Frankfurt am Main
Öko-Test

Erkältungsbäder im Test: Über die Hälfte der Arzneibäder fällt durch

Bei Husten und Schnupfen sind Erkältungsbäder besonders in der kalten Jahreszeit beliebt. Warum manche Produkte jedoch mit Vorsicht zu genießen sind, erklärt das Verbrauchermagazin Öko-Test. Von 20 getesteten Erkältungsbädern fiel über die Hälfte durch.
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Bei Husten und Schnupfen sind sie besonders jetzt in der kalten Jahreszeit beliebt:   Erkältungsbäder.  Doch laut Öko-Test gibt es so gut wie kein Erkältungsbad, dass empfehlenswert ist. Symbolfoto:  Matheus Frade/unsplash.com
Bei Husten und Schnupfen sind sie besonders jetzt in der kalten Jahreszeit beliebt: Erkältungsbäder. Doch laut Öko-Test gibt es so gut wie kein Erkältungsbad, dass empfehlenswert ist. Symbolfoto: Matheus Frade/unsplash.com

Erkältungsbäder bei Öko-Test - mehr als jedes zweite Produkt fällt durch: Nach einem langen Tag in der Kälte tut es gut, sich ein entspanntes Bad zuhause einzulassen. Bekanntlich hilft Wärme dabei, Muskeln und Geist zu entspannen. Gerade in der kalten Jahreszeit greift man auch gerne mal zu einem Erkältungsbad mit Pfefferminz-, Eukalyptus- oder Menthol-Bestandteilen, wenn die ersten Symptome einer Grippe auftreten.

Das Verbrauchermagazin Öko-Test ruft jedoch zur Vorsicht auf: Von insgesamt 20 getesteten Erkältungsbädern fielen elf mit einer Bewertung von "mangelhaft" und "ungenügend" durch. Auch die restlichen neun Bäder konnten nur mit "befriedigend" bewertet werden. Es gab keine "gut" oder "sehr gut" Bewertung. Doch was wurde in den Arzneibädern gefunden?

Wissenschaftliche Belege überzeugen nicht: Erkältungsbäder fallen bei Öko-Test durch

Ätherische Öle aus Pfefferminze, Eukalyptus und Co. gelten als wohltuend und sollen gegen Erkältungssymptome, wie eine verstopfte Nase, helfen. Auf diese Aussagen berufen sich auch die Hersteller der Erkältungsbäder - die wissenschaftlichen Belege dafür überzeugen den Öko-Test Gutachter Manfred Schubert-Zsilavecz von der Universität Frankfurt jedoch nicht.

Auffällig ist, dass zwar wohltuende Effekte in Bezug auf Erkältungen angepriesen, jedoch keine medizinischen Wirkversprechen ausgesprochen werden. In Kosmetika müssen Wirkversprechen wissenschaftlich belegt sein, sonst dürfen sie nicht beworben werden. Weiterhin dürfen die Kosmetikprodukte keine mit Medikamenten vergleichbare Wirkung haben, da sie sich sonst an die strengen Auflagen des Arzneimittelgesetzes halten müssten.

Um die Erkältungsbäder aber trotzdem mit Hinweis auf ihre Wirkung verkaufen zu können, werden die Produkte als "befreiend", "wohltuend" und "entspannend" angepriesen. Die Formulierungen lassen darauf schließen, dass ein Erkältungsbad bei einer Erkältung auch tatsächlich hilft, dies ist nach Auffassung des Gutachters jedoch nicht genügend belegt.

Erkältungsbäder im Öko-Test: Diese problematischen Stoffe wurden gefunden

Öko-Test konzentrierte sich bei seinen Untersuchungen primär auf Allergene, problematische Duftstoffe und umstrittene Inhaltsstoffe.

Einer der in einigen Bädern gefundener Stoffe ist Kampfer (auch Campher, Camphora). Am bekanntesten ist der Stoff wahrscheinlich als Allheilmittel aus Asien. Er ist unter anderem im "Tiger-Balm" enthalten, welcher schmerzlindernd und durchblutungsfördernd wirken soll.

Sein Einsatz in der Medizin ist jedoch umstritten, da er bei einer geringen therapeutischen Breite möglicherweise gravierende Nebenwirkungen mit sich bringen kann, berichtet Öko-Test. Bei Säuglingen und Kleinkindern besteht durch die Aufnahme des Kampfer Vergiftungsgefahr, das Risiko eines Atemstillstandes oder Krampfanfällen. Auch kann es bei der äußerlichen Anwendung zu unschönen Hautekzemen kommen.

Als weiteres, starkes Allergen gilt Delta-3-Caren. Es ist primär in Erkältungsbädern enthalten, welche als Wirkstoff Nadelholzöle wie Kiefernnadel- oder Fichtennadelöl enthalten. Sie sind häufig mit großen Mengen an Delta-3-Caren belastet. Es handelt sich bei dem Stoff zwar um einen natürlichen Bestandteil der Öle, er wird aber auch zunehmend in Klebern und Lacken verwendet und gilt nicht als ungefährlich.

Problematisch ist auch immer wieder der künstliche Duftstoff "Lilial". Er steht unter Verdacht, fortpflanzungsschädigend zu sein, dies zeigten zumindest Tierversuche. Trotzdem wird er weiterhin in vielen verschiedenen Kosmetika (Handcremes, Gesichtscremes) verwendet. Er konnte in einem der Erkältungsbäder nachgewiesen werden.

Weiterhin konnten Polyethylenglykolen (PEG/PEG-Derivate) in den Erkältungsbädern gefunden werden. Diese sorgen dafür, dass zwei eigentlich nicht mischbare Flüssigkeiten, wie Öl und Wasser, doch miteinander vermengt werden können. An sich ist das auch der gewünschte Effekt - gleichzeitig sorgen die Stoffe aber auch dafür, dass die Haut durchlässiger für Fremdstoffe gemacht wird und sind damit gesundheitsschädigend.

Die drei besten Erkältungsbäder laut Öko-Test

Ob man überhaupt von "besten" Erkältungsbädern reden kann, bleibt anzuzweifeln, da keines der getesteten Produkte eine bessere Bewertung als "befriedigend" erreichen konnte.

Besser abgeschnitten als der Rest hat beispielsweise das "Erkältungs- und Rheumabad R Hofmann's". Es konnten keine allergieauslösenden Duftstoffe gefunden und auch bedenkliche Substanzen in den Wirkstoffen konnten nicht nachgewiesen werden. Trotzdem wurden umstrittene Hilfsstoffe festgestellt. Polyethylenglykolen (PEG/PEG-Derivate) wurden gefunden und auch die Wirksamkeit für die unterstützende Behandlung von Erkältungen konnte nur teilweise nachgewiesen werden.

Erkältungs- und Rheumabad R Hofmann`s

Auch "Mivolis Arzneibad Eukalyptus" konnte mit "befriedigend" bewertet werden. Wie bei Hofmann's Erkältungsbad wurden hier keine Duftstoffe gefunden, die Allergien auslösen. Trotzdem konnten PEG/PEG-Derivate nachgewiesen werden und auch die Wirkung bei Erkältungen wurde erneut nur teilweise bestätigt.

Mivolis Arzneibad Eukalyptus

"Doc Morris Arzneibad Eucalyptus" wurde ebenso mit "befriedigend" bewertet. Außer PEG/PEG-Derivaten wurden keine umstrittenen Inhaltsstoffe in dem Produkt gefunden. Auch die Testergebnisse zu den untersuchten Hilfsstoffen waren gut.

Doc Morris Arzneibad Eucalyptus

Die drei schlechtesten Erkältungsbäder laut Öko-Test

Zu den am schlechtesten bewerteten Erkältungsbädern gehört "Ätheria Revitalisierendes Gesundheitsbad 5". Es konnten sowohl das starke Allergen Delta-3-Caren als auch PEG/PEG-Derivate nachgewiesen werden. Es wurden keine Warnhinweise auf dem Produkt erkannt und auch der ausgelobte Anspruch, dass das Bad bei Erkältungssymptomen hilft, konnte nicht ausreichend nachgewiesen werden.

Auch "Dermasel Totes Meer Badesalz Erkältung & Atemfrei" fiel im Test mit "ungenügend" durch. Es wurde Kampfer in dem Produkt gefunden und die "Erkältung & Atemfrei"-Wirkung konnte nicht bestätigt werden.

Mit PEG/PEG-Derivaten, dem fortpflanzungsschädigendem Duftstoff Lilial und dem Allergen Delta-3-Caren schneidet "Li-il Erkältungs-Arzneibad Thymian" im Test wohl insgesamt am schlechtesten ab. Mit 1,99 Euro pro Vollbad gehört das Bad eher zu der teureren Variante, ist aber qualitativ nicht an den Preis angepasst.

Öko-Test übt Kritik: Unvollständige Deklarationen bei Erkältungsbädern

Vor allem Allergiker sollen laut Öko-Test vorsichtig sein. In keinem der getesteten Erkältungsbädern wurden deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen könne, ausgeschrieben. Die Begründung ist nur schwer nachvollziehbar:

Seit 2017 gilt für Salben, Arzneimittel und Bäder die Vorschrift, ätherische Öle oder Parfums, die in Hilfsstoffen stecken und Allergien auslösen können, auch aufzuführen. Anbieter der Erkältungsbäder tun dies jedoch nicht, da die ätherischen Öle als Wirkstoff und nicht als Hilfsstoff enthalten sind. Damit ist zwar die Vorlage erfüllt, Allergikern ist jedoch nicht geholfen.

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