• Corona: Johnson & Johnson-Impfstoff hat besonderen Vorteil: Eine Spritze reicht für vollen Schutz
  • Aber: Fachleute stellen die Wirksamkeit des Impfstoffs infrage
  • Schützt der Impfstoff etwa doch nicht genug?

Die Impfstoffe von Biontech und Moderna benötigen nach der ersten Impfung eine zweite Auffrischung im Abstand von etwa sechs Wochen. Im Gegensatz zu allen anderen Corona-Impfstoffen hat das Vakzin von Johnson & Johnson einen entscheidenden Vorteil: Es muss nur einmal verabreicht werden. Nun gehen Fachleute aber davon aus, dass genau dieser Vorteil verloren gehen könnte. Aufgrund der Delta-Variante könnte es sein, dass auch mit Johnson & Johnson behandelte Personen nicht um eine zweite Impfung herumkommen.

Impfstoff von Johnson & Johnson: Reicht der einmalige Impfschutz nicht gegen Delta-Variante?

Im Vergleich zu den anderen in Deutschland zugelassenen Impfstoffen besitzt Johnson & Johnson nur eine Schutzwirkung von rund 65 Prozent, so das Robert-Koch-Institut (RKI). Bei Moderna und Biontech liegt der Schutz zwischen 80 und 95 Prozent. "Bezüglich der Impfstoffe bleiben die mRNA-Vakzine die Messlatte. Ich halte es zum Beispiel für unverantwortlich, den Johnson-&-Johnson-Impfstoff auch in die Betriebs- und Hausarztpraxen zu geben. Hier ist nur eine Impfung nötig, aber die Schutzwirkung vor einer Infektion ist dementsprechend vermindert", erklärt Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Essen im Gespräch mit t-online.de.  Die Sicherheit vor der Hospitalisierung liegt jedoch bei allen Impfstoffen bei 100 Prozent.

Doch medizinische Fachleute werden immer skeptischer. Stephan Borte, Immunologe am Leipziger St. Georg Klinikum, hat Bedenken bezüglich der Schutzwirkung des Vakzins: "Das Immunsystem reagiert auf Eindringlinge entweder mit einer Tolerierung oder mit einer spezifischen Immunantwort, um gefährliche Eindringlinge unschädlich zu machen. Dafür braucht es Wiederholung, also mehrmalige Konfrontation mit dem Gegner. Ohne eine Erinnerung an den Eindringling entwickelt das Immunsystem keine oder nur wenige schützende Antikörper, da es eine erneute Konfrontation ausschließt." 

Auch die Delta-Variante sorgt für Unsicherheit. Es ist fraglich, ob der amerikanische Impfstoff auch vor den aktuellen Mutationen des Coronavirus schützt. Laut unternehmenseigenen Aussagen sei die Schutzwirkung gegen die Delta-Variante von Sars-CoV-2 immer noch gegeben. Wie der Hersteller mitteilte, verringere der Impfstoff zu 85 Prozent einen schweren Verlauf. Das ist deutlich geringer als in der Zeit der Zulassung des Vakzins, bevor die Delta-Mutante grassierte. 

J&J-Impfstoff: Brauchen wir jetzt doch eine zweite Spritze?

Nun wird drüber spekuliert, wie man den Schutz nach einer Johnson & Johnson-Impfung noch weiter steigern kann.

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Um die Wirksamkeit des Impfstoffs zu erhöhen, kommen bisher zwei Möglichkeiten infrage:

  • Eine Auffrischung: Das Verabreichen einer zweiten Dosis, unter der Prämisse, dass das Virus mutiert und Delta nicht seine letzte Variante gewesen sein könnte.
  • Eine Kreuzimpfung: Auf den Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson könnte ein mRNA-Impfstoff folgen. Dieser dient als "Booster", der das Immunsystem zusätzlich stimuliert. Fachleute sprechen bei der Kombination zweier Impfstoffe von einem heterologen Impfschema.

In medizinischen Kreisen wird eine Zweitimpfung befürwortet: "Das ist sehr sinnvoll, denn J&J ist zwar als Einmalimpfstoff zugelassen, ist dann aber eher schwach. Das hatte ja auch primär Marketinggründe. Durch Biontech wird die Wirkung vorhersehbar drastisch verstärkt, und durch die etwas andere Art, wie das Virusprotein bei Biontech kodiert wird, sollte der Impfschutz auch breiter werden", so Andreas Radbruch, Immunologe und wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums Berlin.

Dass Impfstoffe miteinander kombiniert werden können, wurde bereits bei Personen, die mit Astrazeneca geimpft wurden, vorgemacht. Sie erhielten bei ihrer Zweitimpfung oftmals kein Astrazeneca mehr. Auch in Zukunft sollen vor dem Hintergrund der sich ausbreitenden Delta-Variante Menschen, die eine erste Dosis Astrazeneca erhalten haben, als zweite Spritze einen mRNA-Impfstoff wie Biontech oder Moderna erhalten.

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