Die Omikron-Variante des Coronavirus verbreitet sich rasant und Risikokontakte im Alltag lassen sich kaum noch vermeiden - geschweige denn nachverfolgen. Wer Kontakt zu einer infizierten Person hatte, greift oft auf Schnelltests zurück - doch ein negatives Ergebnis ist nicht gleich ein Freifahrtschein. Denn zwischen einer Corona-Infektion und dem tatsächlichen Ausbruch der Krankheit vergehen einige Tage. Wie lang ist die sogenannte Inkubationszeit bei der Omikron-Variante?

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) dauert es nach einer Corona-Infektion im Mittel fünf bis sechs Tage, bis sich Symptome zeigen. Bereits bei der Alpha- und Delta-Variante habe sich die Inkubationszeit verkürzt, je nach Variante kann man nun also von vier bis sechs Tagen ausgehen, heißt es von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Wie auch bei anderen Eigenschaften der Omikron-Variante gibt es bei der Inkubationszeit aber eine Besonderheit: Sie soll noch kürzer sein als bei den bisherigen Varianten.

Omikron-Infektion: Wie kurz ist die Inkubationszeit der Corona-Variante?

Konkrete wissenschaftliche Erkenntnisse gibt es zur verkürzten Inkubationszeit der Omikron-Variante bislang noch nicht. Erste Studien haben jedoch Hinweise darauf gegeben, wie das RKI betont. In Norwegen wurde beispielsweise ein "Superspreader-Ereignis" untersucht. Auf der Weihnachtsfeier einer Firma in Oslo Ende 2021 hatten sich rund drei Viertel der Gäste mit Omikron angesteckt. Einer der Anwesenden war zuvor aus Südafrika zurückgekehrt, eines der ersten Länder, in denen die damals neuartige Variante entdeckt wurde.

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Wissenschaftler*innen nahmen die Fälle genauer unter die Lupe, die Ergebnisse wurden im Fachjournal "Eurosurveillance" veröffentlicht. Unter der Annahme, dass sich die Betroffenen auf der Party infiziert hatten, lag die Inkubationszeit bei den Fällen mit Krankheitssymptomen am häufigsten bei drei Tagen. "Das ist kurz im Vergleich zu früheren Berichten für Delta und andere Varianten", heißt es im Bericht der Forschenden.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch die Untersuchung eines kleineren Ausbruchs in den USA, der auf einem Fachportal der Gesundheitsbehörde CDC veröffentlicht wurde. Alle Mitglieder eines Haushalts in Nebraska hatten sich mit Covid-19 angesteckt. Eines der Mitglieder hatte kurz vorher an einer internationalen Konferenz in Nigeria teilgenommen, weshalb die Behörden eine Omikron-Infektion vermuteten - und bei allen sechs Betroffenen nachweisen konnten. Die mittlere Inkubationszeit lag laut Forschenden bei 73 Stunden, also etwa drei Tagen.

Verkürzte Inkubationszeit hat enorme Folgen für die Corona-Lage

Deutsche Fachleute gehen trotz dünner Studienlage ebenfalls von einer kürzeren Inkubationszeit aus. Virologin Sandra Ciesek sagte im Podcast "Coronavirus-Update" von NDR Info, der Bericht aus Norwegen und auch jetzige Fälle und Folgefälle würde zeigen, "dass die Inkubationszeit bei Omikron schon etwas kürzer sein könnte". Der Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, Jörg Timm, äußerte sich auf einer Videokonferenz des Science Media Centers (SMC) ähnlich. Erste Zahlen deuten darauf hin, dass die Inkubationszeit bei Omikron kürzer sein könnte als bei anderen Corona-Varianten, so Timm laut Deutscher Presse-Agentur.

Hendrik Streeck, ebenfalls Virologe, hatte Ende 2021 in einem Interview mit RTL die kürzere Inkubationszeit zudem mit einem starken Anstieg der Infektionen in Verbindung gebracht: "Was wir hier sehen ist, dass die Inkubationszeit bei Omikron verkürzt ist. Dadurch müssen wir einen explosionsartigen Anstieg der Fälle erwarten." In den folgenden Wochen erreichten die Infektionszahlen tatsächlich immer wieder neue Rekordwerte.

Andere Forschende sehen die Entwicklung der Omikron-Variante jedoch positiv. Der Virologe Klaus Stöhr bezeichnete sowohl die Inkubationszeit als auch, dass sich das Virus möglicherweise nicht mehr so tief in der Lunge vermehre, als "Zeichen der Anpassung an den Menschen". "Wenn man sich anschaut, wie sich die Viren in den letzten Monaten entwickelt haben, ist es ein deutlicher Schritt Richtung Ende der Pandemie", so Stöhr Anfang des Jahres bei Phoenix.

Du hattest Kontakt zu Corona-Infizierten: Das ist jetzt zu tun

Allerdings ist wichtig: Die Inkubationszeit ist nicht gleichzustellen mit der Zeit, in der man ansteckend ist. "Als sicher gilt, dass die Ansteckungsfähigkeit in der Zeit kurz vor und nach Symptombeginn am größten ist und dass ein erheblicher Teil von Übertragungen bereits vor dem Auftreten erster klinischer Symptome erfolgt", erklärt das RKI. Wie auch die Inkubationszeit kann dieser Zeitraum von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Zwar geht man nach aktuellem Kenntnisstand davon aus, dass nach zehn Tagen die Ansteckungsfähigkeit deutlich abnimmt, allgemeingültig ist die Annahme aber nicht. So können schwer erkrankte Personen oder Menschen mit Immunschwäche teils wesentlich länger infektiöse Viren ausscheiden.

Nach dem Kontakt mit einer infizierten Person ist es daher sinnvoll:

  • sich vorerst zu isolieren 
  • Kontakte einschränken, um nicht noch weitere Menschen anzustecken - auch wenn keine Symptome auftreten
  • bei Symptomen oder positivem Selbsttest: weiter in Isolation bleiben und den Hausarzt kontaktieren

Weitere Schritte für den Ernstfall findet ihr hier.

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