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Das Hochstapler-Syndrom: Was ist es und wie schlimm ist es?

Den eigenen Erfolg nicht anerkennen können - das ist unter dem Begriff Hochstapler-Syndrom zu verstehen. Die Betroffenen führen das Gelingen auf äußere Umstände zurück.
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Niemals endende Selbstzweifel können bis zum Burn-out führen. Symbolfoto: fizkes/ Adobe Stock
Niemals endende Selbstzweifel können bis zum Burn-out führen. Symbolfoto: fizkes/ Adobe Stock

Das Hochstapler-Syndrom: Bei manchen Menschen sind Selbstzweifel ein ständiger Lebensbegleiter und das Hinterfragen der eigenen Leistungsfähigkeit wird zur Qual. Ellie Goulding ist eine von vielen Betroffenen. Dies machte sie in einem emotionalen Instagram Post öffentlich. Dabei ist sie eine erfolgreiche Sängerin - kann sich nur selbst als solche nicht sehen.

Ellie Goulding möchte, dass dieses Thema enttabuisiert wird und spricht aus diesem Grund offen darüber, wie Berliner Zeitung berichtete.

Was ist das Hochstapler-Syndrom?

Das Hochstapler-Syndrom oder auch Impostor-Syndrom genannt ist eigentlich gar kein Syndrom. Laut der Psychologieprofessorin Sonja Rohrmann, handele es sich dabei nicht um eine Störung oder Krankheit, sondern um ein Persönlichkeitsmerkmal.

1970 wurde das Impostor-Selbstkonzept, so bezeichnet es Rohrmann, erstmals bekannt. Wissenschaftler schrieben über Menschen, die eigentlich sehr erfolgreich sind, aber das Gefühl haben zu Unrecht eine bestimmte berufliche Position zu haben. Dabei leben die Betroffenen immer in der Angst, dass irgendwann ihr Umfeld merken könnte, dass sie gar nicht so viel leisten können, wie alle annehmen.

Ursachen für das Syndrom

"Es ist eine Wechselwirkung zwischen Anlage, also einer Persönlichkeitsstruktur, die eher ängstlich, emotional labil oder introvertiert ist, und bestimmten umweltbedingten Einflussfaktoren" , erklärt Rohrmann. Das macht die Ursachen für das Syndrom sehr vielseitig.

Bestimmte familiäre Strukturen können die Ausprägungen fördern. Davon geht die Wissenschaft derzeit aus. " Wenn in einer Familie ein sehr hoher Leistungsanspruch besteht und die Kinder das Gefühl haben, dass der Wert ihrer Person von ihrer Leistung abhängt."

Auch Rollenbilder innerhalb der Familie prägen das Syndrom. Wenn beispielsweise die Rolle des Intelligenten in der Familie bereits einem anderen Familienmitglied zugesprochen wurde und der Betroffene eher für charmant und hübsch gehalten wird, " so kann das Gefühl entstehen, die Rolle des eigenen Erfolgs nicht zu verdienen, weil die anderen ja eigentlich die Schlauen und Intelligenten sind", erklärt Professorin Rohrmann.

Folgen des Syndroms

Die Selbstzweifel können damit zusammenhängen, welche Position man im Leben meint erreichen zu müssen , erklärt die psychologische Beraterin Gunta Saul. "Es könnte zum Beispiel sein, man glaubt, man müsse auf jeden Fall der Beste sein, und es muss einem zusätzlich alles noch besonders leicht gelingen."

Das Syndrom kann davon abhängig zu depressiven Verstimmungen führen. Außerdem kann durch den ständigen Perfektionismus und den Drang, die scheinbare Fassade aufrecht erhalten zu müssen, ein Arbeitswahn bis zum Burnout ausgelöst werden.

Saul hat dabei allerdings beobachtet, dass die Menschen meist selbst nicht bemerken, dass sie betroffen sind.

Hilfe gegen den lästigen Selbstzweifel

Monika Klinkhammer rät, dass Betroffene sich klarmachen sollten, wie viele Menschen die eigene Leistung bereits honoriert haben und dass der Erfolg kein Zufall sein kann. Gespräche mit Vertrauten könne man nutzen, um sich einerseits Mut und andererseits ein ehrliches Feedback einzuholen. Dies könnte helfen " die Situation zu relativieren". Denn Monika Klinkhammer kennt sich aus: " Meist nimmt das Umfeld die Situation ganz anders wahr als man selbst."

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