Die Corona-Krise - Kein anderes globales Ereignis hatte in den letzten Jahrzehnten einen annähernd vergleichbaren drastischen Einfluss auf die Bevölkerung. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Jeder kennt das Virus und seine potenziellen gesundheitlichen Folgen. Sowohl kurz- als auch langfristig. Was jedoch weniger bekannt ist: Ähnliche Sars-Mutationen gab es bereits in den vergangenen 20 Jahren. Das fand ein Forscherteam aus Malaysia in einer neuen Studie heraus. Laut dieser konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass in den vergangenen 20 Jahren mit „bemerkenswerter Regelmäßigkeit“, wie sie schreiben, neue Coronaviren-Mutationen durch Tiere auf den Menschen übertragen werden konnten.

Beispielsweise sprang im Jahr 2002 das SARS-CoV-Virus von Zibetkatzen auf Menschen über. Etwa zehn Jahre später wurde eine Variante des MERS-Virus zunächst bei einem Kamel, dann bei einem Menschen festgestellt. Die bekannteste Mutation ist SARS-CoV-2, das im Jahr 2019 begann sich auf der ganzen Welt zu verbreiten. Für die Forscher ist hier ein klarer Trend erkennbar: Rund alle zehn Jahre bekommen wir es mit einer neuen Variante der Coronaviren zu tun.

SARS-CoV-2 nicht das erste Coronavirus: Seit Jahren gibt es unterschiedlich gefährliche Coronaviren

Dass sich dieses Muster so schnell nicht durchbrechen lässt, unterstreicht eine neue Entdeckung der Wissenschaftler. Sie konnten nämlich eine neue Variante des Coronavirus nachweisen. Es ist offenbar von einem Hund auf den Menschen übergesprungen. Stein des Anstoßes bei der Nachforschung der Malaysischen Experten war die Überlegung von Dr. Gregory Gray, ob es vielleicht noch weitere Coronaviren geben könnte, die bereits Menschen krank machen und das Potenzial für einen erneuten Ausbruch haben. 

Sein Problem bei dieser Überlegung: Er hatte keinerlei Möglichkeiten um nach etwaigen weiteren Virus-Varianten zu suchen. Der bislang erhältliche Test auf COVID-19, sagt er, ist dafür gänzlich ungeeignet. Dieser könne lediglich bestimmen, ob die bestimmte Virus-Mutation (SARS-CoV-2) in den Atemwegen vorhanden ist. Um diesem Problem aus dem Weg zu gehen, wandte er sich an einen anderen Forscher - Leshan Xiu. Xiu sollte einen leistungsfähigeren Test entwickeln, der zwar ähnlich wie der COVID-19-Test funktionieren sollte, aber alle Arten von Coronaviren aufspüren könnte.

Gray sollte nicht enttäuscht werden. Der von Xiu entwickelte Test funktionierte besser als erwartet. So konnte das Forscherteam in einem ersten Probedurchlauf im Jahr 2020 Hinweise auf ein völlig neues Coronavirus feststellen. Auch dieses soll Lungenentzündungen bei Krankenhauspatienten auslösen können. Überwiegend bei Kindern. Bei den von Gray und Xiu festgestellten Viren könnte es sich um das mittlerweile achte Coronavirus handeln, das auf den Menschen übertragbar ist. Das machten die Forscher am Donnerstag, 20. Mai 2021 in der amerikanischen Zeitschrift „Clinical Infectious Diseases“ klar. 

Hund überträgt neues Coronavirus

Die von den Wissenschaftlern gesammelten Proben stammten von Patienten in einem Krankenhaus in Sarawak, Malaysia. Entnommen wurden sie durch einen Mitarbeiter des Krankenhauses in den Jahren 2017 und 2018. „Das waren tiefe Nasenabstriche, wie sie Ärzte bei den COVID-19-Patienten machen“, sagte Gray gegenüber dem National Public Radio (NPR) aus Amerika. Zuerst zweifelten die beiden Forscher an der Wirksamkeit von Xius Test. Um einen eigenen Fehler ausschließen zu können, wurde die Probe an Anastasia Vlasova, eine Expertin für Tier-Coronaviren an der Ohio State University geschickt.

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Auch sie zeigte sich zunächst skeptisch. Denn: Es galt zu diesem Zeitpunkt noch als höchst unwahrscheinlich, dass sich Hunde-Coronaviren auf Menschen übertragen lassen. Trotzdem untersuchte die Expertin die gesammelten Proben. Und tatsächlich: Sie konnte anhand der Gensequenzen des Virus erkennen, dass das Virus irgendwann einmal Katzen und Schweine infiziert hatte. Danach sprang es direkt von Hunden auf Menschen über. Das sei deshalb gesichert, da der größte Teil des Genoms noch ein hündisches Coronavirus sei, meinte die Expertin. 

Trotzdem sei die Lage ernst. Denn bei der Untersuchung des Virus, habe sie besorgniserregendes festgestellt. Bei dem Virus handele es sich um eine einzigartige Mutation im Genom. Diese spezifische Veränderung sei in keinem anderen bekannten Hunde-Coronavirus vorhanden, sehr wohl aber in menschlichen Coronaviren. „Es ist eine Mutation, die einer anderen sehr ähnlich ist, die zuvor im SARS-Coronavirus und in SARS-CoV-2 festgestellt werden konnte“, so Vlasova gegenüber NRP.  Diese besondere Mutation in dem Hundevirus sei laut der Expertin dafür verantwortlich, dass das Virus auf den Menschen überspringen könne. Damit könnte die Entdeckung ein zentraler Fortschritt bei der zukünftigen Bekämpfung von Coronaviren sein. 

Coronavirus früh entdeckt - Hoffnung auf effektive Bekämpfung

Die untersuchten genetischen Daten deuten laut Gray, Xiu und Vlasova darauf hin, dass sich diese neue Mutation noch in einem recht frühen Stadium seiner Reise in den Menschen befindet. Es sei noch nicht so ausgebildet, dass es den Menschen effizient infizieren könne. Außerdem ist es derzeit nicht möglich, dass sich das Virus von einem Menschen zu einem anderen ausbreitet.  Der Virologe Xuming Zhang von der University of Arkansas for Medical Sciences erklärt deshalb: „Es gibt noch keine Hinweise auf eine Übertragung von Menschen zu Menschen.“ Zhang forscht seit rund 30 Jahren zum Thema der Coronaviren. Er ist sich sicher, dass es derzeit schlicht zu früh sei, um dieses neue Virus als menschlichen Krankheitserreger zu bezeichnen. 

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„Wie die Autoren in ihrer Arbeit vorsichtig anmerken, haben sie die sogenannten Kochschen Postulate nicht bewiesen", sagt er. Das bedeutet: Vlasova, Gray und Xiu haben noch nicht beweisen können, dass das neue Coronavirus eine Lungenentzündung verursacht. Lediglich einen Nachweis des Virus bei Menschen mit Lungenentzündungserscheinungen wurde nachgewiesen. „Um die Kausalität dieses Virus nachzuweisen, müssten wir, strenggenommen, das Virus in Menschen injizieren und abwarten, ob es die Krankheit reproduziert“, sagt er. Er fügt an: „Selbstverständlich ist das keine Option. Das können und werden wir nicht tun. Schon alleine aus ethischen Gründen." Die Alternative stellt sich für Zhang wie folgt dar: „Wir schauen wie häufig das Virus bei Lungenentzündungspatienten auf der ganzen Welt vorkommt. Anschließend können wir testen, ob es Mäuse oder ein anderes Tier krank macht.“ 

Doch auch der Virologe zeigt sich von der neuen Entdeckung der Forscher besorgt. Er wäre nicht überrascht, wenn dieses Hundevirus tatsächlich ein neuer menschlicher Erreger ist. „Es ist denkbar, dass je mehr Wissenschaftler nach unbekannten Coronaviren in Lungenentzündungspatienten suchen, desto mehr Viren gefunden werden. Um eine neue Coronavirus-Pandemie verhindern zu können, sei es essenziell, dass Wissenschaftler mehr Tests an Menschen durchführen und dadurch neue Mutationen aufspüren können, bevor sie zu einem Problem für uns werden.

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