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Corona-Impfung

Trotz Impfung infektiös: Wie steht es um die Virusübertragung bei Geimpften?

Können Menschen, die eine Corona-Impfung erhalten haben, das Virus weiterhin übertragen? Diese Frage gewinnt in diesen Tagen zunehmend an Bedeutung. Genau wie die Frage, ob die neuartige Delta-Variante besonders für Geimpfte gefährlich werden kann.
 
  • Geimpfte Menschen können noch ansteckend sein
  • Ansteckungsgefahr niedriger als bei Ungeimpften
  • Höhe des Restrisikos noch unklar

Die Bundesregierung plant Lockerungen für Geimpfte an diesem Wochenende, Bayern führt sie bereits am Donnerstag (6. Mai 2021) ein. Zudem steigt die Zahl der vor Corona geimpften Menschen in Deutschland jeden Tag an. Die Frage, wie hoch die Infektionsgefahr nach einer Covid-19-Impfung noch ist, stellt sich also mehr denn je. Die Antwort der Wissenschaft lautet: Geimpfte können das Coronavirus wohl auch weiterhin übertragen, sind aber weniger ansteckend als Ungeimpfte.

"Keinerlei Infektionsgefahr" durch Geimpfte? Aussage so nicht richtig

"Von Menschen, die zweifach geimpft sind, geht keinerlei Infektionsgefahr mehr aus." MDR Wissen ist dieser Behauptung auf den Grund gegangen und hat dafür das Paul-Ehrlich-Institut befragt. Das Ergebnis: Die Aussage ist falsch.

"Richtig ist, dass nach bisher vorliegenden Daten, sowohl aus Tierversuchen als auch insbesondere aus Israel, die Viruslast (und damit die Gefahr der Weitergabe von Viren) bei (vollständig) Geimpften zwar geringer ist als bei Ungeimpften. Da aber die Impfung nicht die Infektion verhindert, sondern insbesondere die Erkrankung, ist es möglich, dass vollständig Geimpfte sich infizieren (was durch einen Test nachgewiesen werden könnte), keine Symptome ausbilden und dann möglicherweise das Virus auch weitergeben würden", wird das Institut vom MDR zitiert. 

Demnach soll eine Impfung vor allem schwere Verläufe verhindern. Dass Menschen trotz Impfung erkranken oder die neuartigen Coronaviren weitergeben, sei aber noch möglich, so Carlos Alberto Guzmán, der Leiter der Abteilung "Vakzinologie und angewandte Mikrobiologie" am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, zum MDR:  "Wir können davon ausgehen, dass wir zu einem bestimmten Grad gegen eine Sars-CoV2-Infektion geschützt sind. Das bedeutet, die Virusmenge, die wir abgeben und auch die Zeit, in der wir möglicherweise Viren verbreiten, werden reduziert sein, aber nicht komplett blockiert."

Höhe des Restrisikos für eine Übertragung unklar 

Es bestehe also ein sogenanntes "Restrisiko". Wie hoch dieses ist, sei schwer zu sagen. Aktuell fehlten noch Daten und es komme auf viele Faktoren an, so Guzmán weiter. Zum Beispiel mit welchem Mittel geimpft wurde und wie wirksam dieses Mittel gegen welche Virus-Variante war. In welchem Maß die Impfung darüber hinaus die Übertragung des Virus weiter reduziert, kann derzeit nicht genau quantifiziert werden, so das Robert-Koch-Institut (RKI).

Da mit der Impfung gegen SARS-CoV-2 keine "sterile Immunität" erreicht werde, bestehe theoretisch die Möglichkeit, dass Geimpfte andere mit dem Virus infizieren, stellt auch der Deutschlandfunk fest.  In der Praxis geschehe das aber eher selten, was erste Daten zum breiten Einsatz der Impfstoffe aus Israel, aus Großbritannien und den USA zeigten. Alle deuteten in eine Richtung: Wo viel geimpft wurde, verlangsamt sich auch die Ausbreitung des Virus. Auch das RKI schließt sich dieser Meinung an.

In Israel seien Menschen untersucht worden, die trotz einer Impfung positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden. Ihre Virenbelastung habe nur bei einem Viertel des Durchschnittswertes gelegen, so der Deutschlandfunk auf seiner Webseite. Eine noch nicht abschließend begutachtete Studie mit fast 400.000 Haushalten in Großbritannien habe gezeigt, dass trotz Impfung Infizierte das Virus nur halb so häufig an andere Personen im Haushalt weitergaben. Eine Untersuchung aus den USA habe ergeben, dass es in der Gruppe der Geimpften 90 Prozent weniger Infektionen gab. Hier wurden fast 4000 Pflegekräfte und andere Menschen aus früh geimpften Gruppen über 13 Wochen begleitet, jede Woche getestet und mit nicht geimpften Personen verglichen.

Geimpfte und die Delta-Variante? Das sagt das Robert-Koch-Institut

Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich momentan besorgniserregend schnell aus und trifft scheinbar nicht nur den ungeimpften Teil der Bevölkerung. Dazu kann von den Experten noch nichts abschließend gesagt werden, dennoch geht das RKI davon aus, dass das Risiko einer Virusübertragung der Delta-Variante bei Geimpften höher ist, als die Übertragung der anderen Varianten.

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Und wie sieht es bei Genesenen aus? Anfang des Jahres hatte eine Studie aus Großbritannien, die sich mit der Immunisierung durch überstandene Covid-19-Infektionen auseinandergesetzt hat, Besorgnis ausgelöst.  Die Forschung ging bisher davon aus, dass eine überstandene Covid-19-Infektion zeitweise immun gegen das Virus macht. Damals gab es in Deutschland zwar schon den ersten Todesfall nach einer zweiten Infektion, dennoch ist davon auszugehen, dass genesene Patienten eine gewisse Immunität gegen Sars-CoV-2 aufweisen.

Diese Annahme unterstützt auch die britische Gesundheitsbehörde Publich Health England (PHE). Demnach gibt es Menschen, die nach einer Infektion mit Corona zwar immun sind, aber dennoch eine Gefahr für ihre Mitmenschen darstellen können. Eine neue Studie der Behörde zeigt, dass Corona-Genesene bis zu fünf Monate immun gegen Sars-CoV-2 sein können. Dies würde allerdings nicht bedeuten, dass sie das Virus nicht mehr in sich tragen. Deshalb könne es durchaus sein, dass Menschen nach einer überstandenen Corona-Infektion zwar keine Symptome mehr zeigen, aber immer noch infektiös sein können. Als Grundlage der Studie wurden die Daten von mehr als 20.000 Personen aus dem britischen Gesundheitssystem genutzt.

Corona-Impfung: Wem hilft sie wirklich?

Eine weitere Studie aus England untersuchte, ob trotz Impfung Personen weiterhin für ihre Mitmenschen ansteckend sein könnten. Bei dem Impfstoff der Studie handelte es sich um den Impfstoff der Firma AstraZeneca. Laut dem Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie Carsten Watzl werden in England Personen aus dem Gesundheitswesen auch ohne Symptome regelmäßig auf das Coronavirus getestet.

Teilweise seien bei geimpften Personen ein positiver PCR-Test nachgewiesen worden, ohne das diese an Corona erkrankten. Auch bei Tierversuchen war ersichtlich, dass durch den Impfschutz kein Fremdenschutz erlangt werden könne. Fraglich bleibt weiterhin, ob ein Geimpfter das Coronavirus in der gleichen Weise weitergebe wie ein Nicht-Geimpfter - oder doch in geringerem Maße, so Watzl.

Bei den in Deutschland zugelassen Impfstoffen der Firmen Biontech und Moderna sehe es mit Blick auf den Fremdenschutz besser aus. Bei einem Tierversuch mit Affen konnte den Lebewesen, die geimpft und danach absichtlich infiziert wurden, einen Tag später der Virus nicht mehr nachgewiesen werden. Ob diese Ergebnisse auch auf den Menschen übertragbar sind, sei jedoch noch offen, sagt der Immunologe Watzl. Sobald eine Herdenimmunität gegen Corona erreicht würde, sei die Frage nach dem Fremdenschutz durch den Impfstoff jedoch hinfällig. Egal sei es dann, ob Geimpfte das Virus übertragen, wenn auch ihr Gegenüber geimpft ist.

Covid-19-Forscher mit Appell an die Bevölkerung

Die Wissenschaftler der PHE  appellieren weiterhin an alle Corona-Genesenen und warnen davor, auf vorgegebenen Maßnahmen zu verzichten: "Selbst wenn Sie glauben, Sie hatten die Krankheit bereits und sind geschützt, besteht doch das Risiko, dass Sie sich infizieren und (das Virus) auf andere übertragen können", heißt es in der Studie.

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Deshalb sollte nach wie vor auf genügend Abstand (mindestens 1,5 Meter), das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und die Kontaktbeschränkungen geachtet werden. Mehr denn je sei es wichtig, dass wir alle zu Hause bleiben, schreiben die Studienforscher.

aa/sl/mit Material von dpa

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