Eigentlich sollten die bisherigen Lockdown-Maßnahmen besser greifen und den Anstieg an Neuinfektionen eindämmen - doch das taten sie nicht. "Wir haben in der Tat viel zu viele Neuinfektionen", so der Virologe Professor Dr. Hendrik Streeck im Interview mit dem Merkur. Wo sich allerdings die Menschen überall anstecken, sei nicht ganz klar: "Wir tappen hier im Dunkeln", so Streeck weiter. 

Kritiker behaupten, die Schließung der Gastronomie sei im Zuge der Maßnahmen nicht richtig gewesen - dort hätten sich durch gute Hygienekonzepte nur wenige Menschen angesteckt. Die meisten Neuinfektionen wären durch Treffen im Privaten entstanden. "In diesem Argument steckt schon ein Körnchen Wahrheit.

Treffen im Privaten sorgt für Neuinfektionen: Hätte die Gastronomie also offen bleiben können?

Es ist wahrscheinlich ebenso sicher, sich mit Masken draußen zu treffen – beispielsweise auf einem Weihnachtsmarkt mit Hygienekonzept – als drinnen in Privatwohnungen ohne Masken und ohne ein Hygienekonzept. Wir haben es einfach versäumt zu untersuchen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung ist, wenn Hygienekonzepte eingehalten werden. Dazu liegen nicht genügend Daten vor", so Streeck gegenüber dem Merkur

Der Virologe ist der Meinung, dass die Infektionszahlen nach unten gehen, wenn die Risikogruppen besser geschützt werden, dazu zählen insbesondere Alten- und Pflegeheime. Denn genau dort werden aktuell die meisten Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus gemeldet. Der bisherige Schutz reiche nicht aus, erklärt Streeck. Sein Vorschlag:

"Wir dürfen sie nicht isolieren, müssen allerdings durch häufiges Testen auch von Pflegekräften und Besuchern sowie durch konsequentes Tragen von FFP2-Schutzmasken besser schützen. Ebenso könnte man Schleusen vor den Altersheimen aufbauen, und mithilfe von Schnelltests dafür sorgen, dass praktisch niemand mit dem Virus in das Gebäude hineingehen kann."

Harter Lockdown sei der richtige Weg: Besser wäre er im Sommer gewesen

Auf die Frage, wie er den seit Mittwoch (16. Dezember 2020) durchgesetzten harten Lockdown betrachte, erklärt er, dass er ihn für den richtigen Weg halte. Allerdings gebe es nicht "den einen richtigen Weg". Ginge man nach Streeck, wäre ein harter Lockdown im Sommer gut gewesen. Genau dann, wenn die Infektionszahlen am niedrigsten sind, hätte man die Pandemie durch einen entscheidenden Lockdown auf ein Minimum reduzieren können. 

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"Gewiss wäre dies schwer vermittelbar, aber man hätte gut erklären können, warum diese Strategie sinnvoll ist. Diese Debatte hatten wir aber gar nicht", ergänzt er diesbezüglich. Das Bundesland Bayern ist während der kompletten Pandemie immer einen deutlich härteren Weg gegangen, als andere Bundesländer. Ministerpräsident Markus Söder appellierte eindringlich an die Bevölkerung - auch dazu hat Streeck eine Meinung: 

"Aber was hat das gebracht? Im Ergebnis sind die Zahlen in Bayern auch nicht besser als in anderen Bundesländern." Doch als "falsch" betrachte er Söders Strategie nicht. Die meisten Menschen würden sich vorbildlich verhalten. Doch genau hier stelle sich die Frage: Warum gibt es dann so viele Neuinfektionen in Bayern? Darauf hat auch Hendrik Streeck keine Antwort. 

Appell, Kontakte an Weihnachten zu vermeiden

Er appelliert daran, an Weihnachten die Kontakte zu reduzieren. Das Virus mache keine Pause. Er selbst werde das tun - und die Feiertage mit seinem Ehemann, seinen Eltern und dem Hund verbringen. 

Einen Hoffnungsschimmer gibt es: Streeck sieht Potenzial zur Bekämpfung des Virus in den Frühlings- und Sommermonaten. Durch die warmen Temperaturen hat es das Virus schwieriger sich zu verbreiten. "Ich denke, ein Sommerurlaub wird möglich sein. Ob es im Frühjahr schon geht, ist schwer vorherzusagen", so Streeck. 

Ein weiterer Faktor ist die Corona-Impfung. Er selbst werde sich impfen lassen, sobald er an der Reihe ist. Der Starttermin für die Corona-Impfungen in Deutschland stehe wohl auch schon fest.

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