• Vorbild Alpaka: Forscher entwickeln Mini-Antikörper gegen das Coronavirus
  • Nanobodies sind bis zu 30.000-mal neutralisierender als bisherige Antikörper
  • In den nächsten Schritten soll an einem Wirkstoff gearbeitet werden

Seit Beginn der Pandemie wird intensiv zu Gegenmitteln für das Coronavirus geforscht. Nun gelang dem Max-Planck-Institut (MPI) ein kleiner Durchbruch - die Forschenden entwickelten kleine Nanobodies, die in der Lage sein sollen, die Verbreitung des Coronavirus zu stoppen. Besonders kurios an der Entdeckung: Ihr Ursprung findet sich in Alpakas wieder.

Vorbild Alpaka: Mini-Antikörper gegen das Coronavirus - wie funktioniert das?

Doch was sind Nanobodies eigentlich? Dabei handelt es sich nicht um eine Art Hightech-Chip, sondern Mini-Antikörper, wie das MPI in seiner offiziellen Mitteilung erklärt. Diese kleinere Variante der Antikörper kann sich ebenso an Viren binden und sie unschädlich machen, nur sind sie leichter und günstiger herzustellen als reguläre Antikörper.

Die "Baupläne" für die Nanobodies hat sich das Forschungsteam des MPI aus Göttingen von Alpakas abgeschaut. Die drei Alpakas "Britta", "Nora" und "Xenia" aus der eigenen Herde des Instituts wurde dazu mehrmals mit einem Teil des Spikeproteins des Coronavirus injiziert. Die Tiere bildeten daraufhin Antikörper dagegen. Wie ein Beitrag des ZDF  zeigt, hatte eine ähnliche Entdeckung bereits im Mai zu  Untersuchungen an der Uniklinik Bonn geführt.

Eine kleine Blutprobe der Alpakas offenbarte des Wissenschaftler*innen schließlich Baupläne für über eine Milliarde verschiedener Antikörper, von denen manche mehr und manche weniger neutralisierend gegen das Coronavirus  wirken.  Wie das MPI erklärt, unterscheiden sich die ausgewählten Antikörper auf den ersten Blick nicht stark von denen aus anderen Laboren.  Das Ziel dieser Antikörper ist es, die Verbreitung des Coronavirus durch eine Neutralisierung des Spikeproteins zu erreichen.

Nanobodies im Dreierpack: Stoppt Viren bis zu 30.000-mal besser

Die dabei entwickelten Nanobodies stellen sich als besonders effizient im Vergleich zu bisher entwickelten Antikörpern heraus. Beispielsweise binden sich die einfachsten Nanobodies bereits 1000-mal stärker an das Spikeprotein als die bisherigen  Nanobodies, die gegen Corona entwickelt wurden.  Matthias Dobbelstein, Professor und Direktor des Instituts für molekulare Onkologie an der Universitätsmedizin Göttingen, kommentiert diese erste Variante als  möglicherweise geeignet dafür um "inhaliert zu werden, um so das Virus in den Atemwegen einzudämmen". Denn dadurch, dass sie so klein sind, können die Mini-Antikörper leichter in das Gewebe direkt am Infektionsort eindringen.

FFP2-Maske von Simplecase bei Amazon ansehen

Doch es gibt auch weitere Nanobody-Modelle: Ein Dreierpack  aus drei gleichen Nanobodies sorgt für eine bessere Anpassung an die Struktur des Spikeproteins und wirkt somit noch effektiver. "Der Dreierpack lässt das Spikeprotein nicht wieder los und neutralisiert das Virus sogar bis zu 30.000-fach besser als die Einzel-Nanobodies", berichtet Thomas Güttler, der ebenfalls als Wissenschaftler im Team tätig ist. Eine dritte Option besteht in einer Doppelbindung der Nanobodies, welche sich besonders wirksam gegen die momentan allgegenwärtigen Mutationen gezeigt hat, wie Wissenschaftler Metin Aksu erklärt. All diese Varianten gelten als besonders effizient, hitzeresistent und einfach sowie kostengünstig in großen Mengen herzustellen. Die Hitzebeständigkeit ist besonders wichtig, da nur so sichergestellt werden kann, dass die Anitkörper auch lange genug im Körper überleben, um zu wirken. Zudem sollen alle Nanobodies gegen die bekannten Corona-Mutanten helfen.

Im nächsten Schritt sollen die Mini-Antikörper möglichst schnell als Wirkstoff getestet werden, um somit Betroffenen Menschen zu Gute zukommen. Medien wie der Mitteldeutsche Rundfunk  bremsen die Euphorie allerdings ein wenig. Es stehen noch viele Fragen offen, Beurteilung vieler weiterer Wissenschaftler*innen fehlen und allgemein bedarf es noch erweiterter Forschung, bevor es zu einem einsatzfähigen Medikament kommen kann.

Mini-Antikörper auch für zukünftige Forschung sehr relevant

Trotzdem hält  Dirk Görlich, Direktor am MPI für biophysikalische Chemie, fest:  "Dass Nanobodies bei der Proteinfaltung helfen können, war bisher nicht bekannt und ist für die Forschung und pharmazeutische Anwendung äußerst interessant". Die Entdeckung der Forschenden könnte für die Zukunft also noch einiges bereithalten.

Artikel enthält Affiliate Links

*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach tollen Angeboten und nützlichen Produkten für unsere Leser - nach Dingen, die uns selbst begeistern und Schnäppchen, die zu gut sind, um sie links liegenzulassen. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn Sie auf einen dieser Links klicken und darüber einkaufen, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für Sie ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.