• Der Virologe Alexander Kekulé spricht über die aktuelle Corona-Situation und wie die Zukunft aussieht
  •  Mit der richtigen Impfstrategie und einer besonderen Maßnahme könnte man Covid-19 bereits im Griff haben
  • Dennoch ist Kekulé optimistisch und glaubt daran, dass die Inzidenzzahlen bald zurückgehen

In einem Interview mit n-tv spricht der bekannte Mediziner und Epidemiologe Alexander Kekulé über die aktuelle Corona-Situation in Deutschland. Dabei ging es unter anderem um die Impfstrategie der Bundesrepublik, die künftige Entwicklung der Sterblichkeit und welche Auswirkungen weitere Mutationen auf das Infektionsgeschehen haben werden. 

Kekulé über Corona: Inzidenz und Sterblichkeit hängen nicht mehr zusammen

Lockdown, Maskenpflicht und Ausgangssperre. Das private und öffentliche Leben in Deutschland ist derzeit stark eingeschränkt. Doch könnte schon bald laut Kekulé ein "Licht am Ende des Tunnels" zu sehen sein. Die Impfquote steigt weiter an, was einen starken Rückgang der Sterblichkeit mit sich bringt. Mit einher geht eine Entlastung der Intensivstationen. "Mit ein bisschen Disziplin und deutscher Gründlichkeit sind wir in der Lage, uns bis zum Sommer [...] irgendwie durchzuhangeln. Wir haben die Chance, bis zum September so weit geimpft zu sein, dass die Sterblichkeit ganz massiv zurückgeht und damit für uns diese Pandemie ihren Schrecken verloren hat", so der Epidemiologe.

Nach der langen Zeit im Lockdown sehnen sich die Menschen nach Normalität. Doch viele sind skeptisch und sehen noch keinen wirklichen Erfolg durch das Impfen kommen, da die Inzidenzzahlen nicht signifikant fallen. Dies sei allerdings zu erwarten gewesen.

Der Knackpunkt sei laut Kekulé, dass die Sterblichkeit abnimmt: "Bei der Sterblichkeit ist es so, dass wir jetzt schon einen gewissen Effekt sehen. Die Sterblichkeit beginnt sich zu entkoppeln von der Inzidenz. Das ist der eigentliche Gamechanger."

Kekulé über Impfen in Deutschland: Vorgehen in Großbritannien war sinnvoller

Auch wenn in den letzten Wochen der Impffortschritt deutlich zugenommen hat, ist Kekulé nicht ganz zufrieden mit der deutschen Impfstrategie. Mit der Impfung in den Heimen und den vulnerablen Gruppen sei der Grundstein gelegt worden, um der Sterblichkeit entgegenzuwirken, "das war das Wichtigste".  Allerdings  wäre nun eine Umstellung der Impfstrategie wie in Großbritannien sinnvoll: "Zunächst nur einmal impfen. Wie zu erwarten war, kommen die Impfstoffe langsamer, als man sich das wünschen würde. Das ist kein Vorwurf gegen die Hersteller, sondern der komplexen Produktion und Logistik geschuldet. Deshalb war es von Anfang an klar, dass wir nicht gleich aus dem Vollen schöpfen können, um alle gleich zweimal zu impfen." Dies sollte jedoch weiterhin von Alt nach Jung geschehen.

Doch warum ist die Vorgehensweise aus England so sinnvoll? Der Epidemiologe erklärt, man könne so dem Virus einen "Teil des Schreckens" nehmen. "Ich sage es mal so plakativ: Damit können wir das Sterben beenden. Und damit hat diese Krankheit plötzlich ein ganz anderes Gesicht." Grund dafür wäre wie bereits erklärt die Entkopplung von Inzidenz und Sterblichkeit.

Eines der stärksten Argumente gegen die englische Impfstrategie ist, dass ein unvollständiger Impfschutz durch eine Erstimpfung die Mutationsrate des Virus erhöhen könnte. Von dieser Annahme hält Kekulé wenig: "Es könnte ja sein, dass das Virus, wenn es vermehrt auf Menschen mit unvollständigem Impfschutz trifft, schneller mutiert. Das halte ich, kurz gesagt, für an den Haaren herbeigezogen. [...] Vor einer symptomatischen Covid-Erkrankung schützt die erste Impfung bereits zu 80 Prozent, gegen schwere Verläufe und Tod ist die Schutzwirkung noch höher. Das sollten wir nutzen."

Corona-Mutationen: Ansteckungsrisiko steigt, Sterblichkeit sinkt 

Doch wie sieht es allgemein mit der Mutationsentwicklung aus? Im Interview erklärt Kekulé, dass davon auszugehen ist, dass es hunderte Mutationen gibt. Die weitverbreiteten Varianten aus Großbritannien, Südafrika, Brasilien sowie Indien seien nur die Spitze eines riesigen Eisbergs. Dies sei allerdings kein schlechtes Zeichen. 

Mutationen würden dafür sorgen, dass das Coronavirus zwar ansteckender wird, gleichzeitig verliert es allerdings auch seine Tödlichkeit. Unser Immunsystem lernt dazu und nimmt den Mutationen ihre krankmachende Wirkung und wird harmloser. Zu Beginn der Pandemie sei das Coronavirus deshalb so gefährlich gewesen, da es aus dem Tierreich kam und auf eine "immunologisch naive Population" getroffen ist, erklärt Alexander Kekulé. Durch den Lerneffekt unseres körpereigenen Abwehrsystems wird, nach Meinung des Mediziners, Covid-19 irgendwann nur noch eine Infektionskrankheit unter vielen sein. 

Schon vor kurzem veröffentlichten Forscher ihre Theorie zur "Teilimmunität" und erklärten, warum das Coronavirus schon bald nur noch ein harmloser Schnupfen sein könnte.

Kekulé: "Mit dieser einen Regel hätten wir die Pandemie schon längst im Griff" 

Auch wenn die Pandemie noch nicht zu Ende ist und das Coronavirus vielleicht niemals verschwinden wird, stellt man sich schon jetzt die Frag: Was hätte man besser machen können? Eine einfache Antwort für Kekulé: "Go hard, go early". Das ist letztlich das Erfolgsrezept. Man muss früh handeln und man muss konsequent handeln." Dabei sei auch ein entsprechender Plan wichtig. Ein Katastrophenplan wie beispielsweise in einigen asiatischen Ländern, der Schritt für Schritt abgearbeitet wird. In Italien und anderen europäischen Ländern sei man jedoch davon ausgegangen, dass von Covid-19 keine große Gefahr ausginge. Unter den Versäumnissen von Anfang 2020 würde man heute noch leiden.

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Doch auch schon als die Pandemie in vollem Gange war, hätte man laut Kekulé besser handeln können. Schon mit kleinen Maßnahmen, die bedingungslos eingehalten werden müssen, hätten man die Pandemie in den Griff bekommen können. "Meine Regel für die Mitteleuropäer wäre: Wenn du im geschlossenen Raum mit Menschen zusammen bist, die nicht aus deiner Wohnung sind, ziehst du eine Maske an. Punkt. [...] Mit der Regel hätten wir die Pandemie schon längst im Griff. Nur mit dieser einen Regel. In besonderen Situationen, in denen man partout keine Maske tragen kann, können Schnelltests die Lücken schließen." Dieser Vorschlag sei bei vielen Fachkollegen und Politikern jedoch auf Widerstand gestoßen.

Corona-Pandemie: Wie geht es weiter?

Wie sieht die Zukunft aus? Der Mediziner findet klare Worte: "Corona kam, um zu bleiben". Es sei außerdem nicht auszuschließen, dass wir uns alle paar Jahre impfen lassen müssen, "um das Virus in Schach zu halten". Doch die unterschiedlichen Impfstoffe könnten bald durch eine "Universalimpfstoff" ersetzt werden, der gleichermaßen gegen alle Varianten von Sars-CoV-2 schützt.

Mit Impfstoffen der Generation 2.0, die gegen alle Varianten wirken, sei etwa ab September dieses Jahres zu rechnen.

aa

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