• Impfprozess im Stocken: Warum lassen sich nur noch so Wenige impfen?
  • Neue Umfrage von COSMO: Vier Gründe wichtig für Entscheidung 
  • Welche Maßnahmen werden nun angegangen, um den Impffortschritt voranzutreiben?

Es geht schleppend voran - diese Worte beschreiben wohl den Fortschritt der Impfquote in Deutschland am besten. Obwohl sich der Winter, in welchem sich Menschen tendenziell vermehrt in Innenräumen aufhalten, anbahnt, befindet sich die Anzahl der täglich verabreichten Impfdosen seit knapp Mitte Juni im Sturzflug, wie die Seite ourworldindata.org aufzeigt. Mit einer Impfquote von 62 Prozent vollständig Geimpften besteht für Deutschland noch viel Luft nach oben. Doch woran liegt es, dass die Impfbereitschaft so nachgelassen hat?

Umfrage unter 18- bis 74-Jährigen: Warum lassen sich Menschen nicht gegen Corona impfen?

Eine Umfrage unter 18- bis 74-Jährigen sollte dieser Frage nun nachgehen. Im Rahmen des Corona Snapshot Monitoring (COSMO), an welchem die Universität Erfurt, das Robert-Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) beteiligt sind, wurden bestimmte Gründe abgefragt, weshalb sich die Befragten nicht impfen lassen würden.

Ganz allgemein listet COSMO fünf mögliche Gründe auf, die auf einer Zustimmungsskala von 1 (keine Zustimmung) bis 7 (volle Zustimmung) beantwortet werden können:

  • Vertrauen: Wie stark ist das Vertrauen in die Sicherheit und Effizienz der Impfung?
  • Risikowahrnehmung: Wie gefährlich wird das Coronavirus wahrgenommen?
  • Barrieren in der Ausführung: Gibt es strukturelle Hürden wie Zeitdruck, Stress oder erhöhten Aufwand?
  • Berechnung (Kalkül): Was für eine Rolle spielt die Abwägung zwischen Risiken und Nutzen?
  • Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft: Wie hoch ist die Motivation, aufgrund der eigenen Impfung andere Menschen zu schützen?

Die Stichprobe selbst umfasst rund 951 Befragte, unter diesen sind mit 82 Prozent deutlich überdurchschnittlich viele geimpft. Generell befinden sich unter den ungeimpften Befragten rund 20 Prozent Impfwillige, 24 Prozent Impfzögernde und etwas mehr als die Hälfte verweigert die Impfung komplett. Die Impfbereitschaft der Menschen zwischen 18 und 59 Jahren fällt leicht größer aus als die der älteren Menschen. Unter Letzteren hat allerdings auch bereits ein größerer Anteil mindestens eine Impfung erhalten.

Welche Aspekte gelten als besonders entscheidend?

Von den obigen fünf Aspekten sind vier nach den Umfrageergebnissen für die Ungeimpften als besonders entscheidend, wie auch der Focus berichtet:

"Trittbrettfahren"

Viele der Ungeimpften verlassen sich auf den Schutz der Geimpften und sehen keine Notwendigkeit dafür, sich impfen zu lassen, sofern es genug andere Menschen gibt, die dies tun. Dieser Anteil macht laut Focus rund 75 Prozent aus.

Risiken-Nutzen-Kalkül

Die Abwägung zwischen potenziellen Risiken und dem resultierenden Nutzen einer Impfung wird von fast genauso vielen Menschen als Grund angegeben, weshalb sie sich nicht impfen lassen möchten.  Damit einher geht auch der dritte Punkt.

Sicherheitsbedenken

Die Sicherheit der Impfung und ihre tatsächliche Effizienz sind für viele Menschen noch nicht voll gewährleistet, daher zögern sie bei ihrer Impfentscheidung.

Alltagsstress

Zuletzt hält noch ein recht prinzipieller Faktor Menschen von der Impfung ab - die Zeit. Wer im Alltagsstress versinkt, findet nicht die Zeit oder Motivation dazu, sich impfen zu lassen. 

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Gerade für die letzte Gruppe könnte die vom Bund unter dem Hashtag #HierWirdGeimpft geplante Aktionswoche  interessant sein, die am Montag (13.09.) gestartet ist. Dabei soll besonders auf niedrigschwellige Impfangebote gesetzt werden, die unkompliziert und spontan wahrgenommen werden können. Auch Aufklärung wird einen weiteren wichtigen Teil der Impfkampagne darstellen. Die Professorin für Gesundheitskommunikation, Cornelia Betsch, sagt laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) bei einem Gespräch mit dem Science Media Center: "Die aufsuchende Arbeit ist sicherlich eine gute Idee. Sie muss aber kombiniert werden mit guter und aktiver Aufklärung."

Die Ungeimpften in der Befragung sind tendenziell eher jünger, weiblich, haben Kinder, eine eher niedrigere Bildung und sind eher arbeitslos. Zudem kennen sie oft niemanden, der bereits mit dem Coronavirus infiziert war. Außerdem betont Betsch dem RND zufolge, dass auch Menschen Aufklärungsangebote erhalten müssen, deren erste Sprache nicht Deutsch ist.

Nicht-Impfung als Zeichen politischer Unzufriedenheit

Ein letzter Grund, den rund 18 Prozent der ungeimpften Befragten mit niedriger Impfbereitschaft angaben, war das Setzen eines politischen Zeichens. Soll heißen:  sie nutzen die Möglichkeit der Impfverweigerung als Ausdruck der Unzufriedenheit mit der Regierung. Mehr als die Hälfte von ihnen möchte sich nicht impfen lassen, weil sie sich gedrängt fühlen.

Das Mittel des erhöhten Drucks, um die Impfquote anzuheben, sieht auch Dr. Felix Rebitschek, Gesundheitswissenschaftler an der Universität Potsdam, kritisch. "Wie will man in Zukunft motivieren, wenn man auf Druck setzt?", gibt Rebitschek laut RND zu Bedenken.  Stattdessen sollten Vereine, Verbände und Gewerkschaften mehr mit in die Kampagne einbezogen werden Diese könnten durch lokale Einladungen und Aufklärungsangebote viele Menschen vor Ort erreichen.

Für viele ist klar: Bis zum Herbst muss sich die Impfquote in Deutschland noch erhöhen, ansonsten könnten erneut hohe Infektionszahlen drohen. Auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat sich kürzlich zur Impfpflicht und einem potenziellen Lockdown im Herbst geäußert.

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