mögliche Gesundheitsrisiken, da sich diese Stoffe im Körper anreichern und Schäden verursachen könnten. 

Die Europäische Union (EU) hat strenge Vorschriften erlassen, welche Süßstoffe in welcher Menge verwendet werden dürfen und wie sie kenntlich zu machen sind. Süßungsmittel sind Zusatzstoffe, weshalb sie ein Zulassungsverfahren durchlaufen müssen. Ansonsten dürfen sie nicht von der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden. Die Europäische Gesundheitsbehörde (EFSA) hat 2013 eine letzte abschließende Risikobewertung zu Aspartam veröffentlicht. Die Behörde sieht kein gesundheitliches Risiko beim Konsum von Aspartam, trotz der vielen kritischen Studien. Bei Einhaltung der annehmbaren Tagesdosis von 40 mg/kg Körpergewicht sei der Verzehr unbedenklich. Hiervon ausgenommen sind jedoch Menschen, die an Phenylketonurie leiden. Daneben hat auch die amerikanische Lebensmittelaufsichtsbehörde (FDA) Aspartam als unbedenklich eingestuft. Insgesamt sind in der Europäischen Union derzeit 19 Süßungsmittel zugelassen und gelten als unbedenklich, wenn nicht mehr als die zugelassenen Höchstmengen konsumiert werden. Im Unterschied zur EU ist in den USA jedoch das Süßungsmittel Cyclamat seit 1970 verboten, da in Tierversuchen ein mögliches Krebsrisiko ermittelt wurde. In Deutschland wurde die zulässige Höchstmenge auf 7 mg/kg Körpergewicht reduziert. 

So vermeidest du einen zu hohen Süßstoffkonsum

Bei unverpackter Ware, die du zum Beispiel beim Bäcker kaufen kannst, müssen Süßungsmittel für Kunden kenntlich gemacht werden. Ist Aspartam enthalten oder Aspartam-Acesulfam-Salz, muss der Hersteller auf die enthaltene Phenylalaninquelle hinweisen, da diese Aminosäure Menschen mit Phenylketonurie Probleme bereiten kann. Häufig finden sich Süßungsmittel in folgenden Produkten:

  • Brotaufstriche
  • Desserts, Süßwaren und Kaugummis
  • kalorienreduzierte oder zuckerfreie Getränke
  • süßsaure Konserven, beispielsweise von Obst oder Fisch
  • Marmeladen, Konfitüren, Gelees
  • Milchprodukte
  • Feinkostsalate, Senf und Soßen

Achte auf folgende Bezeichnungen bei verpackten Produkten:

  • Acesulfam-K (E 950)
  • Aspartam (E 951)
  • Cyclamat (E 952)
  • Sucralose (E 955)
  • Saccharin (E 954)
  • Thaumatin (E 957)
  • Neohesperidin DC (E 959)
  • Steviolglycoside (E 960)
  • Neotam (E 961)
  • Acesulfam-Aspartamsalz (E 962)
  • Advantam (E 969)

Da auch ein hoher Zuckerkonsum nachweislich der Gesundheit schadet, solltest du generell weniger süße Lebensmittel konsumieren. Eine Studie konnte zeigen, dass bestimmte Lebensmittel eine so starke Abhängigkeit erzeugen können wie Drogen. Zudem verstärken Lebensmittelhersteller diesen Effekt noch, indem sie Fett und Zucker so kombinieren, dass unser Hirn davon intensiv stimuliert wird. Die Vorliebe für Süßes kannst du dir aber auch wieder abtrainieren, indem du schrittweise den Süßverzehr einschränkst. Zum Beispiel immer weniger Zucker oder Süßstoff im Kaffee, süße Limonaden durch Saftschorlen mit hohem Wasseranteil austauschen oder nicht gleich die ganze Tafel Schokolade verzehren, sondern langsam und mit Genuss nur ein paar Stückchen genießen. 

Kinder sollten von Beginn an nicht zu viel Süßes angeboten bekommen. Reiche ihnen stattdessen Alternativen wie Wasser oder ungesüßten Tee statt süßer Limonaden. Kinder ahmen unser Ess- und Trinkverhalten nach. Wenn während der Mahlzeiten Wasser auf dem Tisch steht statt zuckerreicher Getränke, dann wird dies schnell zur Gewohnheit, die auch im Erwachsenenalter beibehalten wird. Auch beim Pausenbrot müssen es nicht immer der süße Schokoaufstrich und der Schokoriegel sein. Das verschafft nur kurzzeitig Energie. Besser für ein gesundes Schulbrot geeignet sind Vollkornbrot mit Käse oder vegetarischen Aufstrichen, Gemüse- und Obststücke, Nüsse, Käsewürfel und Wasser bzw. Schorle.

Lesetipp: Extrem ungesunder Süßstoff? Experten raten zu komplettem Verzicht

Fazit

Die Studienergebnisse legen den Schluss nahe, dass künstliche Süßstoffe, die in zahlreichen Lebensmitteln und Getränken eingesetzt werden, ein Risiko für eine Krebserkrankung darstellen können. Vor dem Hintergrund sind weitere Studien notwendig, um künstliche Süßstoffe im Hinblick auf die Krebspräventionen mehr in den Fokus zu rücken. Zudem sollte auch der Einsatz von Süßungsmitteln für Lebensmittelzusatzstoffe durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit und andere Gesundheitsbehörden weltweit neu bewertet werden. Aufgrund der unsicheren Studienlage, die aber auch ein mögliches erhöhtes Krebsrisiko nicht gänzlich ausräumen kann, solltest du versuchen, Süßstoffe nur in sehr geringem Maß konsumieren.

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