• Corona-Impfung: Steigende Inzidenz, weniger Impfbereitschaft
  • Trotzdem: Politiker wollen im Herbst und Winter zurück zur "Normalität"
  • Pfizer-Chef Albert Bourla hält das für keine gute Idee - aus bestimmten Gründen
  • Müssen wir mit den Corona-Impfungen bald von vorne anfangen?

Trotz steigender Corona-Inzidenz scheinen Medizin und Politik zuversichtlich, dass wir den Herbst und Winter weitestgehend "normal" durchstehen können. Schließlich sind viele Menschen inzwischen gegen das Virus geimpft. Der Chef des Pharma-Unternehmens Pfizer, Albert Bourla, ist da anderer Ansicht. "Jedes Mal, wenn eine neue Variante in der Welt auftaucht, bekommen unsere Forschenden sie in die Finger. Sie erforschen, ob diese Variante dem Schutz unseres Impfstoffs entgehen kann", sagte Bourla im Gespräch mit dem amerikanischen Fernsehsender Fox News. Bisher sei zwar keine entdeckt worden, "aber wir halten es für wahrscheinlich, dass eines Tages eine dieser Varianten auftauchen wird."

Pfizer-Chef hält impfstoffresistente Corona-Variante für "wahrscheinlich"

Pfizer hat gemeinsam mit dem deutschen Unternehmen Biontech den ersten zugelassenen Corona-Impfstoff entwickelt. Dieser wurde in Deutschland laut Robert-Koch-Institut mit mehr als 37 Millionen Dosen bisher am häufigsten verabreicht. Sollte eine neue Variante auftauchen, vor der die Corona-Impfstoffe nicht mehr ausreichend schützen, müsste die ganze Welt im Prinzip wieder von vorne mit dem Impfen anfangen. Immerhin würde die Entwicklung eines neuen Impfstoffes voraussichtlich schneller gehen.

Laut Bourla könne Pfizer in drei Monaten einen neuen Impfstoff gegen eine spezifische Variante entwickeln. "Wir haben einen Prozess entwickelt, der es uns möglich macht, innerhalb von 95 Tagen nach der Identifizierung einer besorgniserregenden Variante einen maßgeschneiderten Impfstoff gegen diese Variante herzustellen", so Bourla. In den USA sorgte in den vergangenen Wochen eine neue Untervariante der Delta-Mutation für steigende Corona-Zahlen. "AY.3" könnte nach der Einschätzung erster Forschender eine besorgniserregende Variante sein. Es gebe erste Anzeichen, dass sie das Immunsystem leichter umgehen kann - ob auch die Wirksamkeit der Corona-Impfung davon betroffen ist, ist derzeit noch unklar.

Auch der Biontech-Chef Ugur Sahin hatte angekündigt, dass man sich auf die Anpassung des Impfstoffes für neue Mutationen vorbereite. Ein sogenannter "Prototyp-Ansatz" solle diesen Prozess beschleunigen. Neben der Zeit, die für die Entwicklung des Vakzins notwendig ist, spielt jedoch auch die Bewertung und Zulassung bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) eine Rolle, wie Sahin betonte.

Studien zeigen: Corona-Impfung kann Mutationsrate verringern

Doch wie kommt es eigentlich, dass Sars-CoV-2 nun doch so häufig mutiert ist, obwohl es zu Beginn noch als stabil galt? Eine Studie von Forschenden des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) sowie dem Applied Biomedical Institut in San Diego hat gezeigt, dass der Sommer 2020 wohl ein entscheidender Wendepunkt dafür war. Die Ergebnisse der Wissenschaftler*innen wurde im Fachmagazin "Plos One" veröffentlicht.

Das deutsch-amerikanische Team hat über mehrere Monate mehr als 62.000 Proben des Coronavirus aus 42 der US-Bundesstaaten analysiert. Die Veränderungen - oder Mutationen - im Erbgut von Sars-CoV-2 häuften sich den Daten nach im Sommer 2020 plötzlich besonders stark. "Wir vermuten, dass eine Abfolge von sogenannten "superspreader events" diese Häufungen verursacht hat. Dadurch können sich auch seltene Mutationen, die zunächst nur bei weniger als einem Prozent aller Infizierten auftreten, plötzlich stark verbreiten", erklärte Nina Papavasiliou vom DKFZ.

Grundsätzlich gilt also: Je mehr Infektionen auftreten, desto eher setzen sich auch neue Mutationen durch, die möglicherweise gefährlicher sind. Daher ist es wichtig, gegen die ungleiche Verteilung von Impfstoffen auf der Welt vorzugehen und die globale Impfquote zu steigern, wie die WHO am Montag (23.08.2021) mitteilte. Vorläufige Studienergebnisse der University of Maryland unterstützen dies ebenfalls. Die Forschenden hatten bei der Auswertung von Daten aus 20 Ländern herausgefunden, dass in Ländern mit hoher Impfquote die Mutationsrate deutlich geringer ist.