Freiburg im Breisgau
Gesundheit

Darmkeime auf dem Vormarsch: Bakterien resistent gegenüber Desinfektionsmitteln

In Australien sind Darmbakterien auf dem Vormarsch, die wohl gegen Desinfektionsmittel resistent sind. Forscher untersuchen die Bakterien mit Tierversuchen. Ist der Keim bald ein Problem in deutschen Krankenhäusern?
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In Australien sind Darmbakterien auf dem Vormarsch, die wohl gegen Desinfektionsmittel resistent sind. Forscher untersuchen die Bakterien mit Tierversuchen. Ist der Keim bald ein Problem in deutschen Krankenhäusern? Symbolbild: pixabay.com/LandScapePhotographer
In Australien sind Darmbakterien auf dem Vormarsch, die wohl gegen Desinfektionsmittel resistent sind. Forscher untersuchen die Bakterien mit Tierversuchen. Ist der Keim bald ein Problem in deutschen Krankenhäusern? Symbolbild: pixabay.com/LandScapePhotographer
Ärzte und Mediziner desinfizieren ihre Hände regelmäßig mit Alkohol. So werden Bakterien abgetötet, die von Patient zu Patient wandern können. In Australien wurde nun jedoch ein Fall von Bakterien bekannt, gegen die gängige Desinfektionsmittel kaum etwas ausrichten können. Dabei handelt es sich um Darmkeime des Typs "Enterococcus". Die Bakterien wurden in zwei Kliniken im australischen Melbourne entdeckt. Wissenschaftler haben die Keime untersucht. Das Fachblatt "Science Translational Medicine" berichtete zuletzt darüber.

Insbesondere Varianten des Bakteriums, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind, sind problematisch. Patienten mit geschwächtem Immunsystem können den Keimen zum Opfer fallen. Dabei können sich Harnwegs- und Wundinfektionen sowie lebensgefährliche Blutvergiftungen entwickeln.


Händedesinfektion als wichtige Maßnahme

Die Wissenschaftler der Universität Melbourne fokussieren sich in ihrer Studie auf eine spezielle Variante des Darmbakteriums. Der Keim kommt auch in deutschen Krankenhäusern vor. Weltweit steigt der Anteil des Bakteriums rapide an. In verschiedenen Experimenten haben die Forscher deshalb die Verträglichkeit mit Alkohol untersucht. Bei ersten Untersuchungen zeigte sich bereits, dass die Bakterien wesentlich besser mit Alkoholen wie Ethanol zurecht kamen, als bei Untersuchungen aus dem Jahr 2010.

Zur genaueren Analyse des Darmkeims wurde ein zweites Experiment angesetzt: Dabei wurde der Boden von Mäusekäfigen mit diversen Enterococcus-facecium-Stämmen verunreinigt und anschließend mit Tüchern gereinigt, die zuvor in 70-prozentigem Alkohol getränkt wurden.


Mäuse wurden eine Stunde in den Käfig gesetzt. Eine Woche später wurde untersucht, ob der Keim im Darm der Tiere vorhanden war. Das Ergebnis: Beim Experiment konnte festgestellt werden, dass ein Stamm des Bakteriums, der zuvor als alkoholtolerant eingeschätzt wurde, die Mäuse deutlich besser besiedeln konnte. Zudem wurden Veränderungen im Erbgut festgestellt.


Schweizer Krankenhäuser im Kampf gegen Darmkeime

Gegenüber der dpa weist Martin Exner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, darauf hin, dass man das Problem sehr ernst nehmen müsse. Erst vor wenigen Monaten hatten mehrere Krankenhäuser in der Schweiz mit dem Bakterium zu kämpfen. Dabei habe es sich um den selben Typ wie in Australien gehandelt.

Die australischen Forscher wiesen daraufhin, dass ihre Forschungsergebnisse bisher lediglich für Krankenhäuser in Melbourne gelten. In wie fern das Bakterium in Europa angekommen ist, muss laut Exner in den kommenden Monaten untersucht werden: "Ohne wirksame Desinfektionsmittel werden wir keine Chance haben, antibiotikaresistente Keime in den Griff zu bekommen." tu/dpa


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