Was wird aus meinem Urlaub 2020? Bisher gilt die weltweite Reisewarnung der Bundesregierung bis Ende April. Wie es weitergeht, steht noch nicht fest. Eva-Maria Traupe ist Juristin und Verbraucherschützerin beim Verbraucherservice Bayern und erklärt, wann man stornieren sollte, wie man sein Geld zurückbekommt und warum die Reiseplanung derzeit einem Pokerspiel gleicht.

Mein Reiseveranstalter weigert sich, mir nach meiner Stornierung den Reisepreis zu erstatten und bietet mir einen Gutschein an. Muss ich das akzeptieren?

Nein. "Bisher sind die Unternehmen verpflichtet, das Geld zurückzuzahlen", erklärt Eva Traupe. Die Bundesregierung will die Gutschein-Lösung, die Entscheidung liegt aber in Brüssel. Besonders Airlines bieten häufig nur die Umbuchungen oder Gutscheinlösung an. Verbraucherschützer sprechen sich größtenteils gegen die Gutschein-Lösung aus. Vertreter der Reisewirtschaft hingegen forderten diese Regelung dringend, da eine sofortige Rückzahlungspflicht an die Kunden sehr viele Unternehmen in die Insolvenz getrieben hätte, wie Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), in einer Pressemitteilung zitiert wurde (siehe Artikel unten). Ich habe eine Anzahlung für meine geplante Pauschalreise geleistet. Nun ist bald die Restzahlung fällig. Soll ich trotzdem bezahlen? Ist nach geleisteter Anzahlung die Restzahlung für den Pauschalurlaub nun fällig, sollte man diese auch überweisen. "Ich rate dazu, sich vertragsgetreu zu verhalten, sonst können Mahngebühren fällig werden", sagt Traupe. Zwar sei es lästig, im Nachhinein das Geld zurückzufordern. Aber aus rechtlicher Sicht sei das der richtige Weg.

Ich habe eine Ferienwohnung gebucht. Kann ich diese derzeit kostenfrei stornieren?

"Hier gilt die typische Juristenantwort: Es kommt darauf an", sagt die Expertin. Denn wer eine Ferienwohnung oder ein Ferienhaus bei einem privaten Anbieter nach deutschem Recht bucht, schließt einen Beherbergungsvertrag ab, der nicht ohne besondere Gründe einfach gekündigt werden darf. "Wenn ich aber an den Zielort nicht komme, weil beispielsweise der Aufenthalt aus touristischen Gründen behördlich untersagt ist, dann bekomme ich mein Geld sehr wahrscheinlich zurück." Das gelte aber immer nur für die Zeit der behördlichen Einschränkungen. Bei Privatanbietern lohnt es sich, das Gespräch zu suchen und nachzufragen. "Wer bei größeren Anbietern oder über ein Portal gebucht hat, sollte sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen durchlesen", sagt Traupe. Ich habe eine Ferienwohnung im Ausland gebucht. Gelten hier die gleichen Bedingungen wie bei Buchungen im Inland? Nein, denn dort "gelten die Regeln des jeweiligen Landes", so die Verbraucherschützerin. Es lohnt sich der Blick in die AGB der Anbieter. "In den meisten EU-Länder gelten ähnliche Vertragsbedingungen wie in Deutschland."

Kann ich meinen Sommerurlaub kostenfrei stornieren?

Nein. Denn bisher gilt die Reisewarnung der Bundesregierung nur bis Ende April. "Für alle späteren Urlaube gelten die normalen vertraglichen Stornierungsbedingungen", erklärt Juristin Traupe. Meist handle es sich dabei um zeitlich gestaffelte Stornierungsoptionen. "Je länger ich mit der Stornierung warte, umso teurer wird es." Würden Reisewarnungen oder Einreisebeschränkungen noch im Juli und August gelten, könne man wohl kostenfrei stornieren. "Momentan muss man pokern", sagt die Verbraucherschützerin.

Werden wir in diesem Jahr noch verreisen können?

Das ist die große Frage, die sich derzeit noch nicht beantworten lässt. Die weltweite Reisewarnung der Bundesregierung gilt bisher bis Ende April. Ob das Auswärtige Amt diese Reisewarnung verlängert oder abschwächt, ist unklar. Viele Reiseanbieter haben aber bereits ihre Mai-Reisen abgesagt oder verlangen die Restzahlung für Urlaube im Mai nicht.

Nach dem Beschluss von Bund und Ländern vom 15. April sollen Übernachtungsangebote im Inland bis auf weiteres nicht für touristische Zwecke zur Verfügung gestellt werden. Am 30. April soll die Lage neu bewertet werden.

Solle man dann überhaupt eine Reise für 2020 buchen?

Nein, sagt Verbraucherschützerin Eva-Maria Traupe. "Ich persönlich würde nichts buchen, so lange noch so viele Unsicherheiten bestehen." Der ADAC empfiehlt denjenigen, die partout mit der Buchung einer Reise nicht warten möchten oder können, Urlaub im eigenen Land. "Das sei aktuell die wahrscheinlich sicherste Option, die Reise auch antreten zu können.