Es überrascht Experten weltweit: Die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen belief sich in Großbritannien noch vor kurzem auf 60.000 Fälle am Tag - einem Land, in dem mittlerweile mehr als 70 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft ist. Schuld daran hatte laut Experten die Delta-Variante. Umso überraschender ist nun die Tatsache, dass der Inzidenzwert seit dem Höhepunkt am 15. Juli 2021 wieder deutlich gefallen ist, mit einer weiterhin sinkenden Tendenz. Woran kann das liegen?

Kit Yates, ein Wissenschaftler der Universität Bath, spekuliert auf einen Zusammenhang zwischen den fallenden Zahlen und den Schulschließungen. Dies führt im Allgemeinen dazu, dass die Familien, insbesondere die Kinder, viel Zeit an der frischen Luft verbringen und somit einem geringeren Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind als in einem Klassenzimmer. Der Verzicht auf Corona-Tests und somit potenzielle positive Ergebnisse der Briten, die derzeit im Urlaub sind, könnte ebenso ein Faktor sein, der das rückläufige Infektionsgeschehen erklärt.

Inzidenz-Rätsel: Großbritannien im Freien - Kann das der Grund für die sinkenden Zahlen sein?

Auch Epidemiologe Timo Ulrichs von der Akkon Hochschule in Berlin vermutet, dass diese Faktoren eine Rolle spielen könnten. "Es wird ferienbedingt weniger getestet, die Menschen sind nicht vor Ort, sondern im Urlaub und verzichten dort weitgehend aufs Testen", erklärt er in einem Interview mit Focus Online. Aber auch die Vorsicht von gewissenhaften Briten nach der Aufhebung aller Schutzmaßnahmen könnte für die sinkenden Zahlen verantwortlich sein.

In den Niederlanden ist ein ganz ähnlicher Trend zu verzeichnen. Das Land, welches als Hochinzidenzgebiet gilt, litt stark unter der Delta-Variante und wies noch am 26. Juli 2021 eine Zahl von über 10.000 täglichen Neuinfektionen auf. Bereits ab dem darauffolgenden Tag sank diese Zahl stark und ist bis jetzt weiterhin sinkend.

An den rückläufigen Zahlen in den Niederlanden liegt wohl keinesfalls die Urlaubszeit, sondern eher die verschärften Maßnahmen infolge einer Massenansteckung bei einem Open-Air-Festival in Utrecht. Seither sind Nachtclubs und Diskotheken wieder geschlossen und auch die Gastronomie muss ihre Sitzplätze und die Öffnungszeiten wieder an das Pandemiegeschehen anpassen.

Portugals Inzidenz-Kurve fallend: Was steckt dahinter?

Auch in Portugal verhält sich die Neuinfektionen-Kurve wie die in Großbritannien und den Niederlanden. Am 26. Juli 2021 war die Zahl der Neuinfektionen im Vergleich zur Vorwoche um 2000 gesunken. Ähnlich wie in den Niederlanden könne das rückläufige Infektionsgeschehen mit verschärften Maßnahmen einhergehen. In Portugal, besonders in den Hotspots wie Lissabon, wurde ebenfalls die Gastronomie eingeschränkt und eine erneute Ausgangssperre verhängt.

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Der Experte Ulrichs ist nicht der Meinung, dass die sinkenden Zahlen ein dauerhafter Zustand sein werden. "Ich befürchte, dass die Zahlen nach Reiserückkehr vieler Menschen in diesen Ländern wieder steil nach oben gehen werden und es sich bei dem Knick nur um ein vorübergehendes Phänomen handelt", räumt er ein. Es gäbe vor allem keinen Grund, warum die Inzidenz von allein sinkt - in Anbetracht der hochinfektiösen Delta-Variante. Das sei erst möglich, wenn die Bevölkerung durch Durchimpfung und Durchseuchung ausreichend geschützt sei und das Virus nicht mehr so oft auf Menschen trifft, die noch nicht immun sind. Bisher ist das noch in keinem der betroffenen Länder der Fall.

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