Während der Corona-Krise bringt das Robert-Koch-Institut (RKI) die Bürger immer wieder auf den neuesten Stand. Es schätzt die aktuelle Lage ein und spricht Empfehlungen für die Fachöffentlichkeit aus. Unter anderem auch eine "Empfehlung zum Umgang mit Covid-19-Verstorbenen". Bis vor kurzem hieß es darin: "Eine innere Leichenschau, Autopsien oder andere aerosolproduzierenden Maßnahmen sollten vermieden werden. Seien diese notwendig, sollten sie auf ein Minimum beschränkt werden."

Der Verzicht auf Obduktionen ließ einige Kritiker des RKIs aufhorchen. Für sie war es ein klares Indiz dafür, dass das RKI die wahre Todesursache bei Covid-19-Patienten verschleiern möchte.

Pathologen sprechen sich für eine Obduktion aus: Man will das Coronavirus besser verstehen

Zu der umstrittenen Aussage des RKIs über die innere Leichenschau sagt Prof. Dr. med. K.-F. Bürrig, der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Pathologen: "Diese Empfehlung richtet das Augenmerk auf die Vermeidung von infektionsgefährlichen Aerosolen bei der Leichenöffnung." Das sei ein wichtiger Aspekt, aber als Entscheidungsgrundlage zu schmal.

Eine Autopsie gäbe mehr Aufschluss über das neuartige Virus. Bürrig betont, dass sich durch Obduktionen bestenfalls weitere Therapiemöglichkeiten ableiten ließen. Sowohl der Bundesverband Deutscher Pathologen als auch die Deutsche Gesellschaft für Pathologie baten das RKI in einem Brief um eine Neubetrachtung und Änderung der Empfehlung.

Mittlerweile hat das RKI reagiert und die Empfehlung dementsprechend geändert. Eine RKI-Sprecherin sagte gegenüber tagesschau.de: "Aktuell gibt es noch zahlreiche offen Fragen zum Krankheitsgeschehen einer Covid-19-Infektion und was zum Tode führt. Daher sind Obduktionen zum Ziele des besseren Verständnisses des Krankheitsbildes und möglicher Therapieoptionen gezielt und unter adäquatem Schutz des Personals durchzuführen." Somit hat sich auch das RKI für das Obduzieren ausgesprochen, um neue Informationen zu Covid-19 zu sammeln. 

Gesundheitsämter können Obduktionen anordnen

Bei einer anatomisch-pathologischen Obduktion oder im Rahmen einer medizinischen Ausbildung bedarf es einer Einverständniserklärung der Angehörigen  oder einer dementsprechenden Verfügung des Verstorbenen. Doch auch ohne Einwilligung ist eine Leichenschau möglich, dann nämlich, wenn sie zum Infektionsschutz für erforderlich gehalten wird. Doch das sei  eine absolute Ausnahme und käme nur sehr selten vor, erklärte Wolfgang Eisenmenger, ehemaliger Vorstand des Instituts für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München gegenüber tagesschau.de.

Die durch Obduktionen neu gewonnen Informationen sollen im neuen Register der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen anonym abgespeichert werden. So können auch andere Pathologen von den Erkenntnissen profitieren. Auch hier müssen Angehörige des Covid-19-Verstorbenen aber ihre Einwilligung geben.