Geht es um die Übertragung des Coronavirus war bisher immer die Rede von der Tröpfcheninfektion, also durch Speichel oder Schleim, der beim Sprechen, Niesen oder Husten austritt. Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité bringt nun einen weiteren Infektionsweg ins Spiel: Über die Luft.

Forscher sprechen von "Aerosolen", winzigen Partikeln, die nicht so schnell zu Boden sinken wie die Tröpfchen, sondern minuten- oder sogar stundenlang in der Luft bleiben - und somit auch ansteckend sein können. "Das ist etwas, das schon seit Wochen im Prinzip besprochen und in der Diskussion ist, aber jetzt langsam zeigen sich anscheinend die Auswirkungen davon", sagt Drosten im Interview mit dem Deutschlandfunk. Die Übertragung über "Aerosole" spiele eine wichtige Rolle, meint der Virologe. Daher empfiehlt er auch die Maßnahmen gegen das Virus entsprechend anzupassen.

Weniger Händewaschen, mehr Lüften: Virologe Christian Drosten warnt vor Corona-Infektion durch Luftpartikel

"Wenn es denn so ist, dass ein Virus in der Raumluft steht, dann muss diese Raumluft natürlich bewegt werden und herausbefördert werden.", so Drosten. Durch offene Fenster, Türen oder einen Ventilator könnte die Ansteckungsgefahr somit verringert werden. Müssen die offiziellen Maßnahmen also nochmal überdacht werden?

Laut Drosten spiele die Übertragung über Hände und Oberflächen immer noch eine Rolle - aber sie sollte weniger betont werden. Seine Forderung bezieht sich außerdem eher auf das ständige Händewaschen und Desinfizieren im alltäglichen Leben: "Ich will jetzt nicht sagen, im Krankenhaus. Da ist es eine ganz andere Überlegung. Aber im Alltag sollte man sich eher vielleicht aufs Lüften konzentrieren und weniger auf das ständige Wischen und Desinfizieren."

Das Robert-Koch-Institut zeigt sich im Gegensatz zu Drosten noch zurückhaltend. Gegenüber dem Deutschlandfunk bezeichnet das Institut die Bewertung der Lage als schwierig. Zwar gibt es bereits Studien, die zeigen, dass die Luftpartikel möglicherweise Viren übertragen, in welchem Umfang ist aber noch nicht klar. Eine US-Studie konnte beispielsweise messen, dass beim Sprechen im Schnitt rund 1000 der virenbelasteten Partikel pro Minute ausgestoßen werden und etwa acht Minuten lang in der Luft schweben. Die Forscher empfehlen hierfür jedoch weiter einen Mund-Nasen-Schutz.

Corona-Ausbreitung über Klimaanlagen? Bundesumweltamt empfiehlt gute Belüftung

Ein Fall aus China gibt ebenfalls Hinweise auf die Ausbreitung des Coronavirus über die Luft, nämlich durch die Klimaanlage. Laut deutschem Umweltbundesamt kommt es dabei aber auf die Art der Klimaanlage an. Eingebaute Filter können das Virus in den Anlagen abfangen. Doch auch das Amt rät zur guten Durchlüftung, um das Infektionsrisiko zu verringern.

Das Coronavirus kann also auch über die Luft übertragen werden, in welchem Ausmaß ist allerdings unklar. Die Empfehlung von Christian Drosten und dem Umweltbundesamt, öfter zu Lüften, kann trotzdem helfen, das Risiko einer Infektion über "Aerosole" gering zu halten.