Stück für Stück werden die Ausgangsbeschränkungen momentan gelockert. Geschäfte dürfen teilweise wieder öffnen und auch Dienstleister wie Friseure dürfen unter bestimmten Auflagen bald wieder Haare schneiden. Was bundesweit sowieso galt, ist ab dem 20. April auch in Bayern gestattet: das Treffen mit einer "haushaltsfremden" Person an der frischen Luft.

Viele sind erleichtert, dass sie wieder ein bisschen Freiheit zurückerlangt haben. In mehreren Bundesländern ist zur Sicherheit aber auch eine Maskenpflicht eingeführt worden. Auch in Bayern muss ab dem 27. April im Personennahverkehr und beim Einkaufen jeder einen Mund-Nasen-Schutz, bzw. Schal oder Tuch um den Mund getragen werden. Doch trotz dieser Vorkehrung warnt der Berliner Virologe Christian Drosten vor einer der Wucht einer erneuten Infektionswelle.

Rückblick auf die Spanische Grippe: Drosten zeigt sich sorgenvoll

Durch die Beschränkungen ist die Reproduktionszahl unter 1 gefallen (siehe Update vom 21.04.2020, 10.45 Uhr). Sollte sie wieder ansteigen - also ein Infizierter wieder mehr als eine Person anstecken - könne eine weitere Infektionswelle mit großer Wucht auf uns zurollen. Die Reproduktionszahl könnte unbemerkt ansteigen. "Die Frage, die man sich immer stellen muss, ist aber: Können wir was übersehen haben? Wenn ja: Was könnte das sein?", sagte Drosten im NDR-Podcast. Hier geht der Virologe einmal von einer örtlichen Diffusion, andererseits auch von einer altersbedingten Diffusion aus.

Bisher konnte man auf Karten klare Corona-Hotspots erkennen, wo sich die Fälle der Infizierten häuften. Bisher zeigen sich aber die in andere Gebiete verschleppten Fälle noch nicht in der Reproduktionszahl. Was die altersmäßige Diffusion angeht, sieht man bisher die meisten Fälle bei jungen und mittelalten Personen. Drosten befürchtet, dass bereits Infektionsketten unter älteren Personen laufen. Gerade wenn eben doch mal die Enkel zu Besuch waren oder man sich mit Bekannten getroffen hat.

Mit den Erkenntnissen, die man aus der Spanischen Grippe gewonnen hat, warnt Drosten vor einer zweiten Infektionswelle. Diese würde dann mit einer unerwarteten Wucht und an mehreren Orten gleichzeitig auf uns zu rollen. Der Virologe betont auch, dass die Zahl der Infizierten in der Berliner Charité seit mehreren Wochen steige. Und so würden auch immer mehr Betten auf der Intensivstation belegt. Diese Entwicklung stimme den Virologen sehr sorgenvoll. Laut einer Studie mit epidemiologischen Modellierung sei ein Infizierter am Tag vor Beginn der Symptome am stärksten ansteckend. Nach vier Tagen mit Symptomen sei die größte Infektionstätigkeit vorbei.