"Eine Impfpflicht auf einzelne Krankheiten zu begrenzen, ist schon deshalb problematisch, weil heute in der Regel Mehrfach-Impfstoffe verwendet werden und Präparate gegen einzelne Krankheiten gar nicht mehr zur Verfügung stehen", sagte Montgomery dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (Samstag). "Alle Impfungen, die die Ständige Impfkommission heute für Kinder empfiehlt, sollten verpflichtend sein", forderte der Ärzte-Präsident. "Nur wenn jeder geimpft wird, haben wir die Chance, diese Krankheiten endlich auszurotten."

Einzelner Masern-Impfstoff ist in Deutschland nicht verfügbar

Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts empfiehlt für Kinder derzeit unter anderem einen Vierfach-Impfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sowie einen Sechsfach-Impfstoff gegen Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung, Keuchhusten, Haemophilus influenzae Typ b sowie Hepatitis B. Ein einzelner Impfstoff gegen Masern ist in Deutschland nicht verfügbar und müsste importiert werden.

Ärztekammer-Präsident für umfassende Impfpflicht

Montgomery sagte, aus medizinischer Sicht spreche alles für eine umfassende Impfpflicht, um die gesamte Bevölkerung dauerhaft vor den zum Teil lebensbedrohlichen Krankheiten zu schützen. Nötig seien praxistaugliche Strategien der Politik, wie sie umgesetzt werden könne. Dabei komme etwa ein Verbot des Besuchs von Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindertagesstätten oder Schulen infrage.

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"Zwar steht die Impfpflicht dann im Zweifel im Konflikt mit der Schulpflicht", sagte Montgomery. "Aber dieses Problem muss die Politik lösen." Um Impfgegner zu überzeugen, helfe nur "Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung". Der brandenburgische Landtag hatte sich vor kurzem für die Einführung eine Masern-Impfpflicht ausgesprochen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) unterstützt die Initiative.