• Schmutziger Schnee kann gesundheitsgefährdend wirken
  • Auch scheinbar reiner, weißer Schnee kann Schadstoffe enthalten

"Iss niemals gelben Schnee": Diese Weisheit haben wir alle verinnerlicht. Auch Schnee, der schon deutlich verfärbt und schmutzig ist, sollte man nicht essen. Aber was ist eigentlich mit frisch gefallenem Schnee, der weiß glänzend und frisch erscheint? Gerade Kinder probieren oft aus, wie die kalten Flocken auf der Zunge schmelzen und Eltern fragen sich: Darf man Schnee eigentlich essen? 

Enthält Schnee Schadstoffe? 

Zunächst einmal: Schnee ist gefrorenes Wasser und besteht aus Eiskristallen. Letztlich ist Schnee also nichts anderes als Niederschlag. In Wasser, und somit auch in Schnee, können sich auf dem Weg zur Erde Schadstoffe anreichern. Dies ist dann nicht sichtbar und auch scheinbar frischer, unberührter Schnee kann bereits belastet sein, wie Studien zeigen. 

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Gerade Feinstaub ist eine Gefahrenquelle. Wie die Zeitschrift Ökotest im Februar 2021 schrieb, finden sich bei hohen Feinstaubwerten die Schmutzpartikel nicht nur in der Atemluft, sondern auch in frischem Schnee. Ökotest zitiert hier Wolfgang Straff vom Unweltbundesamt: "Regenwasser und Schnee sind keine Nahrungsmittel und nicht keimfrei: Eine Belastung ist zum Beispiel über den Luftpfad mit Verbrennungsprodukten, Stäuben oder mikrobiellen Aerosolen denkbar." Diese Aussage wird auch von einer 2016 veröffentlichten Studie kanadischer Wissenschaftler*innen gestützt, wonach sich Schnee sogar sehr schnell mit Feinstaub und anderen gefährlichen Substanzen anreichert. Bereits nach einer Stunde wurden hohe Belastungen mit Fremdstoffen in Schnee festgestellt, nachdem die Forschenden frischen Schnee mit Abgasen bedampft hatten. 

Das heißt, dass gerade in der Nähe von Straßen und generell in dichter bebauten und befahrenen Gebieten der Schnee belastet sein dürfte. Aber auch in abgelegeneren Gebieten ist der Schnee nicht pures Wasser und bedenkenlos genießbar. Wie Forschungen in den Alpen gezeigt haben, etwa im Rahmen des PureAlps-Projekts, sind auch die Schneemassen an der Zugspitze mit Schadstoffen wie Quecksilber, Flammschutzmittel, Dioxinen oder Organochlorpestiziden belastet. Selbst am höchsten Berg Deutschlands also ist man nicht sicher vor Umweltgiften im Schnee. „Bei Schnee binden sich Schadstoffe an den Kondensationskeim, kondensieren an den Schnee oder werden vom Schnee durch Kollision aus der Luft gewaschen. Liegt der Schnee längere Zeit, dann können zusätzlich Stäube auf der Schneeoberfläche abgelagert werden", erklärt eine Sprecherin des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) imInterview mit National Geographic. Die Werte im Schnee sind zwar deutlich unter den Grenzwerten, aber die Ergebnisse zeigen: Egal, wo der Schnee fällt – eine weiße Weste hat er nirgendwo. Die Forschenden aus Kanada raten aber in besonders abgasreichen Regionen davon ab, Schnee in den Mund zu stecken. 

Wie viel Schnee darf man essen?

Je länger Schnee liegt, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass er mit anderen Schmutzstoffen belastet ist. Er kann durch Kot und Urin von Tieren belastet sein - auch das ist nicht immer direkt sichtbar. Gerade für kleinere Kinder stellt Rollsplit eine Gefahrenquelle dar - hier droht Verschluckungsgefahr mit folgenden Verletzungen und Beschwerden. Besonders problematisch ist Streusalz. Es ist nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch für den Menschen: Bei diesen kann es zu Erbrechen und Durchfall führen, sollte es in größeren Mengen aufgenommen werden. 

Ein weiterer Grund, warum Schnee nicht einfach Trinkwasser in anderer Form ist: Im Gegensatz zu Trinkwasser enthält frischer Schnee weniger Mineralien und Elektrolyte und ähnelt damit eher destilliertem Wasser als dem Wasser aus der Leitung. Trinkt man dieses in größeren Mengen, entzieht man dem Körper die wichtigen Spurenelemente. Ein übermäßiger Verzehr von Schnee kühlt den Körper auch aus, was zwar nicht direkt gefährlich, aber auch nicht eben gesundheitsförderlich ist. Experte Wolfgang Straff vom Umweltbundesamt hält laut Ökotest eine "geringfügige Aufnahmemenge von Regenwasser aus Schnee für gesundheitlich in den meisten Fällen unbedenklich", ergänzt aber: "Schnee eignet sich in keinem Fall als Trinkwasserquelle."

Ist Schnee jetzt also gefährlich? Nein, hier kann man Entwarnung geben. Wie Stefanie Arndt  vom Alfred Wegener Institut am Helmholtz Zentrum für Polar- und Meeresforschung gegenüber National Geographic erklärt, ist Schnee essen "definitiv ok". Auch dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ist die "Aufnahme von kleinen Mengen in der Regel unproblematisch." Auf Wiesen ist jedoch darauf zu achten, dass die Schneeschicht dick genug ist, um nichts vom Untergrund mit aufzunehmen. Eltern sollten also nicht panisch ihren Kindern den Schnee aus der Hand schlagen, wenn diese etwas davon auf der Zunge zergehen lassen wollen oder probieren. Ein Ersatz für ausreichende Flüssigkeitszufuhr kann und sollte Schnee jedoch nicht sein. 

 

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