• Die Corona-Maßnahmen werden von vielen Seiten kritisiert
  • Nun haben sich Aerosol-Experten öffentlich zu Ausgangssperre, Maskenpflicht und Co. geäußert
  • Viele Maßnahmen seien nicht effektiv, die wahre Gefahr würde im Innenraum lauern

Ausgangssperre, Maskenpflicht, Mindestabstand: Mittlerweile haben sich einige Maßnahmen im Kampf gegen Covid-19 etabliert. Sie alle sollen dazu dienen, das Infektionsrisiko im öffentlichen Raum einzudämmen. Forschern zufolge haben viele Regeln jedoch nur einen symbolischen Wert. Die wahre Gefahr würde von der Politik bisher nicht bekämpft werden. 

COVID-19: Infektionsgefahr im Innenraum am größten

Führende Aeorosol-Forscher aus Deutschland fordern von der Politik eine Änderung der Marschroute. Bisher würden wichtige Feststellungen nicht in die Tat umgesetzt werden: "Leider werden bis heute wesentliche Erkenntnisse unserer Forschungsarbeit nicht in praktisches Handeln übersetzt", heißt es in einem Brief an die Bundesregierung, der der Deutschen Presseagentur (dpa) vorliegt.

Gemeint ist die Erkenntnis, dass sich ein großer Teil der Infektionen nicht im öffentlichen Raum, sondern in Gebäuden ereignet. "Die Gefahr lauert drinnen", schreiben die Verfasser. Das Coronavirus verbreitet sich über die Luft. Um sich anzustecken braucht es im Innenraum keinen direkten Kontakt. Bei schlechter Belüftung reicht es bereits, wenn eine infektiöse Person kurz vorher im selben Raum war.

Die Autoren des Briefes fordern deshalb härtere Maßnahmen für Wohnungen, Büros, Klassenräumen, Wohnanlagen und Betreuungseinrichtungen. Dieser Meinung schließt sich auch Prof. Christian Kähler der Universität der Bundeswehr München an. Er kritisiert zudem, dass sich der Lockdown negativ auf Staat, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und die Demokratie auswirkt. 

Corona-Maßnahmen nur symbolisch? Kritiker bezeichnen Regelungen als "kontraproduktiv"

Wie die Forscher schreiben, würde sich SARS-CoV-2 fast ausnahmslos im Innenraum übertragen. Im Freien sei es eher die Ausnahme. Die Zahl der Vorfälle an der frischen Luft wäre "im Promillebereich". Auch würden im Freien nie größere Gruppen – sogenannte Cluster – infiziert, wie das in Innenräumen etwa in Heimen, Schulen, Veranstaltungen, Chorproben oder Busfahrten zu beobachten sei.

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Aus diesem Grund seien Maßnahmen wie die Maskenpflicht beim Joggen eher symbolischer Natur, Debatten über das Spazierengehen, Radfahren oder das Besuchen von Biergärten seien sogar "kontraproduktiv".

Auch die Ausgangssperre wird von den Kritikern ins Visier genommen. Den Briefschreibern zufolge würde sie mehr versprechen, als sie halten könne. Heimliche Treffen in Innenräumen würden damit nicht verhindert werden. Außerdem: "In der Fußgängerzone eine Maske zu tragen, um anschließend im eigenen Wohnzimmer eine Kaffeetafel ohne Maske zu veranstalten, ist nicht das, was wir als Experten unter Infektionsvermeidung verstehen", so die Aerosol-Forscher.

Effektive Maßnahmen: Was hilft gegen die steigenden Corona-Fallzahlen?

Stattdessen empfehlen die Autoren mehrere Maßnahmen. Unter anderem werden folgende Möglichkeiten genannt:

  • Reduzierung von Treffen in Innenräumen
  • Treffen in Innenräumen so kurz wie möglich gestalten
  • Stoß- oder Querlüften, um Bedingungen wie im Freien zu schaffen
  • effektive Masken auch in Innenräumen
  • Raumluftreiniger und Filter überall da, wo sich Menschen länger in geschlossenen Räumen aufhalten

"Die Kombination dieser Maßnahmen führt zum Erfolg", heißt es im Brief. Zu den Unterzeichnern gehören  der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach, Generalsekretärin Birgit Wehner und der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch.

aa/dpa

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