Berlin
Psychologie

Hangry: Werden wir egoistischer, wenn wir hungrig sind? Forscher geben Antwort

"Hangry" bezeichnet die Gemütslage, bei der eine Person sehr hungrig und dadurch grummelig und wütend ist. Es wurde öfter behauptet, dass der Mensch auch egoistischer wird, sobald er Hunger bekommt. Diese Aussage wurde nun durch eine neue Studie widerlegt.
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Werden wir wirklich egoistischer, wenn wir hungrig sind? Eine Studie hat nun neue Ergebnisse gefunden. Symbolfoto: Drobot Dean/Adobe Stock
Werden wir wirklich egoistischer, wenn wir hungrig sind? Eine Studie hat nun neue Ergebnisse gefunden. Symbolfoto: Drobot Dean/Adobe Stock

Wenn man lange nichts isst, dann wird es schnell ungemütlich. Die Laune rutscht in den Keller, man fragt sich, was los ist und sobald dann der erste Bissen genommen ist, fühlt man sich gleich besser. Einige frühere Studien schlossen darauf, dass ein hungriger Mensch nicht nur schlechter gelaunt, sondern auch noch egoistischer wird. Ein internationales Forscherteam konnte dies nun aber widerlegen.

Bamberg, Gießen, Amsterdam... - internationales Forschungsteam führt Studie durch

Um herauszufinden, ob wir Menschen wirklich egoistischer werden, wenn wir hungrig sind, führte ein internationales Forscherteam eine intensive Studie durch. Die Psychologinnen und Psychologen kamen aus Deutschland (Gießen, Hildesheim, Bamberg) aber auch aus der Niederlande (Amsterdam) und England (Oxford).

In die Studie wurden insgesamt 795 Personen eingebunden und in verschiedenen Situationen genau beobachtet. Sie wurden gebeten, 12 Stunden vor Testbeginn nichts mehr zu essen, kamen also hungrig und mit niedrigem Blutzuckerspiegel in die Testsituation. Die Kontrollgruppe erhielt nach Beginn des Tests zwei Schokoladenpuddings, durch welche der gröbste Hunger gestillt und der Blutzuckerspiegel angehoben wurde. Die Experimentalgruppe musste hungrig weiter machen.

Zu den Tests gehörten unter anderem Versuche, bei denen die Teilnehmer zum Beispiel Geld unter einander aufteilen mussten. Hier wurde nach verschiedenen Prinzipien gehandelt: Einmal musste eine Person das Geld in einer Gruppe aufteilen und hatte die alleinige Macht darüber, welcher Teilnehmer wie viel bekam, ein anderes Mal konnte die Testperson Angebote unterbreiten. Wurde das Angebot abgelehnt, so bekam niemand etwas. Bei den Tests konnte immer wieder beobachtet werden, dass weder die hungrigen Probanden, noch die gesättigten Teilnehmer sich in einer Art egoistisch verhielten.

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Tests nicht nur mit Geld, sondern auch mit Essen durchgeführt

Da bei einer hungrigen Person nicht unbedingt Geld das Objekt der Begierde ist, wollten die Forscherinnen und Forscher auch Versuche mit Essen durchführen. Dafür wurde vor der Mensa der Justus-Liebig-Universität Gießen ein Stand aufgebaut. An die Studierenden - kommende (wahrscheinlich hungrig) und gehende (wahrscheinlich gesättigt) - wurde Päckchen mit Studentenfutter verteilt. Diese sollten wieder zwischen den Studierenden aufgeteilt werden.

Erneut ließ sich beobachten, dass weder die hungrige, noch die gesättigte Zielgruppe ein egoistisches Verhalten aufzeigte. "Wir gehen davon aus, dass die sozialen Rahmenbedingungen - zum Beispiel mögliche Sanktionen oder der drohende Verlust von sozialem Ansehen - so stark sind, dass solche egoistischen Impulse ausgebremst werden", erklärt der Studienleiter Prof. Dr. Jan Häusser.

Egoistisches Verhalten im Menschen oft überschätzt

"Obwohl akuter Hunger möglicherweise egoistische Impulse verstärkt, schlagen sich diese oft nicht im Verhalten nieder", berichtet Professor Häusser. Den Forschern und Forscherinnen zu Folge wird das Verhalten hungriger Menschen oft per se egoistischer eingeschätzt, als es tatsächlich der Fall ist. Durch die aktuelle Studie konnte aber bestätigt werden, dass zumindest bei akutem Hunger kein weniger soziales Verhalten auftritt.

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