• Delta-Untervariante "AY.3" breitet sich aus
  • Forschende besorgt: Mutation "könnte" noch gefährlicher sein
  • Das ist bisher über die Corona-Variante bekannt

Eine neue Untervariante der Delta-Mutation bereitet Forschenden Sorge. "AY.3" breitet sich seit einiger Zeit in den USA, Israel und Großbritannien aus. Auch in Deutschland wurde der Delta-Untertyp vereinzelt nachgewiesen. Nach aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) gab es im August 37 Corona-Fälle, die auf AY.3 zurückgehen.

Neue Delta-Mutation: AY.3 "könnte" noch gefährlicher sein

Noch gibt es wenige Daten zu der neuen Corona-Mutation, erste Hinweise verheißen jedoch nichts Gutes. Die Wissenschaftlerin Christina Pagel vom University College London sieht in den Corona-Zahlen aus den USA und Großbritannien "auf jeden Fall das erste deutliche Anzeichen für eine möglicherweise besorgniserregende Variante hier seit einiger Zeit".

In England ist zum Beispiel der Anteil der Delta-Variante seit ein paar Wochen leicht gesunken. "Was kein Grund zur Sorge sein muss - außer, dass dieser Rückgang fast ausschließlich am rasanten Anstieg von AY.3 liegt", so Pagel auf Twitter. In den USA sind die Daten dagegen schwerer zu interpretieren. Zwar seit der Anteil an AY.3 dort laut der Gesundheitsbehörde CDC ebenfalls gestiegen, jedoch mit dem Anteil der regulären Delta-Variante. Es sei demnach schwer zusagen, ob AY.3 Delta tatsächlich verdränge oder nur vorherige Virusvarianten.

Die Zahl der Covid-19-Fälle steigt jedoch in jenen US-Staaten, in denen AY.3 bereits am weitesten verbreitet ist. "Es könnte ansteckender als Delta sein, es könnte das Immunsystem leichter umgehen", schrieb Pagel. Die Betonung legt sie dabei auf "könnte" - es gebe noch vieles, dass wir nicht über die neue Corona-Variante wissen. Die Ausbreitung könne ebenso nur Zufall sein oder auf die Stichprobe zurückgehen. Zudem kann sich die Kategorisierung der Corona-Varianten mit der Zeit ändern. Welche Sequenzen zu AY.3 gezählt werden, habe sich in England zum Beispiel erst Mitte August geändert, erklärte Pager.

Variante AY.3 resistent gegen Corona-Impfung? Düstere Einschätzung aus Israel

Jede Corona-Variante, die Delta verdrängen könnte, werde aber weiter beobachtet. "Wir haben das schon einmal gesehen und sollten anfangen zu planen, was zu tun ist, und mehr über AY.3 herausfinden", schlussfolgerte Pager.

Israel befürchtet bereits einen Wendepunkt in der Pandemie durch die Delta-Untervariante. "Es sieht sehr, sehr virulent aus, was die Infektionsrate angeht", so Asher Salmon, Leiter des Referats für internationale Beziehungen im Gesundheitsministerium, laut der israelischen Zeitung  Haaretz. Zudem gebe es Hinweise, dass AY.3 eine "relative Resistenz" gegen Corona-Impfstoffe entwickle.

AY.3 wird als Delta-Untervariante von der World Health Organization (WHO) zu den "variants of concern", also den besorgniserregenden Varianten, gezählt. Diese Viruslinien unterscheiden sich deutlich, in dem sie zum Beispiel die Ansteckungsrate erhöhen oder die Wirkung von Maßnahmen wie der Corona-Impfung abschwächen. Über AY.3 ist dahingehend noch nichts nachweislich bekannt. Auch bei den Varianten AY.1. auch Delta-Plus genannt, und AY.2 war zunächst die Sorge groß. Inzwischen gibt es jedoch erste Hinweise, dass diese Delta-Subtypen weniger gefährlich sind, als gedacht. Die britische Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) hat in ihrem jüngsten Bericht ebenfalls mitgeteilt, dass den bisherigen Daten zufolge keine höhere Ansteckungsgefahr oder stärkerer Einfluss auf den Impfschutz als bei der Delta-Variante zu erkennen sei.

Neue Studie zeigt: Corona-Impfung könnte künftige Mutationen verhindern

Dass das Coronavirus immer weiter mutiert, ist nichts Ungewöhnliches. Laut Forschenden können dadurch aber mit der Zeit auch immer gefährlichere Varianten entstehen - wie nun beispielsweise die Delta-Variante, die als besonders ansteckend gilt. Eine neue Studie weist darauf hin, dass die Corona-Impfung dagegen helfen könnte. "Die Wahrscheinlichkeit von zukünftigen Mutationen hängt sehr stark von der Impfquote in Ländern ab", so SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach auf Twitter zu den Forschungsergebnissen. "Somit werden wir erst dann frei von neuen Varianten sein, wenn weltweit eine hohe Impfquote erreicht wurde."

Die Untersuchung des Forscher-Teams der University of Maryland ist bisher nur vorläufig auf dem Preprint-Portal Medrxi veröffentlicht. Insgesamt wurden Daten aus 20 Ländern ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass in Ländern mit hohen Impfquoten wie Israel oder Großbritannien die Mutationsrate geringer ist als in Ländern mit weniger vollständig geimpften Menschen. In Israel vermutet man übrigens, dass AY.3 aus den USA eingeschleppt wurde. Um weitere, gefährlichere Mutationen zu verhindern, müsste den Forschenden zufolge die Impfquote weltweit steigen.

Auch Lauterbach ist der Ansicht, dass die Corona-Impfung mit der Ausbreitung neuer Mutationen wichtiger wird. "Das erinnert daran, wie wichtig der schnelle Impferfolg ist. Es wird auf jeden Fall noch gefährlichere Varianten als Delta geben", schrieb er auf Twitter.