Lassen sich FFP2-Masken wirklich wiederverwenden? Seit dem 18. Januar 2021 müssen die Menschen in Bayern beim Einkaufen oder Benutzen des öffentlichen Nahverkehrs eine FFP2-Maske tragen. Laut Ministerpräsident Markus Söder sei das Ziel dieser Anordnung, die Sicherheit im öffentlichen Personennahverkehr und im Handel zu verbessern, um eine Ausbreitung des Coronavirus sowie der mutierten Virusformen zu verhindern.

Problematisch ist jedoch der Preis der FFP2-Masken. Die Kosten einer FFP2-Maske sind um ein vielfaches höher als die der OP-Masken. Klinikhygieniker raten zudem von einer mehrmaligen Benutzung der FFP2-Masken ab. Viele Menschen können es sich jedoch schlichtweg nicht leisten, die FFP2-Schutzmaske nach einer einmaligen Verwendung wegzuwerfen. Doch gibt es eine sichere Möglichkeit die Schutzmasken mehrfach zu benutzen? 

Ist eine FFP2-Maske wiederverwendbar?

Die Fachhochschule und die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster haben im Auftrag des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BdArM) die Wiederverwendbarkeit der FFP2-Masken untersucht. In der Studie hatten die Forscher verschiedene Verfahren geprüft, die das Infektionsrisiko bei einer Mehrfachverwendung verringern sollen. Laut den Münsteraner Forschern sei die wichtigste Regel, keine Masken zu tauschen, auch nicht innerhalb der Familie. Jeder Träger hinterlasse in der Maske Erreger der eigenen Nasen-, Rachen- und Hautflora, die sich mit einfachen Verfahren kaum vernichten lassen.

Die Untersuchungen haben ergeben, dass SARS-CoV-2-Erreger bei einer Erhitzung der FFP2-Maske auf 70 Grad Celsius nach über einer Stunde noch immer infektiös bleiben. Bei Raumtemperatur nimmt die Infektiösität des Virus auf dem Maskenmaterial erst nach mehreren Tagen deutlich ab. Daher sollte eine FFP2-Maske nicht an aufeinanderfolgenden Tagen getragen werden. Außerdem raten die Forscher, die Masken zum Trocknen nicht auf die Heizung zu legen. 30 bis 40 Grad Celsius seien für viele Bakterien und Pilze in feuchten Masken optimale Wachstumsbedingungen.

Erst ab Temperaturen von 80 Grad Celsius und einer Einwirkzeit von einer Stunde, können die Coronaviren vollständig vernichtet und andere Erreger deutlich reduziert werden. Bei einer Erhitzung bleibt zudem die Filterleistung der Maske erhalten, jedoch können die Haltebänder an Zugkraft verlieren. Die Temperatur von 80 Grad Celsius trockener Hitze sollte weder unter- noch überschritten werden. Bei Temperaturen über 105 Grad Celsius wird die Filterleistung deutlich beeinträchtigt und die Maske kann nicht sichtbare Materialschäden erleiden. Schon bei einer Hitze ab 90 Grad Celsius beginnen sich selbst formstabile Masken zu verformen.

Das Verfahren  "Sieben Tage trocknen bei Raumluft"

Die Forscher aus Münster geben in ihrer Studie zwei Methoden an, wie FFP2-Masken wiederverwendet werden können. Da das Virus mehrere Tage an der Maske infektiös bleiben kann, sollte eine verwendete FFP2-Maske frühstens ab dem siebten Tag wieder getragen werden. Die verwendeten Masken sollten an einem trockenen Platz aufgehängt werden, zum Beispiel im Flur, Wohnzimmer oder Büro - Bad oder Küche sind nicht dafür geeignet. Es sollte für ausreichend freie Fläche gesorgt werden, damit sieben Masken nebeneinander an einem Nagel oder Haken aufgehängt werden können. Eine Wäscheleine kann ebenfalls zum Aufhängen verwendet werden.

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Es sollte jedoch weiterhin beachtet werden, dass die FFP2-Masken in der Zeit des Trockenzyklus weiterhin infektiös sein können. Um die Masken voneinander unterscheiden zu können, wird zu einer Markierung des Wochentages auf der FFP2-Maske geraten.  Das Verwenden von der "Montags-Maske" bis zur "Sonntags-Maske" kann nur bis zu fünf Mal wiederholt werden. Danach sollten die verwendeten Masken im Hausmüll entsorgt werden.

Auch wenn die Maske defekt ist, direkt angehustet wurde oder besonders beansprucht wurde, wird zu einer direkten Entsorgung geraten - auch vor Ablauf der fünf Trockenzyklen. Im besten Fall können sich Menschen mit sieben FFP2-Masken bis zu fünf Wochen schützen.

Das Verfahren "80 Grad Celsius trockene Hitze"

Die Wissenschaftler aus Münster schlagen neben der Lufttrocknung ein weiteres Verfahren vor, um das Virus auf der Maske zu vernichten. Mit diesem Verfahren sollen FFP2-Maskenträger ihre Maske im Ofen desinfizieren können. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Maske mindestens einen Tag lang an der Luft trocknet, bevor sie in den Ofen kommt. Die verwendete FFP2-Maske sollte 60 Minuten bei 80 Grad Celsius auf einem Backofenrost oder Gitter mit Backpapier in den vorgeheizten Ofen geschoben. Wichtig ist hierbei, dass der Ofen auf Ober- und Unterhitze gestellt ist, denn bisher ist noch nicht bekannt, ob sich auch bei Umluft die Erreger von der Maske lösen können.

In den 60 Minuten sollte die Ofentür zwischendurch nicht geöffnet werden. Nach einer Stunde kann die FFP2-Maske aus dem Backofen geholt werden und an der Luft abkühlen. Nach jeder Behandlung ist die Maske auf sichtbare Schäden und Funktionen der Haltebänder zu prüfen. Auch mit dieser Methode kann eine FFP2-Maske bis zu fünf Mal wiederverwendet werden und danach im Hausmüll entsorgt werden.  Das Verfahren ist allerdings ungeeignet für formstabile FFP2-Masken (Körbchenmodell) oder Masken mit Atemventil.

Folgende Haushaltsgeräte sollten nicht zur Erhitzung verwendet werden, um FFP2-Masken zu desinfizieren: Kochtopf, Mikrowelle, Waschmaschine, Spülmaschine oder UV-Lampen.

FFP2-Maske mehrmals benutzen: Das spricht dagegen

Trotz Studie schreibt das BfArM auf seiner Website, dass die FFP2-Masken grundsätzlich nicht zur Wiederverwendung vorgesehen sind, da sie vom Hersteller als Einmalprodukte gekennzeichnet sind. Da die Masken mit der Zeit ihre besondere Filterleistung verlieren, sollten sie nicht länger als acht Stunden getragen werden. Auch wenn sie durchfeuchtet sind, sollten sie schnell gewechselt werden.

Klinikhygieniker aus Erlangen und Nürnberg sind ebenfalls der Meinung, dass die Masken regelmäßig gewechselt werden sollten. Die Wissenschaftler meinen, dass die Reinigung und Aufbereitung der Masken sehr aufwendig und im häuslichen Bereich nicht praktikabel sei. Außerdem seien die im Internet kursierenden Reinigungsanleitungen allesamt nicht validiert. Schon nach einer einmaligen Verwendung verlieren die Masken so ihre Schutzfunktion.

Daniel Lamping ist Geschäftsführer der Firma Exbert, die FFP2-Masken herstellt. Auch er rät aus Infektionsschutzgründen davon ab, die Masken in den Backofen zu schieben. Bei einem Test hatte seine Firma die Masken für 90 Minuten bei 90 Grad im Ofen erhitzt. Die Filterleistung hatte sich durch den Backvorgang verschlechtert, lag aber dennoch über dem den für FFP2-Masken erforderlichen Werten. "Es gibt nur wenige wiederverwendbare FFP2-Masken", so Lamping im Interview mit der Neue Ruhr Zeitung. Diese erkenne man am "R" für "resusable", also wiederverwendbar.

Klinikhygieniker deutlich gegen mehrmalige Benutzung

Der Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) Peter Walger rät ebenso von der Wiederverwendung der FFP2-Masken ab. "Man kann FFP2-Masken nicht reinigen. Die Masken sind Einmalartikel", so Walger. Laut dem Hygienespezialisten funktioniert das Erhitzen der Masken im Backofen ebenso wenig, wie sie zu waschen oder mit Desinfektionsmittel zu behandeln. Diese Methoden würden die Filtereigenschaften zerstören und die Maske unwirksam machen.

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