• Neue Studie aus Japan: Kann die Lambda-Variante des Coronavirus den Impfschutz durchbrechen?
  • Mutation bislang vor allem in Südamerika aufgetreten
  • Veränderung am Spike-Protein als Grund
  • Wissenschaftliche Debatte über die Gefahr der Variante

Wie wirksam sind Impfungen gegen die Lambda-Variante? Laut dem Impfdashboard der Bundesregierung haben zum Zeitpunkt des 8. August 2021 rund 62,3 Prozent in Deutschland mindestens eine Impfdosis gegen das Coronavirus erhalten. Die Impfungen schreiten also voran und werden von vielen Expert*innen nach wie vor als effektivste und wichtigste Maßnahme gesehen, um die Pandemie zu bewältigen. Wissenschaftliche Studien untersuchen währenddessen immer wieder, wie gut die Impfstoffe tatsächlich vor dem Virus schützen - und eine neue Studie aus Japan erweckt eine Menge Aufmerksamkeit.

Lambda-Variante: Wie verbreitet ist sie?

Die neue Untersuchung aus Japan dreht sich um die sogenannte Lambda-Variante des Virus und hat dessen Ausbreitung genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis der bislang nur als Pre-Print veröffentlichten Studie deutet darauf hin, dass die Lambda-Variante den Impfschutz senken könnte. Das bedeutet, die Studie ist bisher weder von externen Fachleuten begutachtet worden noch in einem Fachblatt erschienen. Über die Schlussfolgerungen ist nun eine wissenschaftliche Debatte entstanden.

Allerdings muss zunächst noch einmal auf die Lambda-Variante im Allgemeinen eingegangen werden,  da sie noch nicht im selben medialen Fokus wie andere Varianten des Virus stand. Es handelt sich bei der Mutante nicht um eine Neuentdeckung, sondern um eine bislang als ungefährlicher eingestufte Variante. Konkret lässt sich das an der Einordnung der Weltgesundheitsorganisation ablesen, welche die einzelnen Corona-Varianten einstuft.

Dabei werden die bekannten Alpha-, Beta-, Gamma- und Deltavarianten als sogenannte "variants of concern", also als besorgniserregend, eingestuft. Sie sind nachweislich ansteckender, schwerer zu bekämpfen oder führen zu schwereren Erkrankungen.  Dagegen fallen die Varianten Lambda zusammen mit Eta, Iota und Kappa unter die "variants of interest" - und stehen damit unter Beobachtung. Zuerst festgestellt wurde die Variante im Dezember 2020 und vor knapp einem Monat wurde sie als "variant of interest" benannt. Ihre Ausbreitung fällt vor allem in den südamerikanischen Regionen größer aus, in Deutschland ist sie bislang nur in Einzelfällen aufgetreten, wie der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet.

Studienergebnisse legen offen: Spike-Protein mit entscheidenden Mutationen

Ob sich das ändern könnte, wurde nun in einer neuen Studie aus Japan untersucht. Die Ergebnisse alarmieren die Wissenschaftler*innen. Denn: Die Forschungen lassen darauf schließen, dass die Lambda-Variante weniger anfällig für die Antikörper und somit die Impfung ist als andere Varianten. Die Gründe dafür liegen unter anderem in drei Mutationen, die am Spike-Protein der Variante auftreten und dafür sorgen, dass die Variante den neutralisierenden Antikörpern leichter ausweichen kann.

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Außerdem steht der Verdacht im Raum, dass das die Lambda-Variante auch ansteckender als bisherige Mutanten sein könnte. Die Forschenden sprechen sich aufgrund der Studienergebnisse dafür aus, die Variante als "variant of concern" einzustufen. Einer der Autoren der Studie, Kei Sato von der Universität Tokio, erklärt Lambda sogar zu einer potenziellen "Bedrohung für die menschliche Gesellschaft". Diese Meinung wird in den wissenschaftlichen Kreisen nicht überall geteilt. Tatsächlich weist der BR auf eine Studie hin, in welcher der Impfstoff eine hohe Wirksamkeit gegenüber der Lambda-Variante aufzeigte. Die Daten aus Japan würden derzeit überinterpretiert, teilte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Die Daten zeigten, dass Lambda in Labor-Versuchen etwas ansteckender sei als das ursprüngliche Virus, aber nicht ansteckender als die Delta-Variante, die in Deutschland derzeit vorherrschend ist. Lambda könnte demnach auch dem Immunschutz "etwas entkommen, aber nicht so stark wie Delta". Insofern beunruhige ihn diese Variante anhand der aktuell vorliegenden Daten noch nicht, erklärte Watzl.

Kein Grund zur Panik, aber zur Vorsicht

Hinzu kommt, dass auch die Ausbreitung  der Variante bislang in Deutschland keine Gefahr darstellt. Denn wie der Spiegel erklärt, hat sich die Lambda-Variante in einem Gebiet nicht durchgesetzt, sofern dieses vorher von der Delta-Variante befallen war. In einer Meldung der dpa wird selbiges Ausbreitungsphänomen durch die Expertin Maria van Kerkhove festgestellt:  "Es geht nicht wirklich hoch, selbst in Peru nicht, wo die Variante zuerst entdeckt wurde." Die Lambda-Variante wird in Peru von der Gamma-Variante verdrängt, heißt es im Beitrag.

Ebenfalls daraus hervorgeht eine Kritik an der Durchführung der Studie. Beispielsweise seien dafür keine echten Lambda-Viren, sondern nur das mutierte Spike-Protein der Lambda-Variante genutzt worden. Zudem wird die experimentelle Vorgehensweise hinterfragt, bei der nur der Antikörper gegen das Virus geprüft wird. Solche Experimente erlauben laut dpa nur bedingt Rückschlüsse auf die Schutzwirkung der Impfung im wahren Leben. Die menschliche Abwehr stützt sich auch auf sogenannte T-Zellen. Vor diesem Hintergrund bleibe wahrscheinlich selbst im Fall vermehrter Infektionen durch die Lambda-Variante der Schutz vor schweren Verläufen erhalten, sagte Christine Dahlke vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) am Mittwoch (4. August 2021) in einer Videoschalte.

Allgemein bedarf es also noch mehr Forschungen, um eine klare Aussage in Bezug auf die Lambda-Variante treffen zu können. Laut der dpa weist Watzl deutlich darauf hin, dass der Begriff Immunresistenz in Bezug auf die Lambda-Variante zu diesem Zeitpunkt "schlicht falsch" sei.

Die Impfung bleibt das beste Mittel gegen das Coronavirus

Stattdessen sollte der Fokus für die Pandemiebekämpfung weiterhin auf der Delta-Variante liegen, meint S. Wesley Long, medizinischer Direktor für diagnostische Mikrobiologie am Houston Methodist Hospital in einem Bericht des Redaktionsnetzwerkes Deutschland. Dort stellt er auch noch einmal klar fest: "Unabhängig von der Variante ist und bleibt unsere beste Verteidigung gegen das Coronavirus die Impfung." 

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mit dpa