Laut Johns-Hopkins-Universität gibt es weltweit (Stand: 5. April, 9.35 Uhr) über 1,2 Millionen COVID-19-Fälle. In Italien und Spanien sterben täglich bis zu 1000 Menschen an dem Virus. Die USA führen mit über 300.000 Erkrankten die traurige Rangliste an und gehen in eigenen Prognosen in Zukunft von bis zu 240.000 Toten aus.

In Deutschland steigen die Zahlen auf über 91.000 COVID-19-Erkrankte. Die Zahl verdoppelt sich derzeit nach etwa sechs Tagen. Über 24.000 sind zwar wieder geheilt, aber 1275 Menschen sind an dem Virus verstorben. 

Deutsche Covid-19-Patienten im Vergleich jünger

Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) liegt der Altersmedian beim Coronavirus (das heißt, die Hälfte aller an COVID-19-Erkrankten ist älter beziehungsweise jünger) bei 49 Jahren. 

Unter den Fällen in Deutschland (Stand: 2. April, n=73.000 Fällen) sind 551 Kinder unter 5 Jahren, 1.431 Kinder im Alter von 5 bis 14 Jahren und 54.599 Personen im Alter von 15 bis 59 Jahren. Der Großteil der Erkrankten in Deutschland ist zwischen 15 und 59 Jahren alt. 

Die detaillierte Statistik der Coronavirus-Fälle in Stadt und Kreis Bamberg kommt zu einem ganz ähnlichen Ergebnis.

Die infizierten Italiener sind im Median 62 Jahre alt und damit im Vergleich 13 Jahre älter als die Erkrankten in Deutschland. Spaniens Corona-Mehrheit – 52 Prozent – ist im Alter von 50 bis 79. Woran liegt es, dass im Vergleich in Deutschland so viele junge Leute Corona haben? Es gibt dafür Gründe. So liegt es zum Beispiel daran, wie und wie viel getestet wird. Aber auch die Bevölkerungsstruktur des Landes selbst spielt eine Rolle, genauso wie ein funktionierendes Gesundheitssystem.

Verzerrung bei Corona-Zahlen

An den Zahlen zeigt sich eine statistische Verzerrung. Die Zahl der nachgewiesen Infizierten sagt nichts darüber aus, wie viele Menschen tatsächlich erkrankt sind. 

Die Tests blicken immer in die Vergangenheit

Wenn jemand Symptome entwickelt, dann hat er das Virus bereits seit einer Zeit in sich getragen. Die Inkubationszeit ­– die Zeit zwischen Ansteckung und ersten Symptomen – kann bis zu 14 Tage dauern.

Bei ersten Symptomen muss ein Test durchgeführt und die Probe analysiert werden. Der Meldeverzug bei den Behörden ist gerade auch an den Wochenenden zu sehen. Es kann lange dauern, bis eine einzelne infizierte Person zur Statistik hinzugefügt werden kann.

Die Zahl der Infizierten sagt aus, wie viel getestet wurde

Zudem würden in Deutschland im Vergleich relativ viele Tests durchgeführt, argumentiert seit Beginn der Krise der Berliner Virologe Christian Drosten. In seinem NDR-Podcast analysiert er die tägliche wechselnde Lage zum Coronavirus. 

In Italien wurde erst angefangen zu testen, als es bereits eine hohe Dunkelziffer an Infizierten gab. Damit wurden eher Menschen mit akuteren Symptomen getestet, um die Testkapazitäten nicht zu überlasten. Menschen mit leichten Symptomen testet man eher nicht. Und diese seien – laut dem Experten Drosten – vor allem Jüngere. 

Dagegen werden in Deutschland auch Menschen mit weniger starken Symptomen getestet und auch leicht Erkrankte erfasst. Dies ist möglich, da es erstens mehr Kapazitäten in den Laboren für die Auswertung gibt. Zweitens fing man bereits an, flächendeckend zu testen, als es noch recht wenige Infizierte gab. Dadurch fiel von Beginn an die Dunkelziffer in Deutschland geringer aus als etwa in Italien oder Spanien. 

Es scheint daher sinnvoller, die Sterberate zu betrachten und nicht nur die Infiziertenzahl. Länder, in denen viel getestet wird – wie Südkorea und Deutschland – erfassen nämlich leicht erkrankte – die oft jünger sind.

Die Aussagekraft der Sterberate

In Deutschland liegt die Letalität – also die Sterberate – im Vergleich zu anderen Ländern relativ niedrig zwischen 0,8 bis 1 Prozent. Das jüngste Todesopfer ­war zwar 28 Jahre alt. Aber 86 Prozent der Menschen, die am Coronavirus sterben, sind 70 Jahre und älter. In Italien hingegen liegt die Sterberate bei fast 12 Prozent, 95 Prozent (11.924) sind über 60 Jahre alt.

Wie erklärt sich dieser Unterschied der Sterberaten? Es liegt zunächst daran, dass weniger leicht Erkrankte ermittelt werden. Zudem liegt es auch an den Kapazitäten des Gesundheitssystems. Deutschland hat im Vergleich relativ viele Intensivbetten. Italiens System ist im Moment extrem überlastet, denn Italien hat:

  • zu wenig Beatmungsgeräte
  • zu wenig Betten auf Intensivstationen
  • zu wenig Ärzte

Das ist die eine Erklärung für die hohe Sterberate. Die andere ist, dass die Berechnung der Sterberate etwas ungenau ist: Die Zahl der Infizierten wird durch die Zahl der Toten geteilt. 

Hier kann es allerdings – von Land zu Land – zu großen Unterschieden im Ergebnis kommen. Wie bereits geschildert, unterscheiden sich die Infiziertenzahlen teils enorm, zum Beispiel weil in Deutschland mehr getestet wird als in Italien. Dadurch schnellt die Sterberate in Italien im Vergleich in die Höhe, weil junge Menschen nicht getestet werden, die eher ohne Behandlung wieder an der Lungenkrankheit genesen.

Zudem gibt es eine Dunkelziffer, die unbekannt ist. Dadurch fällt die Sterberate in Deutschland geringer aus. Das RKI sagt zur Dunkelziffer: „Dazu liegen keine verlässlichen Daten vor, weil die tatsächliche Anzahl erkrankter Menschen unbekannt ist und möglicherweise deutlich höher liegt als die Zahl der gemeldeten Erkrankungsfälle.“

Ein weiterer Grund dafür, dass manche Staaten weniger junge und mehr ältere Infizierte haben, liegt schlicht an der Altersstruktur in der Bevölkerung. Italien hat die älteste Bevölkerung in Europa und mit einem Median von 46,7 Jahren sogar einen der höchsten weltweit. Weil alte Menschen deutlich häufiger unter Vorerkrankungen leiden, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie einen schweren Verlauf erleiden und in Folge daran sterben.

Italien als Virus-Hotspot

Virologe Drosten vermutet noch einen weiteren Grund dafür, dass junge Menschen in Deutschland – besonders zu Beginn und mit Auswirkungen auf heute – so stark vom Coronavirus betroffen sind: Er vermutet, dass das Coronavirus nach Deutschland eingeschleppt wurde, durch Menschen, die in der Zeit um den Karneval herum Skifahren in Italien waren. Das waren meist jüngere Menschen, die sich auch eher mit Altersgenossen umgaben. Sie trugen dann das Virus nach Deutschland und infizierten unwissend andere Altersgruppen - aber in erster Linie den eigenen Freunde- und Bekanntenkreis.

Fazit

In Italien oder Spanien tauchen junge Menschen also nicht zwingend in der Statistik auf. Zum einen, weil sie nicht getestet werden und zum anderen, weil sie ohnehin oft ohne Behandlung wieder genesen.

In Deutschland weiß man also von relativ vielen jungen Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Dies liegt daran, dass in Deutschland mehr getestet wird, was wiederum an den Laborkapazitäten und den Kapazitäten des Gesundheitssystems liegt.

Aktuelle Informationen zur Entwicklung des Coronavirus in Deutschland erfahren Sie in unserem Newsticker.