• Kurzüberblick: Das ist Demenz
  • Risikofaktoren für Demenz
  • Märchen als Präventionsmaßnahme
  • Fazit

Im Jahr 2021 lebten rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland mit Demenz. Für die Erkrankten selbst sowie das nähere Umfeld und die Pflegepersonen kann die Demenzerkrankung eine Belastung darstellen. Als Präventionsmaßnahme gegen Demenz soll unter anderem das Erzählen von Märchen helfen können.

Überblick über Demenzerkrankungen

Der Begriff "Demenz" kommt aus dem Lateinischen und wird mit "Weg vom Geist" übersetzt. Damit kann man sich bereits vorstellen, was bei einer demenzerkrankten Person eintritt: Eine Verschlechterung bis hin zum Verlust der eigenen geistigen Fähigkeiten. Kognitive Fähigkeiten, wie das Erkennen, das Gedächtnis, die Orientierung, die Sprache, das Lernen, das Planen oder die grundlegenden emotionalen sowie sozialen Fähigkeiten einer betroffenen Person können mit zunehmender Dauer der Krankheit beeinträchtigt werden.

Demenz ist dabei ein Überbegriff für verschiedene Erkrankungen. Mit einem Anteil von etwa 60 bis 65 Prozent zählt Alzheimer zur häufigsten Demenzform. Einen Anteil von etwa 10 bis 15 % aller Demenzen bildet die vaskuläre Demenz ab, bei welcher es zu langfristigen Durchblutungsstörungen im Gehirn kommt. Aufgrund dessen muss diese Erkrankungsform konsequent behandelt werden. Andere Formen, die einen geringeren Teil ausmachen, sind Mischformen der vaskulären und der Alzheimer-Demenz, die Demenz mit Lewy-Körperchen und die frontotemporale Demenz. Alle dieser Erkrankungsformen gehören zu den sogenannten primären Demenzformen. Sekundäre Demenzformen sind jene, die als Folge anderer Erkrankungen, wie beispielsweise einer Schilddrüsenerkrankung, Vitamin-Mangelzuständen, bestimmten Entzündungen und Infektionen oder Krankheiten auftreten können. Eine Heilung primärer Demenzerkrankungen ist bisher nicht möglich.

Wurde bei dir oder jemandem aus deinem Umfeld Demenz diagnostiziert, kann dies ein Gefühl der Überforderung hervorrufen. Typische psychische Kennzeichen und Verhaltenssymptome sind unter anderem ein sehr streitlustiges Verhalten, eine überschwängliche Euphorie, hemmungsloses Verhalten, eine krankhafte Unruhe, welche in Bewegungsdrang gipfeln kann, sowie Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Teilnahmslosigkeit, Depressionen oder Angst. Darüber hinaus wird es plötzlich wichtig, rechtliche, gesundheitliche und finanzielle Angelegenheiten zu regeln, solange es der erkrankten Person noch selbst möglich ist. Ein Hilfsangebot hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf der Website "Wegweiser Demenz" zusammengestellt. Unter anderem kannst du dich auf der Website über gesetzliche Leistungen, Rechte, Hilfsangebote vor Ort und ehrenamtliche Angebote für Demenzkranke und Angehörige informieren.

Maßnahmen zur Demenz-Prävention

Überwiegend erkranken Menschen im höheren Alter an Demenz. Um einer Demenzerkrankung vorzubeugen, können verschiedene Risikofaktoren gemieden werden. Zum einen sollte auf das Rauchen verzichtet werden, Alkohol nur minimal bis gar nicht konsumiert werden, starkes Übergewicht im mittleren Lebensalter vermieden werden sowie Bluthochdruck, eine Zuckerkrankheit und Fettstoffwechselstörungen konsequent behandelt werden. Konkrete wissenschaftliche Studien, die belegen, dass das Demenzrisiko dadurch reduziert werden kann, gibt es bisher leider nicht. In der Medizin wird außerdem diskutiert, ob Medikamente mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure oder Ginkgo-biloba-Extrakt einer Demenz vorbeugen können. Auch hier gibt es bisher nur Vermutungen.

Eine innovative Präventionsmaßnahme wurde im Jahr 2012 von der Märchenland GmbH ins Leben gerufen. Im Zuge des Projekts "Es war einmal ... MÄRCHEN UND DEMENZ", schickt Märchenland Arbeitsmaterialien an eine Pflegeeinrichtung und bietet eine Multiplikatoren-Schulung für das Personal an. Dies bedeutet, dass das Pflegepersonal als Märchenerzähler*in ausgebildet wird. Während zunächst auf geschultes Fachpersonal regelmäßig in die Pflegeeinrichtung kommt und die Märchen erzählt, soll dies nach der Ausbildung das Personal selbst übernehmen. Spezielle Märchenboxen machen es möglich, das Märchen mit allen Sinnen zu erleben: Sie enthält ein zum jeweiligen Märchen passendes Memory-Spiel, eine Audio-CD, einen Spielfilm, ein Buch zum Vorlesen sowie Ausmalbilder. Die Maßnahmen haben dabei positive Effekte durch die Aktivierung des Langzeitgedächtnisses. Ziel ist einerseits die Stärkung kognitiver Fähigkeiten, andererseits die Verbesserung der psychischen Gesundheit, die Förderung des Wohlbefindens und der sozialen Interaktion, die Optimierung motorischer Kompetenzen, die Unterstützung der Gemeinschaftsbildung, das Vorbeugen von Depression und die Reduzierung von herausforderndem Verhalten.

Von 2012 bis 2015 hat Märchenland im Auftrag des Bundesministeriums für Familie eine Pilotstudie durchgeführt, um die Auswirkungen des professionellen Märchenerzählens zu erforschen. In der Zeit konnte festgestellt werden, dass sich die Maßnahme sowohl auf die Bewohnenden als auch das Personal der Pflegeeinrichtung positiv auswirkten. Die Märchenland-Maßnahme wird dabei vollumfänglich von den Kranken- und Pflegekassen des Bundeslandes übernommen. Deshalb ist jede Pflegeeinrichtung dazu berechtigt, sich für das Angebot anzumelden. Allgemein zeigt sich: Diejenigen, die im hohen Alter noch regelmäßig auf die Märchen aus ihrer Kindheit zurückgreifen, tun ihrer Gesundheit etwas Gutes. Die positiven Effekte der Märchenstunde können dazu beitragen, der Entstehung von Demenz vorzubeugen, da die kognitiven Fähigkeiten gezielt geschult und gesteigert werden.

Fazit

Demenz ist eine Erkrankung, die allein in Deutschland rund 20 von 1.000 Menschen betrifft. In der Prävention gibt es verschiedene Ansätze; so auch die seit 2012 erprobte Märchen-Präventionsmaßnahme. Während der ersten Erprobungsphase waren 25 Pflegeeinrichtungen in Thüringen beteiligt, nun nehmen unter anderem auch Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Berlin und Sachsen an der nationalen Demenz-Strategie teil. Wie sich das Konzept Märchenerzählen langfristig als Präventionsmaßnahme beweist und welche Erfolge erzielt werden können, ist noch nicht vorherzusehen; die Pilotstudie von Märchenland selbst zeigte jedoch bereits, dass sich regelmäßige Märchenstunden sowohl auf die Bewohner*innen der Pflegeeinrichtung, als auch das Personal positiv auswirken und aktiv als Demenz-Präventionsmaßnahme eingesetzt werden können.