• Coronavirus attackiert das Gehirn
  • Forscher finden Beweise, wie "Sars-CoV-2" Neuronen angreift
  • Covid-19 soll IQ um bis zu 8,5 Punkte senken
  • Gesundheitliche Folgen sind vielfältig

Seit geraumer Zeit erforschen Wissenschaftler Gehirne von Corona-Infizierten. Längst ist klar: "Sars-CoV-2" befällt nicht nur die Lunge. Auch im Hirn sind Schäden möglich. Nun haben Forscher konkrete Beweise gefunden, wie das Virus Neuronen angreift. 

Update vom 06.11.2020: Covid-19-Infektion soll Auswirkungen auf die Intelligenz haben

Im Rahmen des Great British Intelligence Test wird seit 2019 die britische Bevölkerung dazu aufgerufen, im Internet neun kurze Tests zu verschiedenen kognitiven Fähigkeiten zu absolvieren. Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen Intelligenztest, da dieser deutlich länger sein müsste.

Nach der Bearbeitung des Fragebogens wird der soziodemografische, wirtschaftliche und berufliche Hintergrund sowie der Lebensstil des Teilnehmers erfasst. Ein Team des "Imperial College London" hat die Antworten aller 84.285 Befragten ausgewertet.

Eine Analyse der Tests ergab, dass Teilnehmer, die eine Corona-Infektion bereits hinter sich gebracht hatten, die Fragen deutlich schlechter beantworteten, als der Rest. Der Leistungsunterschied der 3466 Covid-19-Patienten entspräche "etwa 8,5 IQ-Punkten in einem Standard-Intelligenztest oder einer frühzeitigen Alterung um zehn Jahre“, heißt es im Studienbericht der Universität. Laut dem Deutschen Ärzteblatt  und der Einschätzung von Experten sei die Aussagekraft der Studie jedoch gering.

Update vom 18.09.2020: Wie das Coronavirus das Gehirn angreift

Das Coronavirus belastet nicht nur die Lunge. Auch andere Organe sind von den Folgen einer Infektion mit "Sars-CoV-2" betroffen - zum Beispiel das Gehirn. Zwar tappt die Wissenschaft bei der Erforschung der Folgen für das Gehirn noch weitestgehend im Dunkeln. Allerdings hat ein Forscherteam nun neue Erkenntnisse dazu veröffentlicht. Darüber berichtet unter anderem das Redaktionsnetzwerk Deutschland

Immer mehr Patienten berichten von neurologischen Symptomen im Zusammenhang einer Ansteckung. Von Schwindel, Kopfschmerzen oder Gedächtnislücken wird gesprochen - und das zum Teil auch Wochen und Monate nach der eigentlichen Infektion. Mediziner beobachten zudem, dass es zu Nervenschäden und Entzündungen des Gehirns kommen kann. 

Bisher ist allerdings nicht abschließend geklärt, ob das Coronavirus das Hirn direkt befällt oder ob ein Symptom, wie Schwindel, ein Ergebnis des überforderten Immunsystems ist. Wissenschaftler der "Yale School of Medicine" haben in Experimenten konkrete Beweise gefunden, dass derartige Symptome mit einer Art "Virus-Invasion" im Zusammenhang stehen. Das geht aus einer Studie hervor, die Anfang September 2020 auf dem Wissenschaftsportal "Biorxiv" veröffentlicht wurde. "Insbesondere zeigen unsere Experimente, dass das Gehirn ein Ort für ein hohes Replikationspotenzial für Sars-CoV-2 ist", teilt das Forscherteam der "Yale School of Medicine" mit. 

Demnach greift das Coronavirus auch benachbarte Zellen an. Die Wissenschaftler ziehen den Vergleich zur Infektionskrankheit "Zika". Bei "Sars-CoV-2" habe man allerdings einen deutlich aggressiveren Befall, als bei vergleichbaren Erkrankungen festgestellt. Die Erkenntnisse bestätigen eine Studie, die Ende Mai von Forschern der "University of San California" veröffentlicht wurde. 

Schwindel und Gedächtnislücken: Corona greift das Gehirn an

Die Forscher betonen allerdings, das die bisher erfassten Daten nicht ausreichen, um abschließende Einschätzungen abzugeben. Sprich: Weitere Studien sind auf diesem Forschungsfeld notwendig. 

Bezüglich neurologischer Symptome durch eine Corona-Infektion zeigt die Untersuchung britischer Forscher zusätzlich neue Details. Die Wissenschaftler errechneten Wahrscheinlichkeiten, wann schwer erkrankte "Covid-19"-Patienten neurologische Symptome entwickeln. Ihre Erkenntnisse wurden im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht. 

In der Studie wurden insgesamt 125 Corona-Patienten untersucht: Davon erlitten 62 Prozent einen Schaden am Gehirn. Dieser äußerte sich zum Beispiel in Form von Hirnblutungen oder Schlaganfällen. Aber auch psychische Symptome zeigten sich: 31 Prozent litten zum Beispiel unter Verwirrung. Das zeigen auch Untersuchungen aus China: Wie eine Studie berichtet, die im Fachmagazin Annals of Neurology publiziert wurde, zeigten sich auch in Wuhan Symptome, wie Schwindel bei zahlreichen Patienten. Rund 500 Betroffene wurden dort untersucht. 

Die wissenschaftlichen Analysen auf diesem Gebiet haben mittlerweile auch das "Robert-Koch-Institut (RKI)" dazu bewogen neurologische Corona-Symptome in den Steckbrief der Krankheit aufzunehmen. "Covid-19 kann sich in vielfältiger Weise und nicht nur in der Lunge, sondern auch in anderen Organsystemen manifestieren", heißt es darin. 

Erstmeldung vom 03.04.2020: Hilft Schokolade bei Corona-Infektionen?

Das Coronavirus hält die ganze Welt in Atem. Meldungen über die Infektion bestimmen das alltägliche Leben jedes Einzelnen. Alle neuen Entwicklungen in Deutschland und der Welt über den Coronavirus finden Sie in unserem Corona-Ticker. Forscher liefern jetzt eine mögliche Erklärung dafür, warum Menschen ohne Symptome sterben, nachdem das Virus bei ihnen nachgewiesen werden konnte. Zudem gibt es neue Erkenntnisse darüber, wie  sich das Virus auf den Geruchs- und Geschmackssinn auswirkt.

Vielfältige Symptome wie Husten, Fieber, Atemnot oder Magenprobleme kann jeder Einzelne selbst erkennen. Laut Angaben des MDR gibt es nun eine neue Studie aus China, die zeigt, dass sich Coronaviren auch im Gehirn ansiedeln. Professor Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie sagte dazu: "Die Hypothese ist, dass das Virus über Nervenbahnen den Weg in den Hirnstamm findet. Dort sind wichtige Zentren verortet, insbesondere zur Steuerung von Herzkreislauf und Atmung, sodass sowohl gefährliche Herz-Rhythmus-Störungen, als auch Atmungsstörungen ausgelöst werden könnten."

Anzeichen für den Befall des Gehirns

Beim Thema Coronavirus gibt es viele Spekulationen. Man möchte möglichst viel über das Virus lernen, weshalb Daten sehr schnell veröffentlicht und von Forschern weltweit verbreitet und ausgewertet werden. Bereits ältere Arbeiten zeigten, dass Coronaviren in das zentrale Nervengehirn eindringen können, erläutert Berlit. Er betont aber auch, dass man noch nicht genau wüsste, ob dies auch auf das neuartige Virus zutrifft.

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Forscher sind sich aber einig, dass es Hinweise dafür gibt: Manche Infizierte Personen können schon zu Beginn schlechter riechen oder schmecken. Dies ist ein Anzeichen, dass etwas im Gehirn nicht funktioniert. Zudem gibt es Patienten, die ohne Symptome schwer erkranken, ein weiterer Hinweis für den Befall des Gehirns. Bei wie vielen die Coronaviren im Gehirn wirken sei bisher aber nicht bekannt.

Dass vor allem der Geruchs- und Geschmackssinn vom Coronavirus betroffen werden können, erklärt auch der Virologe Hendrik Streeck in einem Interview mit der FAZ. Der Institutsleiter für Virologie am Universitätsklinikum Bonn erklärt, dass "fast alle Infizierten" die an der Universitätsklinik Bonn befragt wurden, von einem mehrtägigen "Geruchs- und Geschmacksverlust" berichten. 

Geruchs- und Geschmackssinn werden gestört 

"Das geht so weit, dass eine Mutter den Geruch einer vollen Windel ihres Kindes nicht wahrnehmen konnte", berichtet Streeck über die Befunde. Offenbar geht der Geruchssinn plötzlich verloren, kehrt jedoch ein paar Tage nach Abklingen der Krankheit zurück. Derzeit wird angenommen, dass Nervenzellen der Geruchsrezeptoren - die sich in der Nase befinden - durch das Coronavirus gestört, nicht aber zerstört werden. 

Infizierte berichten außerdem über eine Einschränkung oder gar Verlust des Geschmacks. Laut den Aussagen der Befragten begann das Essen "fade zu schmecken", so Streeck. Noch könne jedoch nicht eindeutig gesagt werden, zu welchem Zeitpunkt der Krankheit dieses Symptom auftritt. 

Der Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns ist also ein spezifisches Symptom einer Coronavirusinfektion. Um eigenständig zu merken, ob sich der Geschmack verändert, kann ein täglicher Test helfen. Eine Idee wäre, täglich ein beliebiges, geschmacksintensives Nahrungsmittel - zum Beispiel ein Stück Schokolade - zu essen.  Stellt mit der Zeit eine Geschmacksveränderung oder gar einen Geschmacksverlust fest, ist dies ein mögliches Indiz einer Infektion. Zu beachten dabei ist, dass dieser Test nicht wissenschaftlich belegt ist und nicht garantiert, dass eine Infektion festgestellt wird. Er ersetzt nicht den Besuch bei einem Hausarzt.