• Russischer Corona-Impfstoff "Sputnik V" soll in Deutschland produziert werden
  • Wirkstoff galt bisher als umstritten
  • Neue Studien versprechen hohen Covid-19-Schutz
  • Merkel: "Impfstoff ist herzlich willkommen"

Der russische Impfstoff Sputnik V galt bisher aufgrund der dünnen Studienlage als umstritten. Seit etwa einem halben Jahr wird der Impfstoff in Russland eingesetzt. Wie die tagesschau berichtet, sei die damalige Freigabe nach Kriterien erfolgt, welche in der EU nicht üblich seien. Doch schon bald könnte das Vakzin europaweit zugelassen werden. Außerdem soll eine deutsche Produktionsstätte für Sputnik V in Planung sein.

Sputnik V vor Zulassung in Europa? Merkel heißt Impfstoff "herzlich willkommen"

Die deutsche Impfstrategie gestaltet sich chaotischer als gedacht. Zu geringe Bestellungen der Corona-Impfstoffe zögern den Impfplan immer weiter hinaus, sodass die Durchimpfung nur schleppend zunehmen kann. Neben dem Impfmittel von Biontech/Pfizer wurden auch die Wirkstoffe von Moderna und AstraZeneca zugelassen. Mit der Zulassung von Sputnik V könnte nun ein vierter Impfstoff dazukommen und den Impfprozess in Deutschland wieder beschleunigen.

Nachdem nun genauere Daten zur laufenden Phase-III-Studie des Impfstoffs im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht wurden, hatte Russland nach eigenen Angaben schon vor zwei Wochen einen Zulassungsantrag an die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) gestellt. "Ich wäre sehr glücklich, wenn wir über diesen Impfstoff die Möglichkeit hätten, unser Impfstoff-Portfolio zu erweitern", so Thomas Mertens, Chef der Ständigen Impfkommission.

Auch Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schreibt auf Twitter, dass eine Zulassung sofort geprüft werden sollte:

Wie Business Insider berichtet, äußerte sich auch Kanzlerin Angela Merkel  zu dem russischen Covid-19-Impfstoff. In einer Ausgabe der ARD-Sendung "Farbe bekennen" vom Dienstag (2. Februar 2021) sagte die Kanzlerin, dass jeder Impfstoff, der eine Zulassung bei der Europäischen Medizinagentur erhalte, auch "herzlich willkommen" sei.

Sputnik V-Produktion in Deutschland: Russland bittet um Hilfe

Die Zulassung eines weiteren Impfstoffs in Europa könnte den derzeitigen Impfplan in Deutschland wieder ins Rollen bringen. Um eine Produktion von Sputnik V zu sichern, sind allerdings weitere Produktionsstätten nötig. Wie welt.de berichtet, sei Russland auch auf Deutschland zugegangen und hätte um Hilfe bei der Herstellung des Impfstoffs gebeten. Demzufolge sei schon im Januar eine Anfrage aus Moskau an das in Sachsen-Anhalt sitzende Pharmaunternehmen IDT Biologika eingegangen.

IDT Biologika gehört weltweit zu den größten Unternehmen im Bereich der Biotechnologie. Alleine im letzten Jahr habe Deutschland 114 Millionen Euro in die Firma investiert, berichtet Business Insider. Seit Januar produziere das Unternehmen auch einen Teil des AstraZeneca Impfstoffs. Die Produktion von Sputnik V sei allerdings nicht ohne weiteres möglich. Aufgrund des komplexen Herstellungsprozesses könne die Fertigung des Impfstoffs frühestens in vier bis fünf Monaten beginnen, teilte IDT Biologika Geschäftsführer Jürgen Betzing gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung mit.

Russischer Impfstoff: Wie wirksam ist Sputnik V und gibt es Nebenwirkungen?

Sputnik V wurde im Gamaleja-Institut in Moskau entwickelt. Bisher war die Wirkungsweise aufgrund zu geringer Faktenlage als unsicher eingestuft worden. Russland hatte im August 2020 als erstes Land weltweit einen Impfstoff gegen Covid-19 zugelassen. Zum damaligen Zeitpunkt wurden die Daten der Zulassungsstudie nicht veröffentlicht, wodurch eine unabhängige Überprüfung  des Vakzins nicht möglich war. Nun wurden erste Zwischenergebnisse aus der derzeitigen Phase-III-Studie des Impfstoffs vorgelegt. Laut dem Fachmagazin The Lancet biete Sputnik V  nach der Impfung der zweiten Dosis einen Corona-Schutz von etwa 91,6 Prozent. Damit wäre die russische Variante wirksamer als der britisch-schwedische Impfstoff AstraZeneca. 

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Sputnik V zählt ebenso wie AstraZeneca zu den Vektorimpfstoffen und ist somit bei kühlen Temperaturen zwischen zwei und acht Grad lagerbar. Sputnik V wäre somit ein Wirkstoff, der einen hohen Schutz vor Covid-19 bietet und gleichzeitig eine unkomplizierte Lagerung zulässt. mRNA-Impfstoffe wie die von Biontech/Pfizer oder Moderna müsse derzeit noch bei minus 70 Grad gelagert werden. 

Größere Nebenwirkungen konnten während der Phase-III-Studie bisher nicht festgestellt werden. Folgende Nebenwirkungen seien am häufigsten im Zusammenhang mit einer Impfung von Sputnik V aufgetreten:

  • milde grippeähnliche Symptome
  • Abgeschlagenheit
  • Schmerzen an der Einstichstelle

Schwere Nebenwirkungen seien nicht festgestellt worden.

Russische Impfstoff-Euphorie: Eine Frage bleibt jedoch offen

"Um der weltweiten Notlage zu begegnen, kann unser Impfstoff das Angebot an Vakzinen erweitern", schreiben die russischen Studienautoren. 

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Dennoch bleibt eine Frage weiter offen im Raum stehen:  "Die Ergebnisse sind interessant, aber vor allem die Zahlen in der Vergleichs-Gruppe sind recht gering, sodass man über die Infektionsfrequenz noch keine ganz sichere Aussage machen kann", sagt Ulrike Protzer, Chefin der Virologie an der TU München, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Die Studien der mRNA-Impfstoffe sei größer gewesen und ließe somit mehr Rückschlüsse auf die Effizienz zu. Die bisherigen Ergebnisse seien zwar ermutigend, aber dennoch mit Vorsicht zu genießen.

aa

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