• Ein kurzer Überblick über Allergien
  • Ablauf der Hyposensibilisierung
  • Mögliche Nebenwirkungen und Vorteile
  • Bei diesen Allergien bietet sich eine Hyposensibilisierung an
  • Fazit

Rund 30 Millionen Menschen sind Schätzungen zufolge alleine in Deutschland von einer Allergie betroffen. Je nach Art der Allergie und persönlichem Bedürfnis kann die Hyposensibilisierung als Therapieform für dich infrage kommen.

Allergien: Definition und Diagnose

Laut Robert-Koch-Institut erkranken mehr als 20 % der Kinder und mehr als 30 % der Erwachsenen im Laufe ihres Lebens an mindestens einer allergischen Erkrankung. Am häufigsten vertreten ist mit weitem Abstand der Heuschnupfen, gefolgt von Nahrungsmittelallergien und Insektenallergien. Grundsätzlich konnte das RKI feststellen, dass die Häufigkeit allergischer Erkrankungen seit den 1970er-Jahren stark zugenommen hat. Mit einem Blick auf die letzten Jahre hat sich die Häufigkeit auf einem hohen Niveau eingependelt.

Unter einer Allergie versteht man allgemein eine erworbene, immunologisch bedingte und spezifische Überempfindlichkeit gegenüber einem oder mehreren körperfremden Stoffen. Der allergieauslösende Stoff kann divers sein. Häufig vorkommende Stoffe, die eine Allergie auslösen, sind Pollen und Lebensmittel; es können aber auch jegliche andere Substanzen sein, die dem Körper durch Einatmen oder über die Haut zugeführt werden. Kommst du auf eine dieser Weisen in Kontakt mit dem Allergieauslöser, reagiert dein Körper auf diesen. Grund dafür ist, dass der Körper nach wiederholtem Kontakt mit der Substanz Antikörper gegen diese ausbildet. Je nach Art der Allergie sind Schnupfen, Husten, Niesen, tränende Augen, Juckreiz, Hautreaktionen, Magen-Darm-Probleme oder Atemprobleme typische Symptome.

Eine Diagnose ist bei einer Allergie sehr wichtig, da die Symptome je nach Ausprägung den Alltag der Patient*innen erschweren könnten. Dabei erwarten dich in der Regel nach einer ausführlichen Anamnese spezifische Untersuchungen. Typischerweise wird ein Hauttest, auch als Pricktest bekannt, genutzt. In einigen Fällen wird ein Intrakutantest, ein Epikutantest, ein Provokationstest oder ein Bluttest durchgeführt. Jede dieser Methoden wird der Arzt oder die Ärztin im Vorfeld ausführlich mit dir durchgehen und dir mögliche Fragen beantworten. Die sorgfältige Diagnosestellung ist wichtig, damit im Anschluss bei Bedarf eine geeignete Therapie durchgeführt werden kann.

Definition und Ablauf der Hyposensibilisierung

Wurde bei dir eine Allergie festgestellt, kannst du diese unter gewissen Voraussetzungen therapieren lassen. Selbstverständlich ist dieser Schritt nicht immer notwendig; vor allem dann, wenn dich selbst die Symptome nicht wirklich stören und/oder du die allergieauslösende Substanz einfach meiden kannst. Ist dies hingegen nicht der Fall und du fühlst dich im Alltag stark eingeschränkt, kann die sogenannte Hyposensibilisierung eine Möglichkeit für dich sein.

Der Begriff der Hyposensibilisierung beschreibt grundsätzlich eine Allergie-Immuntherapie. Klassischerweise wird die Immuntherapie mit Spritzen durchgeführt. Die Therapieform mit Spritzen wird auch subkutane Immuntherapie, kurz SCIT, genannt. Ein besonderes Merkmal der SCIT ist die Tatsache, dass die Ursache der Allergie therapiert wird und nicht nur die Symptome gemildert werden.

Bevor du mit einer Allergie-Immuntherapie beginnst, solltest du alle für die Therapie relevanten Fragen mit dem medizinischen Fachpersonal durchgehen. Es gilt, wichtige Fragen wie jene nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bösartigen Tumoren oder anderen chronischen Erkrankungen sowie die, ob du Medikamente nimmst, eine längere Urlaubsreise planst oder schwanger bist, zu beantworten. Der anschließende Ablauf der Therapie sieht so aus, dass dir das Allergen, auf welches du reagierst, von deinem Arzt oder deiner Ärztin mit einer Spritze injiziert wird. In der Regel erfolgt die Injektion an der Rückseite deines Oberarms. Wie lange die Hyposensibilisierung dauert, kann nicht pauschalisiert werden. Die Dauer hängt maßgeblich davon ab, wie lange dein Körper benötigt, um sich an die bisher allergieauslösende Substanz zu gewöhnen. Grob kannst du dich auf eine Therapiedauer von drei bis fünf Jahren einstellen. Die erste Dosis, die dir injiziert wird, ist noch sehr gering. Über die Zeit wird die Menge jedoch langsam gesteigert. Bis die sogenannte Erhaltungsdosis, sprich die Zieldosis, erreicht ist, hast du jede Wochen einen Termin bei deinem Arzt oder deiner Ärztin. Ist die Erhaltungsdosis erreicht worden, hast du nur noch alle vier bis sechs Wochen einen Termin.

Nebenwirkungen, Vorteile und die therapierbaren Allergien

Läuft die Therapie optimal ab, verschwinden in ihrem Verlauf deine Allergiesymptome vollständig. Als Vorteil dieser Therapieart gilt, dass mit der SCIT außerdem neuen Allergien sowie der Entwicklung von Asthma vorgebeugt wird. Dir bietet sich also ein positiver Effekt über die Therapiephase hinaus. Grundsätzlich gilt die Allergie-Immuntherapie als sehr gut verträglich, da schwere Nebenwirkungen nur in seltenen Fällen beobachtet wurden. Mögliche Nebenwirkungen, die hin und wieder bei der Behandlung auftauchen können, sind Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle, Juckreiz, Müdigkeit, Nervosität, Kopfschmerzen oder Atembeschwerden. Diese sind jedoch alle harmlos und klingen üblicherweise schnell ab. Nur sehr selten kommt es zu Kreislaufproblemen, Übelkeit oder einem anaphylaktischen Schock. Um mögliche Nebenwirkungen abzuwarten, bleibst du im Normalfall nach der Injektion noch etwa 30 Minuten in der Praxis.

Dadurch, dass du während der Therapiedauer immer in regelmäßigen Abständen einen Termin bei deinem Arzt oder deiner Ärztin hast, wird ein stetiger Austausch garantiert. Kommt es zu Problemen oder Nebenwirkungen, kannst du jederzeit Fragen stellen. Zudem wird die Verträglichkeit bei jedem Termin kontrolliert sowie der bisherige Verlauf der Hyposensibilisierung mit dir besprochen. Für dich als Patient*in kann dieser Fakt eine große Bereicherung sein, da du dich erstens nicht täglich mit deiner Allergie beschäftigen musst und andererseits eine kontinuierliche medizinische Kontrolle erhältst.

Die SCIT ist nicht für alle Patient*innen geeignet. Für dich kommt die Therapieform infrage, wenn du eine Typ-I-Allergie, auch Allergie des Soforttyps genannt, hast. Der Allergietyp kennzeichnet sich dadurch, dass sich die Symptome bereits nach einigen Sekunden bis Minuten nach Kontakt mit dem Allergen äußern. Hast du selbst eine Typ-I-Allergie, bestehen gute Erfolgsaussichten durch die Allergie-Immuntherapie. Diejenigen Allergien, die sich für die Therapie mit Spritzen eignen, sind alle Arten von Pollenallergien, die Hausstaubmilbenallergie, die Schimmelpilzallergie, die Tierhaarallergie, die Insektengiftallergie sowie einige Arzneimittel- und Nahrungsmittelallergien.

Fazit

Wurde bei dir eine Typ-I-Allergie diagnostiziert, kann für dich die Hyposensibilisierung als Therapieform infrage kommen. Wichtig ist, dass ein Arzt oder eine Ärztin, die allergologisch erfahren ist, die Therapie mit Spritzen durchführt. Vor Beginn der Hyposensibilisierung sollten alle relevanten Fragen geklärt werden. Wichtig ist, dass du die Termine ernst nimmst, um die Erfolgschancen zu maximieren.