Wie sinnvoll sind nächtliche Ausgangssperren wirklich? Diese Frage wird insbesondere in den sozialen Medien hitzig diskutiert. Laut den Ergebnissen einer hessischen Studie der Universität Gießen gibt es keinen signifikanten Zusammenhang zwischen den bislang geltenden nächtlichen Ausgangssperren und der Auswirkung auf die Inzidenzzahlen.

Künftig soll es laut dem Bundestag zu einer bundesweiten nächtlichen Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr für Kreise oder kreisfreie Städte, in denen die Inzidenz sieben Tage lang über dem Wert von 100 lag, kommen. Die hessischen Forscher betonen jedoch in ihrer aktuellen Studie, dass die nächtlichen Ausgangssperren die Inzidenzen nicht reduzieren. Für die Studie waren die Inzidenzwerte des Robert-Koch-Institutes von mehreren hessischen Kreisen sowie kreisfreien Städten, in denen nächtliche Ausgangssperren geltend gemacht wurden, von Interesse.

Studie zu nächtlichen Ausgangssperren: "Kein effektives Mittel"

Die Untersuchungen wurden in einem Zeitraum von Mitte November 2020 bis Ende Februar 2021, also inmitten der "zweiten Welle" der Pandemie, durchgeführt. Für die Realisierung der Studie wurde die Entwicklung der Sieben-Tage-Inzidenzen von hessischen Kreisen und kreisfreien Städten in denen Ausgangssperren verhängt wurden, mit jenen, in denen dieses Gesetz nicht galt, verglichen. Innerhalb des Beobachtungszeitraums galt für 15 von 26 hessischen Landkreisen die Einschränkung der nächtlichen Ausgangssperre. Im Schnitt dauerte eine Ausgangssperre 28 Tage.

Um die Übertragung des Coronavirus zu begrenzen, seien die nächtlichen Ausgangssperren "kein effektives Mittel", insbesondere dann, wenn schon andere Corona-Maßnahmen greifen. Das Fazit der Autoren lautet deshalb: „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass nächtliche Ausgangssperren keine effektive Maßnahme zur Eindämmung der Virusübertragung sind, wenn andere nicht-pharmakologische Interventionen bereits eingeführt wurden“.

In manchen Landkreisen galten zusätzlich zur nächtlichen Ausgangssperre auch andere Maßnahmen wie zum Beispiel die Einschränkung des Bewegungsradius oder die Begrenzung des erlaubten Indoor-Individualsports. Für die Forscher wurden diese Maßnahmen zusammen mit der Ausgangssperre analysiert, da die Auswirkungen der einzelnen Regeln nicht voneinander zu trennen waren. Für die Landkreise, in denen ein solches Maßnahmenbündel galt, sei demzufolge ebenso kein signifikanter Effekt in Zusammenhang mit der Reduzierung der Inzidenzen erzielt worden. 

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