• Die Delta-Variante des Coronavirus sorgt weltweit für Aufregung
  • Sie soll eine besonders ansteckende und gefährliche Form von Covid-19 sein
  • Delta-Variante breitet sich auch in Deutschland aus
  • Doch wie gefährlich ist die Corona-Variante aus Indien wirklich? 

Das Coronavirus mutiert und passt sich an. Bereits seit geraumer Zeit existieren verschiedene Varianten des Sars-CoV-2-Erregers. Die gefährlichsten wurden Alpha, Beta und Delta getauft. Für die meisten Schlagzeilen sorgt derzeit die Delta-Variante aus Indien. Sie soll besonders ansteckend sein und sogar geimpfte Personen erneut infizieren können. Wie gefährlich ist die Delta-Mutation wirklich?

Corona: Wie ansteckend ist die Delta-Variante? 

Der Sommer ist angebrochen und die sinkenden Neuinfektionen in Deutschland deuten auf eine Entspannung der Corona-Lage hin.  Während man vor mehreren Wochen noch eine deutschlandweite Inzidenz von mehr als 100 hatte, liegt man derzeit nur noch bei 6,6 (Stand: 24. Juni 2021).

Es scheint, als würde sich alles wieder normalisieren, wenn da nicht die Delta-Variante des Coronavirus wäre. Immer wieder warnen Experten vor der Mutation aus dem indischen Raum. In Großbritannien liegt der Anteil der Delta-Infektionen bei mehr als 90 Prozent, deutschlandweit sind es derzeit nur knapp 6,2 Prozent. Am weitesten verbreitet ist in Deutschland der Alpha-Typ mit mehr als 86 Prozent (Stand: 18. Juni 2021).

Und tatsächlich dürfte die Delta-Variante bisher die bedrohlichste sein. Eine Datenanalyse der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) hat ergeben, dass das Infektionsrisiko innerhalb desselben Haushalts im Vergleich zur Alpha-Variante um 60 Prozent erhöht ist. "Man vermutet, dass die Delta-Variante sich schneller überträgt oder leichter übertragen wird als die Alpha-Variante", so die Virologin Sandra Ciesek in einem NDR-Podcast.

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Problematisch ist das sogenannte Immune Escape. Dies bedeutet, dass bereits gebildete Antikörper nach einer Impfung das Virus nicht mehr ganz neutralisieren können. Bei der Delta-Variante ist dies besonders nach der ersten Impfung der Fall: "Die erste Impfung schützt gerade bei dieser Mutante nicht sehr effizient vor einer Infektion und Erkrankung", sagte der Immunologe Carsten Watzl vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund.

Wie Die Zeit schreibt, gäbe es Studien, die belegen würden, dass nach einer zweiten Impfung mit Astrazeneca und Biontech ein guter Impfschutz gegen die Delta-Variante bestünde. Die Wirkung sei lediglich nach der ersten Impfung stark reduziert. Laut Deutschlandfunk liegt der Schutz mit Biontech nach der zweiten Dosis bei rund 88 Prozent.

Wie Karl Lauterbach gegenüber dem RBB anmerkte, sei die Saisonalität der Variante deutlich ausgeprägter als angenommen. Demnach sei das Risiko einer Infektion im Sommer deutlich geringer als zunächst befürchtet.

Welche Symptome zeigen sich bei einer Infektion mit der Delta-Variante?

Zu den üblichen Symptomen einer Coronainfektion gehörten bisher Anzeichen, wie Husten Fieber, Schnupfen oder die Störung des Geruchs- und Geschmackssinns. Bei der Delta-Variante ist man sich bisher unsicher. Die Auswertung einer digitalen Datenbank aus Großbritannien zeigte vor kurzem, dass  sich die Symptomatiken wohl verändert haben könnten. Demnach seien nun Schüttelfrost, fehlendes Hungergefühl, Kopfschmerzen und Muskelkater an erster Stelle. Genauere Informationen finden Sie hier.

Laut einer Studie aus Schottland besteht im Vergleich zur Alpha-Variante außerdem ein doppelt so hohes Risiko für Hospitalisierung. Die Studie wurde im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht.

Fachleute gehen jedoch davon aus, dass Geimpfte vor einem schweren Krankheitsverlauf oder einem tödlichen Verlauf geschützt sind. Da sich die meisten Delta-Infizierten in Großbritannien erst vor Kurzem infiziert haben, ist es aber noch zu früh, um in den Statistiken einen Effekt zu erkennen.

Wie entwickelt sich aktuell die Delta-Variante in Deutschland?

Wochenlang hatten Berichte des Robert Koch-Instituts (RKI) mit Auswertungen von Stichproben keine merkliche Zunahme des Anteils von Delta erkennen lassen. Das hat sich nach Daten vom Mittwochabend (21. Juni 2021) geändert: Es zeigt sich darin eine Verdoppelung des Delta-Anteils im Wochentakt, auf rund 15 Prozent (Woche vom 7. bis 13. Juni). Damit stellt sich ein Tempo ein, das von Virologen befürchtet wurde.

Die absolute Zahl an wöchentlichen Delta-Fällen hat laut RKI seit der 21. Meldewoche zugenommen, von etwa 270 auf rund 470 in der 23. Meldewoche zugenommen. Insgesamt ist die Sieben-Tage-Inzidenz im Land weiter rückläufig und sehr niedrig. Das erklärt sich durch den deutlichen Rückgang der Ansteckungen, die von der noch dominanten Alpha-Variante (Anteil 74 Prozent) verursacht werden. Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, sieht in der Entwicklung keinen Grund zur Panik, hält Wachsamkeit aber für angebracht: Es könnte ein Kipppunkt sein, wie die dpa am Donnerstag (22. Juni 2021) berichtet.

Was bedeutet die Delta-Variante für Teil- und Ungeimpfte? 

Fachleute befürchten, dass Delta gerade in diesen Gruppen Chancen nutzen dürfte, so die dpa. Erst rund ein Drittel der Bevölkerung hierzulande ist vollständig geimpft - das heißt, es gibt noch viele Millionen Menschen, die nicht oder nur teils vor Delta geschützt sind. Für Kinder unter 12 Jahren gibt es bislang keinen zugelassenen Impfstoff, für die 12- bis 18-Jährigen empfiehlt die Ständige Impfkommission in Deutschland die Immunisierung nur bei Vorerkrankung.

Modellierer befürchten entsprechend, dass die Variante sich bei ungeimpften Schülerinnen und Schülern ausbreitet, wenn die Schulen zum Präsenzunterricht ohne Schutzmaßnahmen zurückkehren sollten. Das dürfte angesichts der derzeit häufigen Forderung, Schulen in der Pandemie offenzuhalten, einen Konflikt bedeuten. In England, wo Delta die Fallzahlen wieder steigen lässt, wurden Schulausbrüche verzeichnet. Ebenso in Israel, wo die Maskenpflicht für Schüler in zwei Ortschaften wieder verhängt wurde, nachdem sie wenige Tage zuvor aufgehoben worden war.

Wie könnte es in nächster Zeit weitergehen? 

Deutschland könnte erst einmal von den Sommerferien und der nun sehr niedrigen Sieben-Tage-Inzidenz profitieren, sagen manche. Aber ein ruhiger Sommer ist keineswegs sicher. «Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Delta-Variante im Sommer ausgiebig zirkulieren wird», hieß es von der EU-Gesundheitsbehörde ECDC am Mittwoch (21. Juni 2021).

Schätzungsweise werde Delta bis Ende August einen Anteil von 90 Prozent an den Corona-Infektionen in der EU und Norwegen, Island und Liechtenstein ausmachen. Mahnungen beziehen sich auch auf Einschleppungen durch Reiserückkehrer und die Fußball-EM; gewarnt wurde etwa vor Delta-Einschleppungen durch Trips von Fans nach London.

In Indien nehmen die Fälle seit Wochen wieder stark ab - warum ist das so? 

Laut dem bekannten indischen Virologen T Jacob John dürfte der Rückgang der Fälle hauptsächlich eine natürliche Ursache haben: So habe sich das Virus bei der heftigen zweiten Welle schnell verbreitet, wodurch immer weniger empfängliche Menschen übrig blieben.

Dadurch sei die Welle abgeflaut. John geht basierend auf Berechnungen davon aus, dass während der beiden bisherigen Wellen in Indien insgesamt mindestens eine Milliarde der mehr als 1,3 Milliarden Menschen im Land Corona gehabt und dadurch einen gewissen Schutz hätten. Auch Drosten sagte, dass wohl hauptsächlich einsetzende Herdenimmunität in Indien zum Rückgang geführt habe, außerdem erwähnte er die kurzzeitig getroffenen strengen Maßnahmen.

Fazit: Wie gefährlich ist die Delta-Variante von Covid-19?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die indische Variante als "besorgniserregend" eingestuft, also in der höchsten Kategorie.  "Auch bei uns wird sich diese Variante durchsetzen", sagte der Dortmunder Immunologe Carsten Watzl mit Blick Richtung Herbst. Auch das Robert Koch-Institut teilt diese Einschätzung. "Wir sind im Moment noch in der glücklichen Lage, dass diese Variante zwar hier ist, aber noch nicht sehr stark verbreitet ist, und die Hoffnung besteht, dass wir das auch über den Sommer relativ niedrig halten können", sagte Immunologe Watzl. 

Delta wird nicht verschwinden, eher im Gegenteil, es wird wohl auch in Deutschland die dominierende Variante des Coronavirus werden. Sollte es eine vierte Welle geben, wird der Zeitpunkt und die Anzahl der vollständig geimpften Personen ausschlaggebend dafür sein, wie umfangreich die Auswirkungen sein werden.

aa/red/dpa

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