Eigentlich wollte das Bundesgesundheitsministerium mit diesem Tweet Entwarnung geben, doch genau das Gegenteil ist nun der Fall. Auf seiner Twitter-Seite hatte das Ministerium erklärt, dass Mütter trotz Corona-Impfung weiterhin stillen könnten. Die Muttermilch werde dadurch nicht beeinflusst. Eine neue Studie zeigt aber andere Erkenntnisse. In den sozialen Medien ist sogar schon von einer "Verschwörungstheorie" die Rede.

Der Post des Gesundheitsministeriums ist mittlerweile ein Jahr alt, doch die wütenden Reaktionen darunter sind brandneu. Am 26. September 2021 war auf der Seite zu lesen: "Sie können nach der Impfung gegen das Coronavirus wie gewohnt weiter stillen. Die mRNA des Impfstoffes konnte in der Muttermilch nicht nachgewiesen werden." Darunter steht in einer angefügten Illustration zudem: "Eine Stillpause oder ein Stillverzicht nach der Impfung mit einem mRNA-Impfstoff sind laut aktueller Studienlage nicht erforderlich." Beim Klick auf einen im Tweet verlinkten Artikel werden Nutzer aber stutzig: Der führt nämlich nur noch auf eine Fehlerseite.

Corona-Impfstoff in der Muttermilch? Ergebnisse widersprechen Stiko

Auch die Stiko sowie die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe hatten Schwangeren und Stillenden damals die Impfung mit einem mRNA-Stoff empfohlen und als ungefährlich eingestuft. Genau ein Jahr später kommt eine Studie jedoch zu anderen Ergebnissen: Die Forscher Nazeeh Hanna, Ari Heffes-Doon und Xinhua Lin untersuchten die Muttermilch von elf stillenden und geimpften Frauen. Laut der Studie wurden sie innerhalb von sechs Monaten nach der Geburt entweder mit einem Vakzin von Moderna oder Pfizer geimpft. Insgesamt gaben die Testpersonen 131 Proben ab, die daraufhin analysiert wurden.

Das Team kam dabei zu folgendem Ergebnis: In sieben Proben der Muttermilch konnte der Corona-Impfstoff nachgewiesen werden. Die Proben stammten von fünf der Frauen, heißt es in dem Artikel, der am 26. September 2022 in der Fachzeitschrift Jama Pediatrics veröffentlicht wurde. Auch unter dem Tweet des Bundesgesundheitsministeriums beziehen sich einige User auf die neue Studie und verlangen eine Klarstellung.

Andere werfen dem Ministerium gezielte Falschinformation vor: "Kriminell ist das!", heißt es beispielsweise in den Kommentaren. Oder: "Ihr haut uns doch hier die Taschen voll. Fragt mal ehrliche Wissenschaftler!" Und: "Ups, da hat das BMG wohl falsch informiert. (...) Die nächste Verschwörungstheorie wird wahr."

Trotz der Ergebnisse betonen die Wissenschaftler*innen im Jama-Bericht: Der nur "sporadische Nachweis" von Covid-Impfstoffen in der Muttermilch lasse darauf schließen, dass Stillen nach der Impfung unbedenklich sei. Vor allem, wenn seit der Impfung 48 Stunden vergangen sind. Die Studie liefere aber zum ersten Mal Erkenntnisse darüber, wie sich der Impfstoff in den Zellen des weiblichen Brustgewebes verteilt. Bisher war das Vakzin nur bei Tests an Ratten in deren Herzen, der Lunge, den Hoden und im Gehirn nachgewiesen worden.

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"Wir glauben, dass es sicher ist, wenn Mütter nach einer Covid-19-Impfung stillen. Dennoch ist Vorsicht geboten bei Kindern, die jünger als sechs Monate sind, und innerhalb der ersten 48 Stunden nach der Impfung der Mütter." Zudem müsse noch genauer untersucht werden, wie sich die mRNA-Stoffe in der Muttermilch mit den Routineimpfungen für Kleinkinder vertragen.

Schwangere und stillende Mütter sollten dennoch nicht auf die Corona-Impfung verzichten, rät Wolfgang Paulus vom Uniklinikum in Ulm. Es müsse erst nachgewiesen werden, dass der Impfstoff in größeren Mengen auch ins Blut der Babys gelange, erklärte der Experte für Reproduktionstoxikologie im Interview mit Focus-Online. Ohne Impfung hätten Mütter keinen Corona-Schutz und könnten auch keine Antikörper weitergeben.

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